Fehlermeldung Google sperrt sich in China versehentlich selbst

Es war nur eine kleine Änderung am Programmcode: Die Google-Suche war am Dienstag in China teilweise komplett gesperrt. Doch nicht die Zensoren hatten zugeschlagen. Durch Googles Eingriff verfingen sich die Anfragen von ganz alleine im staatlichen Sperrfilter.
Startseite von google.cn: Ausfälle wurden aus vielen chinesischen Städten gemeldet

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Foto: ddp

Peking - Große Aufregung in China: Aus mehreren großen Städten berichteten Nutzer am Dienstag den Ausfall der Google-Suche. Anfragen an die Suchmaschine führten zu einer Fehlerseite ohne Ergebnisse. Zum Teil soll die Seite sogar komplett unerreichbar gewesen sein. Nachrichtenagenturen und Leser von SPIEGEL ONLINE meldeten Probleme sowohl mit der englischen als auch der chinesischen Google-Suche in dem Land.

Eilig wurde im Internet daraufhin die Nachricht verbreitet, die chinesischen Behörden hätten zugeschlagen und würden sich nun an Google rächen. Denn das Unternehmen hatte am 22. März die staatlich erzwungene Selbstzensur eingestellt und seine Suchmaschine in die Sonderzone Hongkong verlegt. Seitdem gibt es ungefilterte Suchergebnisse. Links auf politisch ungewollte Inhalte funktionieren hingegen für die chinesischen Internetnutzer trotzdem nicht, Chinas Firewall blockiert den Zugriff.

Die Vermutung lag nahe, blockieren die chinesischen Behörden doch nach Angaben von Google bereits seit zwei Tagen die mobile Suche, zumindest teilweise. An dem Ausfall der Web-Suche sind die Behörden auch nicht ganz unschuldig. Doch haben die staatlichen Aufpasser am Dienstag nicht die Web-Filter angezogen. Stattdessen hatte Google eine Änderung an seiner Suchmaschine durchgeführt - und sich damit versehentlich selbst aus dem chinesischen Netz ausgesperrt.

Wie das Unternehmen am Dienstagabend zerknirscht mitteilte , habe man zu statistischen Zwecken die Zeichenfolge "gs_rfai" an Suchanfrage aus China angehängt. Die derart erweiterten Suchanfragen verfingen sich von selber im chinesischen Sperrfilter, weil die Zeichenfolge RFA offenbar als Abkürzung für das in China seit langem geblockte Angebot von Radio Free Asia gehalten wird. Man arbeite an einer Lösung, heißt es bei Google.

Anfang des Jahres hatte Google angekündigt, die staatlich verordnete Selbstzensur seiner chinesischen Suchmaschine beenden zu wollen. Die Regierung in Peking hatte mehrfach klargemacht, dass sie Googles Vorgehen nicht dulden werde. Seit dem 22. März lenkt Google Suchanfragen auf Server in der chinesischen Sonderzone Hongkong um. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hatte damals einen Offiziellen zitiert, der die Aufgabe der Selbstzensur als vollkommen falschen Schritt verurteilte.

Die chinesische Regierung filtert den Netzverkehrzwischen dem Festland und den Verbindungen, über die China ans Internet angeschlossen ist. Die fast 400 Millionen Nutzer in dem kommunistischen Land dürfen auf viele ausländische Seiten wie Facebook, Twitter oder das Videoportal YouTube nicht zugreifen.

Update: Google hat sich im Nachhinein selber korrigiert und gibt nun doch den chinesischen Behörden die Schuld am Ausfall.

ore/AFP/dpa/Reuters
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