Foltermorde in Mexiko Unbekannte drohen Drogen-Bloggern mit Tod

Wer schreibt, stirbt - Unbekannte haben in Mexiko zwei Menschen getötet und die Leichen an einer Brücke aufgehängt. Vieles deutet darauf hin, dass die Morde von einem Drogenkartell veranlasst wurden, um die Botschaft auszusenden: Das passiert allen, die uns im Netz verraten.

Pappschild, das am Tatort hinterlassen wurde: Einschüchterung von Drogenkriegs-Bloggern?
AFP

Pappschild, das am Tatort hinterlassen wurde: Einschüchterung von Drogenkriegs-Bloggern?


Nuevo Laredo - Unbekannte Täter haben im Nordosten Mexikos, in der Grenzstadt Nuevo Laredo am Rio Bravo, einen jungen Mann und eine junge Frau ermordet. Die schweren Verletzungen der Opfer deuten auf Folter hin. Am Dienstag wurden die Leichen entdeckt, sie hingen an einer Fußgängerbrücke über einer Straße. In der Nähe der Leichen haben die Täter zwei Schriftstücke platziert, die Hinweise auf mögliche Hintergründe der Tat geben.

CNN berichtet, dass auf einem der Pappschilder stand: "Das wird allen widerfahren, die merkwürdige Dinge im Netz veröffentlichen." Die Nachricht soll einige Blogs und Foren namentlich erwähnen, die über Gewalttaten der Drogenkartelle berichten: Frontera al Rojo Vivo und das Blog Del Narco. Unterzeichnet ist diese Nachricht mit Z - möglicherweise ein Kürzel des Kartells Los Zetas.

Das US-Blog Mashable berichtet von einer zweiten Nachricht, welche die Täter an das Bein eines der Opfer gebunden haben sollen. Darauf ist zu lesen: "Das ist für den Verrat in Frontera Al Rojo Vivo geschehen."

In diesem Webforum kommentierten Unbekannte die Nachricht am Mittwoch so: "Wir müssen den Kriminellen ein Ende bereiten, die sich in unserer Stadt breitmachen. Wir sind mehr als sie, wir müssen aufhören Angst zu haben." Ein anderer Kommentar fordert die Forennutzer auf, weiter über Gewalttaten zu berichten: "Es ist sehr schwierig für sie herauszufinden, wer berichtet hat. Sie wollen uns nur Angst machen." Die Kommentare sind nur noch im Google-Archiv der Seite zu finden - die Betreiber haben alle aktuellen Beiträge entfernt.

Bislang ist unklar, wer die Opfer sind. Ob sie tatsächlich Nachrichten oder Kommentare in Blogs und Foren zum Drogenkrieg geschrieben haben, ist nicht festzustellen. CNN zitiert einen Ermittler aus Nuevo Laredo: "Es gibt keine Zeugen, es ist fast unmöglich, die Täter zu finden."

Seit Jahren kämpfen in Mexiko Gangs gegeneinander und gegen die Armee und Polizei. Präsident Felipe Calderón rief nach seinem Amtsantritt 2006 eine Militäroffensive gegen die Drogenkartelle aus, seitdem wurden Angaben der Behörden landesweit mehr als 41.000 Menschen getötet. Im Jahr 2010 wurden nach Regierungsangaben 15.273 Menschen im Drogenkrieg ermordet .

lis



insgesamt 1919 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Skandalos, 30.07.2010
1.
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Durch die Legalisierung von Drogen in den USA. Dort gibts ja eine aktuelle Initiative, die sich großer Unterstützung quer durch alle Parteien erfreut. Prohibition funktioniert einfach nicht.
karmamarga 30.07.2010
2. Wie entkommen?
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Den Shabab-Milizen das Land schenken. Dann weiss jeder im Land mit wem oder was er es zu tun hat. So wie jetzt geht die Sache endlos weiter.
Ohli 30.07.2010
3. Keine Macht der Drogenmafia
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Die Abteilung der UN, die sich des Themas Drogen angenommen hat, gibt auf ihren jählich stattfindenden Konferenzen in Wien seit 2 Jahren bekannt, das der "War on Drugs", der hauptsächlich in den 80er Jahren von Ronald Reagan proklamiert wurde, verloren ist. Jahrzehnte in denen Milliarden für die Strafverfolgung ausgegeben wurden, umsonst. Der weltweite illegale Drogenanbau hat sich erhöht, die Verkaufszahlen und der Umsatz haben sich erhöht (geschätzte 500 Milliarden US-Dollar wurden im vergangenen Jahr weltweit mit illegalen Drogen umgesetzt). Weiter so wie bisher, bedeutet weitere Profite für die organisierte Kriminalität, weiter Korruption, weiter mit dem Elend und Leid. Eine drogenfreie Gesellschaft ist eine Illusion, sagte einmal der Drogenbeauftragte der Regierung Kohl, Eduard Lintner. Das Ziel muss eine staatlich regulierte Vergabe aller zur Zeit illegalen Drogen sein. Wie eine erfolgreiche Drogenpolitik aussehen kann, zeigt der "Frankfurter Weg" und deren Projekt mit der Heroinvergabe an schwerstabhängige. Regulierung statt Repression, Akzeptanz und Toleranz, statt Stigmatisierung und Strafverfolgung von Konsumenten. Es wäre auf jeden Fall eimal wünschenswert, wenn man sich sachlich und pragmatisch mit dem Thema Drogen auseinandersetzen würde, statt wie bisher polemisch und emotional. Einen schönen Tag noch, wünscht Ohli
Roller, 30.07.2010
4.
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Ganz einfach: die Legalisierung aller Drogen.
obi wan 30.07.2010
5. Gegen jede Art von Titeln und Orden!!!!
Keine Ahnung wie Mexiko entkommen kann. Ich kann nur sagen: Sicher nicht durch so politisch vielleicht korrekte aber vollkommen nutzlose Konzepte wie Rauschgift legalisieren, Dialog suchen u.ä. Mal sehen wann hier die Ersten hier auftauchenk, die so etwas als alleiniges Allheilmittel ernsthaft verkaufen wollen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.