Start im Herbst Facebook plant separaten Bereich für Medieninhalte

Wie Konkurrent Snapchat will bald auch Facebook Inhalte von Nachrichtenredaktionen in einem Extrabereich präsentieren. Laut dem Bericht einer US-Zeitung wirbt der Konzern gerade um namhafte Medienpartner.

Viele Menschen nutzen Facebook, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren - bislang tauchen Nachrichten dort im Mix mit vielen anderen Inhalten auf
Stephen Lam/REUTERS

Viele Menschen nutzen Facebook, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren - bislang tauchen Nachrichten dort im Mix mit vielen anderen Inhalten auf


Facebook will für die Nutzer seines sozialen Netzwerks einen Bereich speziell für Medieninhalte einrichten. Eine Sprecherin von Facebook bestätigte dem US-Sender CNBC, dass der Konzern an einem "News Tab" arbeite. Geplant ist die Neuerung demnach noch für diesen Herbst.

Kurz davor hatte das "Wall Street Journal" berichtet, Facebook biete Medienunternehmen Geld dafür an, wenn sie in dem neuen Bereich Schlagzeilen und Auszüge aus Artikeln platzieren. Die Rede war von bis zu drei Millionen Dollar pro Jahr - ob pro Medienunternehmen oder als Gesamtbudget ist bisher unklar. Unter den angesprochenen Medien seien die "Washington Post", der Finanzdienst Bloomberg und die "Wall Street Journal"-Mutter Dow Jones, hieß es. Alle diese Details ließ Facebook unkommentiert.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte den separaten News-Bereich im April ins Gespräch gebracht. Das Online-Netzwerk wolle stärker "hochwertige und vertrauenswürdige News" hervorheben, sagte er in einem Gespräch mit dem Chef des Medienkonzerns Axel Springer, Mathias Döpfner. Dabei schloss Zuckerberg auch Lizenzzahlungen an teilnehmende Medienunternehmen nicht aus.

Facebook schwankte im Umgang mit Medieninhalten in den vergangenen Jahren hin und her. Zunächst wurde das Online-Netzwerk zu einer immer wichtigeren Plattform für Medienunternehmen, um Nutzer zu erreichen. Doch dann wurde Facebook im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 unter anderem für die massenhafte Verbreitung gefälschter Nachrichten missbraucht - und setzte neue Prioritäten.

Ganze Artikel oder nur Anreißer

Anfang 2018 kündigte Zuckerberg an, dass Beiträge von Familie und Freunden im Newsfeed der Nutzer mehr Gewicht als Medieninhalte erhalten sollen. Die Idee eines abgetrennten Bereichs für Medieninhalte - diesen Weg geht unter anderem Konkurrent Snapchat, auch in Kooperation mit SPIEGEL ONLINE - lehnte Facebook damals noch ab. Facebook und Google sind besonders stark im Geschäft mit Online-Werbung - und bei ihnen landen längst auch Anzeigenerlöse, die früher an Medienunternehmen gingen.

Facebook lässt Medienpartnern laut "Wall Street Journal" die Wahl, ob sie ihre Inhalte direkt auf der Plattform des Online-Netzwerks veröffentlichen oder ob sie in dem neuen Bereich nur Überschriften und Auszüge platzieren, die zu ihren eigenen Websites weiterführen. Die Zeitung konnte nicht herausfinden, ob sich schon Medienunternehmen bereit erklärt haben, Inhalte an Facebook zu lizenzieren. Insidern zufolge soll es um auf drei Jahre angelegte Kooperationen gehen.

Ob der neue Nachrichtenbereich zunächst nur in den USA oder auch gleich in anderen Ländern verfügbar sein wird, ist bislang unbekannt.

mbö/dpa



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vox veritas 09.08.2019
1.
Sehr gute Nachrichten. Als nächsten Schritt muß Zuckerberg nur noch alle Medienseiten vom konventionellen FB verbannen. (Die haben sowie nichts auf den Sozialen Medien verloren.) Dann hat sich das mit hate speech und Meinungsmanipulationen erledigt.
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