Liberaldemokratische Hilflosigkeit Früher oder später tötet der Faschismus

Medien scheitern im Umgang mit dem Faschismus, meint Sascha Lobo - genau wie die Politik und weitere Teile der Gesellschaft. Im Podcast spricht er mit Grünenpolitikerin Aminata Touré über das Phänomen.

"Kein Platz für Rassismus": Proteststicker gegen Nazis und Rassismus in Brandenburg
Patrick Pleul/dpa

"Kein Platz für Rassismus": Proteststicker gegen Nazis und Rassismus in Brandenburg


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #109 - AfD-Wahlergebnisse: Medienschuld und Merkels Beitrag

"Wer lächelt, kann kein Nazi sein": Dies hat Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne als "Grundregel der konservativen Bourgeoisie" ausgemacht. Ihn sorgt es, wie etwa in Fernsehsendungen nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg mit AfD-Vertretern umgegangen wurde. "Der machtvolle Gewöhnungseffekt tritt ein, die Normalisierung", schrieb Lobo. "Den habe ich doch schon so oft im Fernsehen gesehen, da hat er freundlich harmlose Sachen gesagt, und der Moderator ist ihm gar nicht an die Kehle gesprungen, also kann er kein Nazi sein."

Als Problem macht Lobo aber viel mehr als nur das Verhalten der Medien aus: "Angela Merkel kennt die Berichte von rechtsextremen Exzessen und Seilschaften in Bundeswehr, Polizei, Behörden, Justiz", schreibt er etwa. "Was hat sie dagegen getan, was hat sie dagegen öffentlich gesagt?" Und auch der "Links- und Liberalbourgeoisie" wirft der Kolumnist vor, sich "in der eigenen Überlegenheit zu suhlen".

Es gebe keine Neutralität, "wenn es um die Existenz der liberalen Demokratie geht und damit buchstäblich um die Existenz von Menschen, die von Faschisten verdrängt, verjagt, vernichtet werden", schreibt Lobo. "Denn das zeichnet den Faschismus aus: Früher oder später tötet er."

In dieser Podcast-Folge setzt sich Lobo nun mit der Frage nach dem richtigen Umgang mit Faschisten und den Leserreaktionen zu seinem Text auseinander. Dabei spricht er mit der 26-jährigen Aminata Touré, der ersten afrodeutschen und insgesamt jüngsten Parlamentsvizepräsidentin in Deutschland. Touré ist Politikerin der Grünen und sitzt in Schleswig-Holstein im Landtag.

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insgesamt 67 Beiträge
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Dr. Penibel 08.09.2019
1. Sachliche Auseinandersetzung vermisst
Sehr geehrter Herr Lobo, Auch wenn Sie es noch so oft wiederholen wird die Gleichsetzung der AFD mit dem Faschismus nicht richtiger. Was in der derzeitigen Lage schmerzlich vermisst wird ist doch vielmehr eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Programm der AFD und zumindest einmal die Kenntnisnahme von real existierenden Problemen, die derzeit nach Meinung vieler Wähler anscheinend nur von der AFD offen thematisiert werden.
jonath2010 08.09.2019
2. Hören Sie auf damit, Herr Lobo
"Der machtvolle Gewöhnungseffekt tritt ein, die Normalisierung. Den habe ich doch schon so oft im Fernsehen gesehen, da hat er freundlich harmlose Sachen gesagt, und der Moderator ist ihm gar nicht an die Kehle gesprungen, also kann er kein Nazi sein", beschreibt Lobo den angeblich viel zu zahmen Umgang in TV-Talksendungen mit den eingeladenen "Faschisten". Ja, wie jetzt? "An die Kehle springen?" Geht es denn noch militanter, Herr Lobo? Offenbar haben Sie ein echtes und tiefgreifendes Problem mit Vertretern der AfD und ihren Wählern. Hören Sie endlich auf mit Ihren Gewaltfantasien gegen eine Partei, die in freier, geheimer und demokratischer Wahl von 6 Millionen Wählern in den Bundestag gewählt worden ist – und mit 91 Abgeordneten die größte Oppositionspartei im Bundestag darstellt.
lathea 08.09.2019
3. Basis einer funktionierenden....
.....Demokratie ist ein mündiger und politisch gebildeter Bürger. Momentan ist das einfach noch nicht genug gegeben, aber wir werden immer besser und sollten uns noch mehr um politische Bildung der Bevölkerung bemühen.
olicrom 08.09.2019
4. Die wollen und werden es auch nicht verstehen
Die AfD kann in ihrem Programm Kreide verkaufen wie sie will. Sie kann von noch so vielen Wählern in demokratischen Wahlen gewählt worden sein, wie sie will. All das hatten wir schon: und es endete im grössten Gemetzel der Geschichte. Es bedeutet daher Null. Gar nichts. Schon gar keine demokratische Legitimation. Die AfD ist der Staatsfeind Nummer 1 der Demokratie. Solange sie Neonazis in ihren Reihen duldet und ihnen Einfluss zugesteht. Jeder AfD - Wähler macht sich mit Neonazis gemein. Ob er will oder nicht, ist völlig wurscht. Er tut es. Und dass das mittlerweile schon Millionen sind, macht ein radikal demokratische Haltung notwendig. Schluss mit Kuscheln und bürgerlichem Quatsch. Springen wir ihnen an die Kehle, mit allen Mitteln der Demokratie und des Rechtsstaates. Mit Meinung und Kritik. Schließen wir sie aus aus der Gemeinschaft der Demokraten. Die Vortäuscher, Mitläufer und Beschwichtiger. Sehr richtig, Sascha Lobo. Aber auf keinen Fall lassen wir sie mit ihren Lügen durchkommen.
jowi.krause 08.09.2019
5. Falsch ist hier nur eins:
Nicht Faschismus tötet, sondern Faschisten. Und zwar die Täter ebenso wie ihre Unterstützer. Mittäter heißt das juristisch. Und ja, das ist schon gesagt worden. aber nicht oft genug. Die Maske der Bürgerlichkeit kann gar nicht oft genug herunter gerissen werden. Damit niemand hinterher behauptet, er hätte nichts gemerkt. Wie beim letzten Mal. Fast alle Tiere lernen aus Erfahrung. Und der Mensch?
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