Cyberangriffe FBI-Chef vergleicht chinesische Hacker mit "betrunkenen Einbrechern" 

Vorsicht vor dem Internet: Der FBI-Chef James Comey erklärt in einem Fernsehinterview, warum es im Netz hochgefährlich ist. Und was chinesische Hacker so erfolgreich macht - auch wenn Comey offenbar wenig von ihren Methoden hält.

FBI-Chef James Comey: "Das Internet ist der gefährliches Parkplatz, den man sich vorstellen kann"
AFP

FBI-Chef James Comey: "Das Internet ist der gefährliches Parkplatz, den man sich vorstellen kann"


Die Gefahr lauert im Internet an jeder Ecke - ausgehend von Terroristen und Industriespionen, von Kriminellen und Pädophilen. Dieses Bild zumindest hat der FBI-Chef James Comey in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS gezeichnet. Darin ging es vornehmlich um den "Islamischen Staat", aber auch um die Bedrohungen für Firmen und private Nutzer im Netz. Und die sind demnach hoch.

Cybercrime sei nämlich weiterhin auf dem Vormarsch. Weil die Menschen ihr gesamtes Leben mit dem Internet verbunden haben, sei das auch der Ort, an dem sich die Menschen tummeln, die stehlen oder "Kindern wehtun" wollten.

Es gebe unzählige Angriffe auf amerikanischen Computersysteme. Zu den Angreifern von staatlichen und privaten Computern zählten Terroristen und organisierte Verbrecherbanden ebenso wie kriminelle Einzelkämpfer und Pädophile.

"Sie treten die Haustür ein und schmeißen die Vase um"

"Ganz oben auf der Liste" derjenigen, die die USA angriffen, stünden aber die Chinesen. Comey wirft ihnen Wirtschaftspionage vor. Dabei gingen sie "extrem aggressiv" vor, um in amerikanische Systeme einzubrechen - und dort Ideen zu stehlen, "damit sie nichts erfinden müssen". Die Angriffe seien kaum zählbar: "Es gibt zwei Arten von großen Firmen in den USA: diejenigen, die von den Chinesen gehackt worden sind, und diejenigen, die nicht wissen, dass sie von den Chinesen gehackt worden sind."

Dabei seien die chinesischen Hacker eigentlich gar nicht so gut. "Ich würde sie mit einem betrunkenen Einbrecher vergleichen. Sie treten die Haustür ein und schmeißen die Vase um, während sie deinen Fernseher raustragen." Doch seien sie mit diesem Vorgehen erfolgreich und sehr produktiv. "Ihre Strategie scheint zu sein: 'Wir werden einfach immer überall sein. Und keiner kann uns aufhalten.'" Das koste die amerikanische Wirtschaft jährlich Milliarden.

Der Vorwurf ist nicht neu. Seit Jahren bezichtigen sich die USA und China gegenseitig der Industriespionage und zahlreicher Hackerangriffe. Im Mai 2014 hat das amerikanische Justizministerium erstmals mehrere chinesische Hacker wegen Wirtschaftsspionage angeklagt.

Der dunkle Parkplatz namens Internet

Normale Nutzer scheren sich Comeys Ansicht nach viel zu wenig um all die Bedrohungen im Netz: "Das Internet ist der gefährlichste Parkplatz, den man sich vorstellen kann", sagt er. "Wenn man spätabends über den Parkplatz eines Einkaufszentrums geht, ist der Sinn für Gefahr sehr ausgeprägt." Man würde schnell und zielgerichtet gehen und sich nach Lichtquellen umsehen. "Aber die Leute bewegen sich den ganzen Tag lang auf diesem sprichwörtlichen Parkplatz Internet, ohne darüber nachzudenken, wessen Anhänge sie da gerade öffnen und welche Seiten sie besuchen. Das macht es den Bösen leicht."

