Datenskandal US-Verbraucherschutzbehörde ermittelt offenbar gegen Facebook

Schützt Facebook die Daten seiner Nutzer gut genug? Berichte über einen hochproblematischen Vorfall sollen nun die US-Verbraucherschutzbehörde FTC alarmiert haben - eine weitere Baustelle für Facebook.
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Foto: JOSHUA ROBERTS/ REUTERS

Mit der Federal Trade Commission (FTC) hat nun offenbar eine US-Bundesbehörde die Ermittlungen gegen Facebook aufgenommen. Das berichtete "Bloomberg News".  

Im Kern gehe es bei den Ermittlungen der Verbraucherschutzbehörde darum, ob das Unternehmen der Datenanalysefirma Cambridge Analytica ermöglicht habe, an Nutzerinformationen zu gelangen, obwohl dies gegen die eigenen Richtlinien verstoße. Dies sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Agentur am Dienstag. Die FTC war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Medienberichten zufolge hatte die britische Firma Cambridge Analytica unerlaubterweise Zugriff auf Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern - zur Verfügung gestellt von einem Forscher, der mit Hilfe eines Persönlichkeitstests Daten auf Facebook erhoben hatte. Das Unternehmen stand auch in Diensten von Donald Trump, um ihm im Wahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu helfen. Es weist die Vorwürfe zurück  und betonte, die fraglichen Profile seien nicht für den US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingesetzt worden.

Sollte die FTC zum Schluss kommen, dass der Vorfall einen Verstoß gegen ein Datenschutzabkommen darstelle, könnten Facebook Strafen in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar drohen, hatte zuvor bereits die "Washington Post" berichtet. 

Video: Datenskandal bei Facebook

SPIEGEL ONLINE

Großbritannien: Parlament lädt Zuckerberg zu Anhörung

Auch in Großbritannien, dem Sitz von Cambridge Analytica, droht den Beteiligten der Affäre Ärger: Das britische Parlament will Facebook-Chef Mark Zuckerberg anhören. Der Ausschuss für Digitales und Medien lud Zuckerberg am Dienstag offiziell vor.

Der Ausschussvorsitzende Damian Collins schrieb dem Gründer des Netzwerks, das Gremium wolle dessen eigene Darstellung zu dem "katastrophalen Vorgang des Versagens" hören, wobei er auf die Rolle von Facebook für den US-Wahlkampf anspielte.

Durchsuchungsbefehl beantragt

Der Ausschuss habe Facebook mehrfach aufgefordert, darzulegen, wie Nutzerdaten gesammelt und gespeichert würden, insbesondere, wenn dies ohne Einverständnis der Nutzer geschehe. "Ihre offiziellen Antworten waren irreführend", schrieb Collins, das Risiko sei stets unterschätzt worden. Auch die EU-Kommission verlangt von Facebook eine Klarstellung.

Die britische Datenschutzbehörde beantragte derweil einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale von Cambridge Analytica. Die Firma habe innerhalb einer gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert, sodass die Behörde nun gerichtlich versuche, auf den Systemen der Beratungsfirma Beweise zu sichern, wie das Information Commissioner's Office (ICO) britischen Medien zufolge mitteilte.

Auch Deutschland will Auskunft von Facebook

Auch in Deutschland verfolgt man den Fall genau, die bundesweit für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde hat sich in die Affäre eingeschaltet. "Ja, wir werden uns in dieser Frage an Facebook wenden", kündigte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar an. Bei rund 30 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland könnten auch hierzulande mit hoher Wahrscheinlichkeit einige von der Affäre betroffen sein oder es künftig werden.

Die neue Justizministerin Katarina Barley (SPD) mahnte ebenfalls an, Facebook müsse sich an die Datenschutzregeln halten und im Falle von Fehlern Verantwortung übernehmen.

Im Video: Inside Facebook - Das Milliardengeschäft mit der Freundschaft

BBC
gru/Reuters/dpa
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