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Seitentausch: Facebook übernimmt Stadtverwaltung

Soziales Netzwerk Facebook zwingt Berlin zum Namenswechsel

Noch firmiert Berlin bei Facebook unter seinem eigenen Namen. Doch jetzt muss sich das Stadtmarketing einen neuen Titel ausdenken, weil das Unternehmen es so will. Etliche Städte sind ebenfalls betroffen. Es geht um Millionen Fans.

Hamburg - "Niemand kann einen geografischen Ort vertreten." Das ist einer der Grundsätze bei Facebook. Für Betreiber von Städteseiten, darunter die von Berlin  (1,4 Millionen "Gefällt mir") und Hamburg  (683.760 "Gefällt mir"), hat das nun gravierende Konsequenzen. Sie müssen sich einen neuen Namen für ihre Facebook-Dependance suchen.

Bisher veröffentlichen auf den Seiten von Haupt- und Hansestadt die offiziellen Stadtvermarkter Werbebotschaften. In drei Wochen soll damit Schluss sein, bis dahin müssen die Seiten umbenannt sein.

"Für uns ist das ein wahnsinnig wichtiger Kanal", sagt Katharina Dreger vom Stadtmarketing Berlin. "An sozialen Netzwerken kommt man als moderne Stadt nicht vorbei." Ähnlich sieht das Torralf Köhler, Sprecher des Portals Hamburg.de, das auch hinter der Hamburger Facebook-Seite steht. "Nicht auf Facebook zu sein, ist für uns keine Option."

Facebook möchte die Städteseiten selbst betreiben, damit die Nutzer bei Berlin auf "Gefällt mir" klicken können, ohne damit das Stadtmarketing oder den Bürgermeister zu unterstützen. In Berlin ist der zwar gewählt, in anderen Ländern sind Machthaber womöglich per Dekret eingesetzt und umstritten. In der sauberen Facebook-Welt sollen Orte von Politik entkoppelt werden. Hamburg, Berlin und andere Orte müssen im sozialen Netzwerk die Neutralität wahren.

Facebook befüllt schon jetzt Seiten für Hamburg , Berlin  und andere Orte selbst. Infos kommen aus der Wikipedia, auf einer Karte sind weitere Angebote verzeichnet - alles ganz automatisch. Städte, Kreise und Länder werden in der Facebook-Welt zu einem Angebot unter vielen.

Immerhin gibt es diesmal eine Frist für die Betreiber. Die München-Seite (damals 400.000 "Gefällt mir") hatte das Unternehmen Anfang des Jahres ohne Vorwarnung verschwinden lassen. "Das kam völlig aus dem Nichts", sagt der Geschäftsführer des offiziellen Städteportals, Lajos Csery. Die Facebook-Seite des offiziellen Städteportals heißt inzwischen "München.de" (335.752 "Gefällt mir").

So will es Facebook, denn der Konzern schreibt außerdem vor, dass erkennbar sein muss, wer da für einen geografischen Ort spricht. "Stadtverwaltung Berlin" oder "Visit Berlin" sind in Ordnung, "Berlin" ist es nicht mehr.

Mitte Juni hatte Facebook einige Betreiber großer Städteseiten zum Gespräch gebeten, um die Namensregeln zu erklären. Ein Zugeständnis machte das Unternehmen den offiziellen Städtepräsenzen: Sie müssen zwar ihren Namen ändern, die Webadresse kann hingegen bleiben. Links, die bisher auf die Seiten der Stadtvermarkter führen, sollen auch in Zukunft funktionieren.

ore/dpa
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