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12. August 2014, 14:20 Uhr

Internet

Google investiert in Glasfaser-Tiefseekabel nach Asien

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Durch den Pazifik, durch den Atlantik und jetzt sogar durch die Arktis: Neue Tiefseekabel sollen das Internet schneller machen. Mehr als eine Milliarde wird investiert, auch Google ist dabei.

Von San Francisco und Los Angeles nach Japan: Ein neues Tiefseekabel soll schnellere Datenverbindungen zwischen den USA und Asien ermöglichen. An dem Projekt mit dem Namen "Faster" ist auch Google finanziell beteiligt. Urs Hölzle, bei dem Konzern für die technische Infrastruktur zuständig, hat es online vorgestellt.

Von der neuen Transpazifik-Verbindung, die ein Konsortium aus Firmen plant, sollen Android-Nutzer in Asien profitieren, ebenso Entwickler, die Googles Cloud-Dienste nutzen. Wenn Faster in anderthalb Jahren den Betrieb aufnimmt, sollen 60 Terabit pro Sekunde übertragen werden können (rund 7000 GB pro Sekunde). Für den Geschwindigkeitsrausch rechnet das Firmenkonsortium mit Kosten in Höhe von rund 300 Millionen Dollar.

Der Bedarf an schnellen Glasfaserverbindungen zwischen den Kontinenten wächst. Seit mehr als hundert Jahren werden Tiefseekabel durch Pazifik, Atlantik und andere Weltmeere gelegt. 314 aktive Verbindungen zählt die Submarine Cabel Map. Regelmäßig kommt es zu Ausfällen, weil Stürme, Erdbeben oder Schiffsanker und Schleppnetze Kabel beschädigen.

Verbindung durch die Arktis

Für Google ist es bereits die zweite Investition in ein Transpazifik-Kabel. Der Konzern betreibt Rechenzentren in zahlreichen Ländern und ein weltweites Netzwerk. 2008 hatte sich das Unternehmen an "Unity" beteiligt, einer 9620 Kilometer langen Verbindung zwischen den USA und Japan. 2011 hatte Google außerdem in ein Tiefseekabel in Asien investiert, das "South-East Asia Japan Cable".

Aber es geht nicht nur um eine höhere Übertragungskapazität und Redundanz gegen Netzausfälle, sondern auch um Geschwindigkeit. Ein anderes Kabel-Konsortium hat deswegen größere Pläne: eine Verbindung durch die Arktis, zwischen Japan und Großbritannien. Das wäre eine Premiere, ermöglicht erst vom Klimawandel, durch den der Golf von Boothia im Norden Kanadas jedes Jahr für einige Wochen vom Eis befreit ist. Schiffe können nun dort die armdicken Glasfaserkabel auf den Meeresgrund bringen.

"Arctic Fibre" heißt das Projekt des gleichnamigen kanadischen Start-up, 620 Millionen Dollar soll es kosten. Ende 2016 könnte die neue Verbindung ihren Betrieb aufnehmen. Das Geld soll von Finanzinvestoren kommen. Eine Expressverbindung soll Transferraten von 24Tb/s zwischen Japan und London ermöglichen, weitere Kabel-Adern sollen in Alaska, Nunavut und Québec kleinere Ortschaften verbinden und schnelles Internet in entlegene Regionen bringen.

Brasilien will USA umgehen

Bei einem dritten Projekt geht es noch um etwas ganz anderes. Denn die Kommunikationsadern, die den Globus umspannen, sind auch ein wichtiges Ziel für Geheimdienste. Edward Snowden hatte enthüllt, dass der britische GCHQ mithilfe der Betreiber transatlantische Verbindungen anzapft und Datenströme zum Teil tagelang zwischenspeichert. "Tempora" heißt dieses Geheimprojekt, allein 550 Analysten sollen damit beschäftigt sein, in den Daten zu stöbern, 250 davon arbeiten für den US-Geheimdienst NSA.

Als Reaktion auf die Geheimdienstaffäre haben Brasilien und die Europäische Union deshalb im Februar vereinbart, die Kontinente über ein neues Tiefseekabel zu verbinden - ohne Station in den USA und Großbritannien. Brasiliens Telekom-Konzern Telebras und die spanische Firma IslaLink Submarine Cables sollen die Verbindung errichten, für rund 135 Millionen Euro.

Die aktuell einzige Direktverbindung zwischen Spanien und Brasilien, "Atlantis-2", stammt aus dem Jahr 2000 - und gilt jetzt schon als technisch veraltet. Nur 40 Gbit/s können übertragen werden, genutzt wird das Kabel deshalb für Ferngespräche, nicht für Internetverbindungen. Die laufen noch über die USA.

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