Die Menschen sollten sich das so vorstellen: Wenn jemand ihnen einen E-Mail schicke, klopfe er an die Haustür. Wenn man dann blind den dazugehörigen Anhang anklicke, öffne man die Haustür - ohne vorher durch den Spion gesehen zu haben, wer da überhaupt steht.

Und dann habe man einem Fremden im Haus und im eigenen Leben, der "den Computer übernehmen und sperren und dann eine willkürliche Summe fordern kann, bevor er ihn wieder freigibt". Dieser Jemand könne "Bilder von Ihren Kindern oder Ihre Bankinformationen" klauen, und "Ihnen Ihr ganzes Leben nehmen".

juh

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insgesamt 13 Beiträge
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Balte 06.10.2014
1. Tja, so ist das eben
Wer immer auch den Geist "Internet" aus der Flasche gelassen hat, braucht sich besonders um die negativen Folgen keine Sorgen machen. Neu ist allerdings, dass sich das FBI ängstigt! Ziemlich skurril, nicht wahr? Was war das für ein Hype, als alles begann! Jeder hatte Angst, zu spät zu sein. Alles wurde zur Religion erhoben und die Nichtnutzer waren Gegenwarts-Looser ohne eine Zukunft. Und jetzt? Jetzt schreibe ich noch diesen Kommentar und mach' die Kiste aus. Mehr als eine Stunde kann ich mir und meinem Gewissen nicht zumuten. Wird höchste Zeit, dass wir Briefe mit der Hand schreiben und diese dann mit dem Fahrrad zum Empfänger bringen; machen übrigens die aktuellen Bösen dieser Welt doch schon seit Jahren. Die wissen, wie man sich spurlos durch das Leben der Anderen bewegt.......
dschinn1001 06.10.2014
2. wie bei McCarthy ...
in den 50er Jahren und parallel dazu könnte man eben den Hitchcock-Film "Frenzy" nochmals anwerfen - wo der Polizist immer die Wachteln seiner Frau essen muß in Erinnerung daran, daß die Arbeit immer noch nicht erledigt ist ... Na, dann kann der FBI und alle anderen praktisch von morgens bis abends Wachteln essen ... und warum sollen immer nur die sogenannten "Hacker" schuld daran sein ?! - immer nur als Zielgruppe ?! - um von anderen Problemen abzulenken, nämlich daß Personalmangel in der EU herrscht, die auch ohne Wumme ermitteln können ?! - nur solche agressive Klischees von "Terroristen" verleiten auch dazu, daß meistens Unschuldige erschossen oder verletzt werden, und so weiter ...
hemtech 06.10.2014
3. Ja, liebe Amis
Die Chinesen machen nichts anderes als ihr! Wirtschaftsspionage, Abhören, Spionieren usw. Wenn ihr das nicht wollt, wie wäre es denn, wenn ihr selber erstmal damit aufhört? Dann werden sich auch andere Länder nicht genötigt sehen, auf gleiche Weise zu handeln. Immer erst vor der eigenen Haustür fegen...
diekhus 06.10.2014
4. Ausgerechnet Amerika
ruft: haltet den Dieb ! Wer heute noch wichtige Dinge über das Netz laufen lässt, oder mit einem am Netz verbundenen Computer arbeitet, sollte wissen , dass er ausspioniert wird.
Erythronium2 06.10.2014
5. Man kann halt nicht alles haben ...
Entweder können die Behörden dafür sorgen, ganz prima auch ohne richterlichen Beschluss jederzeit alle hacken und abhören zu können (Terroristen, Pädophile, Normalbürger gleichermaßen), oder sie können die Sicherheit der Kommunikation im Internet fördern. Der Versuch, beides gleichzeitig zu tun, ist letztlich schizophren und zum Scheitern verurteilt, da andere Staaten und kriminelle Hacker ähnlich agieren können wie die eigenen polizeilichen oder geheimdienstlichen Abhörer. So fühlen sich immerhin die Polizeibehörden wichtiger als je zuvor. Denn sie haben immer mehr zu tun.
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