Selfie-Software FBI bezeichnet FaceApp als Sicherheitsrisiko

Über den Dienst FaceApp haben Millionen Menschen ihr Gesicht künstlich verjüngen oder altern lassen. US-Politiker Chuck Schumer schrieb deshalb vor Monaten besorgt an das FBI. Jetzt kam die Antwort.

Umstrittener Dienst FaceApp: Beliebtes Promi-Spielzeug - und ein Politikum
Jenny Kane / AP

Umstrittener Dienst FaceApp: Beliebtes Promi-Spielzeug - und ein Politikum


Keine Foto-App war diesen Sommer derart oft in den Schlagzeilen wie FaceApp. Die ursprünglich 2017 veröffentlichte Smartphone-Software manipuliert Porträtfotos so, dass Gesichter darauf wahlweise jünger oder älter aussehen - auf durchaus eindrückliche Art.

Millionen Menschen, darunter auch Prominente wie Autorin Charlotte Roche und Grünenpolitiker Cem Özdemir, nutzten die App, um in sozialen Medien zu zeigen, wie sie in Zukunft aussehen könnten.

Doch es gab auch große Skepsis, was unter anderem an schwammigen Nutzungsbedingungen der App lag. Hinzu kamen - vor allem aus den USA - grundsätzliche Sorgen, weil die App von Russland aus betrieben wird.

Chuck Schumer, Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, forderte das FBI vor diesem Hintergrund zu einer Untersuchung der App auf. Dass die Betreiberfirma ihren Sitz in Russland habe, werfe die Frage auf, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder möglicherweise an ausländische Regierungen weitergegeben würden, schrieb Schumer der US-Bundespolizei. "Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyberangriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist."

Jetzt kam die Antwort

Gut vier Monate später ist der Hype um FaceApp zwar geringer geworden, aber längst nicht verschwunden - und das FBI hat Schumer geantwortet.

Allzu erhellend ist der von Schumer ins Netz gestellte Brief der Bundespolizei aber nicht - dafür ist er zu grundsätzlich. So schreibt das FBI, dass es alle "in Russland entwickelten mobilen Anwendungen oder ähnlichen Produkte" als potenzielle Spionagewerkzeuge betrachte, so auch FaceApp.

Diese Einschätzung basiere auf den Daten, die die App sammelt, auf ihre Nutzungsbedingungen sowie den rechtlichen Möglichkeiten der russischen Regierung, innerhalb der Grenzen Russlands Zugriff auf Daten zu bekommen.

Zu den Nutzungsbedingungen von FaceApp heißt es vom FBI eingangs, dass diese den Bedingungen anderer Social-Media-Anbieter ähnele. Besonders sei jedoch, dass Nutzer bei FaceApp ein Foto zum Zwecke einer Manipulation einreichen.

Keine Hinweise auf Spionage

Zur Frage, wo FaceApp seine Daten speichert, zitiert das FBI lediglich Angaben der App-Betreiber. Demnach werden die Bilder auf Cloud-Server in den USA, Singapur, Irland und Australien geladen. Die meisten Bilder werden - wenn man den FaceApp-Betreibern Glauben schenkt - binnen 48 Stunden nach dem Upload wieder gelöscht.

Abschließend heißt es im FBI-Brief an Schumer, dass sich die Bundespolizei um das Thema kümmern würde, wenn es zu dem Schluss käme, dass politische Akteure in den USA Ziel einer ausländischen Beeinflussungskampagne seien, bei der auch FaceApp eine Rolle spielt. Falls nötig, würde dann die sogenannte Foreign Influence Task Force (FITF) zum Einsatz kommen.

Hinweise darauf, dass FaceApp für Spionagezwecke eingesetzt worden sein könnte, oder darauf, dass von der App gesammelte Daten tatsächlich in Russland gelandet sein könnten, finden sich in dem Brief nicht. FaceApp hatte in der Vergangenheit stets betont, dass es keine Daten an Dritte verkauft oder weitergibt.

mbö



insgesamt 9 Beiträge
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Skeptiker99 03.12.2019
1. das geht nun wirklich nicht.
dass Daten der Staatsbürger eines Landes einfach in ein anderes Land geschickt werden, wo sie dann der Kontrolle der dortigen Geheimdienste und dortiger Gerichtsbarkeit unterliegen. Schön dass das den Amis jetzt auch auffällt.
computerbauboehm 03.12.2019
2. clickbaiting
Ist ja furchtbar. Die Überschrift suggeriert eine tatsächliche Untersuchung. Im Artikel dann die Wahrheit. Interessiert das FBI nicht, auch wenn ein Senator fragt. Einfach: alles was aus Russland oder dem Ausland allgemein kommt ist böse, denn da könnte jemand drauf zugreifen. Dass die Amis per Geheimgericht oder auch ohne auf alle Daten von Ausländern zugreifen können, sollte dann wohl heißen, dass für DE/EU jetzt auch amerikanische Apps als Spionage Werkzeuge anerkannt werden müssten.
quark4@mailinator.com 03.12.2019
3.
Genau aus dem Grund mache ich online keine Spiele mehr, die herausfinden wollen, was ich weiß oder kenne. Darüber lassen sich einfach zu leicht Dinge ermitteln, wie Alter, Geschlecht, Herkunft, IQ, Interessen, ggf. Einkommen, politische Orientierung, ... Keine Lust, den versteckten Spionen noch zu helfen. Ja, das Forum hier ist die einzige Ausnahme, die ich dbzgl. mache.
pauschaltourist 04.12.2019
4.
Bereits vor Monaten versuchten die russischen Betreiber der App, aufkommende Skepsis zu beschwichtigen, indem darauf verwiesen wurde, dass die von den weltweiten Nutzern zur Bildbearbeitung hochgeladenen Portraitbilder auf AWS-Server (Amazon) gespeichert werden. Das mag auch zutreffen. Doch niemand kann kontrollieren, was die Russen mit den dort gespeicherten Bildern machen. Ob sie die dort gespeicherten Bilder zur massenhaften Analyse mit Gesichtserkennungssoftware verwenden oder die Bilder von den AWS-Servern auf eigene Server herunterladen.
boetho11 04.12.2019
5. AWS & Google Cloud
Zitat von Skeptiker99dass Daten der Staatsbürger eines Landes einfach in ein anderes Land geschickt werden, wo sie dann der Kontrolle der dortigen Geheimdienste und dortiger Gerichtsbarkeit unterliegen. Schön dass das den Amis jetzt auch auffällt.
sowohl die Background Verarbeitung als auch die Datenspeicherung von FaceApp findet ja auf Servern statt auf denen die Homeland Security Zugriff hat...
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