Fanpages ZDF sorgt sich um Werbefreiheit bei Facebook

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk schlägt Alarm: Facebook will offenbar künftig für werbefreie Seiten in dem Netzwerk Geld verlangen. Bislang hatte das ZDF ein Sonderabkommen mit Facebook, weil dem Sender Werbung im Netz verboten ist.
Mit dem Zweiten auf Facebook: Keine neuen Fanpages?

Mit dem Zweiten auf Facebook: Keine neuen Fanpages?

Foto: Peter Endig/ dpa

Mainz - Die gut 20 Millionen deutschen Nutzer von Facebook müssen vielleicht bald auf Neuigkeiten von ARD und ZDF verzichten: Das soziale Netzwerk bricht mit der Praxis, öffentlich-rechtlichen Sendern werbefreie Profile zu ermöglichen. "Facebook hat uns signalisiert, für neue werbefreie ZDF-Facebook-Seiten künftig Geld zu nehmen", sagte der Leiter "Neue Medien" des ZDF, Eckart Gaddum, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd in Mainz. Dies komme aber "nicht in Frage".

Facebook äußerte sich am Mittwoch nicht zu dem Vorgang. Das ZDF bedauerte hingegen die Entscheidung des Portals, das kurz vor einem Börsengang steht. Gaddum sagte, für den Mainzer Sender sei die "Kommunikation mit den Followern sehr spannend und anregend".

Aus Untersuchungen wisse das ZDF zudem, dass Facebook-Accounts etwa von heute.de "für viele Nutzer eine Art Nachrichtenversorgung ersetzt". Die neuen Einträge der sogenannte Fanseite von ZDF-"heute" hatten am Mittwoch knapp 91.000 Facebook-Nutzer abonniert, die der ARD-"Tagesschau" knapp 94.000 Nutzer. Diese Seiten sollen zunächst werbefrei bleiben - offenbar aber nur für ein Jahr.

Das Medienrecht untersagt ARD und ZDF Werbung im Netz strikt. Viele Portale spielen wiederum Anzeigen völlig automatisiert ein. Weil ARD und ZDF ihre Gesichter und Formate unter diesen Bedingungen nicht in den zunehmend beliebten Portalen präsentieren könnten, ermöglichen ihnen einige Betreiber Ausnahmen - darunter auch YouTube.

Das ZDF kann nun beispielsweise keine Facebook-Seite für die Sendung "Neo Paradise" anlegen, die sich an junges Publikum richtet. Gaddum erklärte der dapd, es werde nach Lösungen gesucht - auch im Gespräch mit Facebook. Ein Umweg könne ein Modell namens "Open Graph" sein: Es ersetzt die Facebook-Fanseite und wird direkt in eine Web-Seite integriert. Per "Gefällt mir"-Knopf können Facebook-Nutzer dann auch neue Einträge abonnieren. Eine Seite gibt es dann aber nicht mehr.

Von Daniel Bouhs, dapd
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