Hacker-Prozess in Großbritannien Richterin pfeift Ermittler zurück

Internetaktivisten sprachen von einem gefährlichen Präzedenzfall: Der britische Hacker Lauri Love sollte gezwungen werden, seine Passwörter herauszugeben, um beschlagnahmte Geräte zurückzuerhalten. Jetzt stoppte eine Richterin die Ermittler.

Lauri Love
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Lauri Love


Die britische National Crime Agency (NCA) ist damit gescheitert, einen Hacker zur Herausgabe seiner Passwörter zu zwingen. Eine Richterin urteilte am Dienstag, die Behörde könne eine Entschlüsselung nicht zur Bedingung in einem Zivilverfahren machen, in dem der Hacker auf Herausgabe seiner beschlagnahmten Geräte klagt.

Die NCA, so die Richterin, könne nur über ein vorgesehenes Gesetz den Hacker zur Herausgabe seiner Passwörter versuchen zu zwingen, aber für dieses Vorhaben nicht das Zivilverfahren nutzen.

Love wird vorgeworfen, sich an einer Hackerattacke unter der Flagge der Netzguerilla Anonymous gegen US-Regierungsstellen beteiligt zu haben. Seit 2013 sind ein Laptop, eine Speicherkarte und eine externe Festplatt aus seinem Besitz beschlagnahmt. Er klagte nun auf Herausgabe.

Seine Anwälte sprachen davon, dass die NCA in dem Verfahren versuche, durch eine Hintertür an Loves Daten zu gelangen - und damit womöglich den amerikanischen Ermittlern helfen zu wollen.

In Großbritannien gibt es - anders als in Deutschland - eine gesetzliche Möglichkeit, Verdächtige zur Herausgabe von Passwörtern zu zwingen. Demnach kann es eine Straftat sein, wenn verschlüsselte Datenträger den Ermittlern nicht zugänglich gemacht werden, es droht sogar Haft.

Love wurde von Aktivisten aus dem Umfeld von WikiLeaks und Edward Snowden unterstützt. Sie stellten das Urteil als Sieg für all jene dar, die Verschlüsselung nutzen.

Der Fall Lauri Love geht aber weiter: Es gibt drei Auslieferungsersuchen der USA, über diese wird ab Juni verhandelt.

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fab



insgesamt 37 Beiträge
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accessfreeze 10.05.2016
1.
ach wenn nur alle Staaten dieser Welt mal die Leute jagen würden die Steuern hinterziehen, anstatt diejenigen zu jagen die die Wahrheit ans Licht bringen. Das wäre ein Traum.... aber ich weiß, es wird ein Traum bleiben.
Bürger Icks 10.05.2016
2. Es gibt also auch Richter...
...die mehr von Freiheit als von vermeintlicher, angeblicher Sicherheit halten. Gut zu wissen, frage mich aber, wie das in Deutschland aussähe...
mordskater 10.05.2016
3. Wetten?
Zitat: "In Großbritannien gibt es - anders als in Deutschland - eine gesetzliche Möglichkeit, Verdächtige zur Herausgabe von Passwörtern zu zwingen." Wetten, dass es auch bei uns bald ein solches Gesetz gibt? Das sind wir unseren amerikanischen Freunden schuldig. Selbstverständlich werden wir ein solches Gesetz auch brauchen, um Herrn Erdogan zu unterstützen bei seiner Fahndung nach Gegnern seiner Herrschaft.
checkitoutple 10.05.2016
4. ja wie wäre es mit Einer Aktion
Wenn 60 Mio Emails bei der Bundesregierung eingehen die faire Steuergesetze und die Überwachung fordern Bewegt sich da vielleicht was dazu Eine Eindeutige Stellungnahme dass auch die Steuerschlupflöcher allesamt zu schließen sind und das sofort nach Erkennen einer solchen innerhalb von drei Monaten dieses zu schliessen ist. Bei Persönlicher Haftung für die Schäden der Abgeordneten der jeweiligen Regierungskoalition für die entgangenen Steuern bei nicht erfolgten Gesetzen. Luxleak ist nun schon fast ein Jahr her nichts rührt sich werden bei dem Hauptschuldigen Junker noch bei der Steuergesetzgebung. Klingt für mich nach Korruption in der Bundesregierung. Und damit ist der Hauptverdächtige natürlich der Finanzminister und die Kanzlerin. Warum nach unbekannten suchen wenn die Großen Verbrecher unserer Tage im Bundestag ein und Ausgehen?
WwdW 10.05.2016
5. totälitär
Das ganze ist totalitär. Ich bin mit solchen Ländern und deren Umgang mit Bürgern nicht mehr einverstanden.
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