Videogespräch mit Giffey Russisches Satirikerduo bekennt sich zu Klitschko-Fakes

»Vovan und Lexus« behaupten gegenüber dem SPIEGEL, hinter den betrügerischen Anrufen bei Franziska Giffey und anderen Stadtoberhäuptern zu stecken. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Pro-Kreml-Komiker westliche Politiker narren.
Rutube-Kanal von »Vovan und Lexus«: »Sie werden bald in unserer Show die Details dieser Streiche erfahren«

Rutube-Kanal von »Vovan und Lexus«: »Sie werden bald in unserer Show die Details dieser Streiche erfahren«

Foto: RuTube / DER SPIEGEL

Am Dienstag hatte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) noch von möglichen »karikaturistischen Hintergründen« gesprochen, als es um das Motiv für den Anruf des vermeintlichen Vitali Klitschkos bei ihr ging. Was wie eine sprachlich verunglückte Abwandlung von »terroristischen Hintergründen« klang, könnte sich als treffend erweisen.

Giffey und mindestens vier andere Bürgermeister großer europäischer Städte hatten in den vergangenen Wochen Videogespräche mit dem vermeintlichen Vitali Klitschko geführt. Doch auch wenn die Person aussah und klang wie der Bürgermeister von Kiew – er war es nicht. Giffeys Team sprach zunächst davon, dass es sich »allem Anschein nach« um einen Deepfake gehandelt habe, um einen computergenerierten Klitschko. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Mittlerweile hält die Senatskanzlei aber auch andere Erklärungen für denkbar.

Jetzt gibt es zwei mögliche Täter: In einer E-Mail an den SPIEGEL deuteten Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow alias »Vovan und Lexus« an, hinter den Fake-Video-Gesprächen mit Giffey und den anderen Bürgermeistern zu stecken. Auf die Frage, ob sie dafür verantwortlich sind, antwortete das russische Komikerduo: »Sie werden bald in unserer Show die Details dieser Streiche erfahren.« Dazu verwies es auf seinen Kanal auf Rutube, einer YouTube nachempfundenen russischen Videoplattform.

Auch für die deutschen Sicherheitsbehörden galten die beiden Komiker früh als möglicher Kandidat für die Fake-Anrufe.

Bisher keine Beweise

Bewiesen ist ihre Beteiligung noch nicht. Bisher haben die beiden keinen Beleg für ihre Behauptung geliefert, auch nicht auf explizite Nachfrage. Dem ARD-Politikmagazin »Kontraste« sagten sie , sie würden nicht im Detail verraten wollen, wie sie den Fake-Klitschko zustande gebracht haben. »Ich kann nur sagen, dass es kein Deepfake war«, sagte Stoljarow.

Er und Kusnezow haben bereits in einer ganzen Reihe von Fällen Politiker und Prominente hereingelegt, darunter George W. Bush, Justin Trudeau und Boris Johnson. Dabei bewegen sie sich oft entlang der staatlichen russischen Propaganda und versuchen, den Betroffenen verfängliche Sätze zu entlocken.

Für wie hilfreich der Kreml die beiden offenbar hält, zeigte sich erst vor wenigen Wochen: Russlands Außenministerium verlieh den beiden offiziell einen Preis – ein sicheres Telefon – und lobte sie dafür, »die Telefone so vieler Politiker und weltbekannter Persönlichkeiten erobert« zu haben.

Schon einmal übernahm das Duo die Verantwortung für einen Vorfall, der von westlichen Medien schnell als Deepfake bezeichnet wurde, letztlich aber viel unspektakulärer war: Vor gut einem Jahr gab sich Stoljarow in Zoom-Calls mit europäischen Abgeordneten mehrfach als Leonid Wolkow aus, als Stabschef von Alexej Nawalny. Nach eigenen Angaben hatte er sich dafür einfach nur verkleidet und geschminkt, das habe gereicht.

Zuletzt gaben sich die Komiker gegenüber der »Harry Potter«-Autorin J.K. Rowling als Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj aus. Der falsche Selenskyj fragte Rowling unter anderem, ob er nicht eine Rolle im nächsten »Harry Potter«-Film spielen könne – denn vor seiner Politkarriere war der ukrainische Präsident Schauspieler. Rowling nannte den Videotelefonstreich mitten im Krieg »geschmacklos«.

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