Online-Reklame Französischer Provider blendet Werbung aus

Der französische Provider Free schaltet für seine Nutzer ab jetzt standardmäßig die Anzeige von Online-Werbung aus. Bei der Bevormundung geht es wohl wieder einmal um Geld von Google.
Free-Logo: Werbeblocker angeschaltet, Ärger eingehandelt

Free-Logo: Werbeblocker angeschaltet, Ärger eingehandelt

Foto: Jacques Brinon/ AP

Banner und Werbeclips - einfach ausgeschaltet: Der französische Billig-Provider Free hat damit begonnen, die DSL-Zugangsbox für seine Nutzer mit aktiviertem Werbeblocker auszuliefern. Das berichtet unter anderem die "New York Times ". Bei den Betreibern etlicher Websites hat der Eingriff Empörung hervorgerufen. Auch ein Verband, der französische Onlinemedien vertritt, protestierte gegen den Schritt.  

Bisher war die Installation solcher Werbeblocker, in der Regel im Browser, eine Entscheidung des Nutzers - der damit zwangsläufig den werbefinanzierten Websites schadet, die er besucht. Free schaltet seinen Nutzern diese Software nun einfach standardmäßig ein, direkt im DSL-Modem. Was genau geblockt wird, ist unklar, Google AdWords sollen aber dazugehören . Websites, die sich durch Werbung finanzieren, entgehen dadurch Einnahmen. Für den Provider haben die Werbeblocker hingegen Vorteile: Es müssen weniger Daten durch das Netzwerk übertragen werden. So können mehr Nutzer versorgt werden.

Offenbar geht es auch hier einmal mehr um Geld von Google: Die "New York Times" zitiert aus einem früheren Interview, in dem der Free-Chef sich darüber beklagt, dass Google und YouTube zu Spitzenzeiten die Bandbreite erschöpfen. Ein Netzausbau wäre nötig, den aber will der Provider nicht alleine zahlen. Gleichzeitig verdient Google Milliarden, das weckt Begehrlichkeiten.

Französischer Minister bittet zum Krisengipfel

Die Provider wollen die Großverdiener in die Pflicht nehmen, um den teuren Netzausbau mitzufinanzieren. Auf dem Gipfel der Uno-Organisation ITU im Dezember in Dubai waren europäische Provider jedoch mit einem Vorstoß gescheitert, die Inhalteanbieter an den Kosten für den Datenverkehr zu beteiligen. Bisher gilt zumindest im kabelgebundenen Internet in der Regel noch das Prinzip, das alle Daten gleichwertig behandelt und ausgetauscht werden, die sogenannte Netzneutralität.

Der Schritt von Free greift zwar nicht direkt in den Datenverkehr ein, der mitgelieferte Werbeblocker lässt sich wohl nachträglich abschalten - unter der Google-Fehde dürften am ehesten kleinere Webangebote leiden, die auf Online-Werbeumsätze angewiesen sind. Am Montag sollte ein Treffen der zuständigen französischen Ministerin Fleur Pellerin mit allen Beteiligten stattfinden.

Eine ähnliche Manipulation von Websites nehmen auch manche Trojaner vor, mit denen Kriminelle die Werbeanzeigen durch eigene austauschen. Und noch jemand will Werbeanzeigen auf Websites ersetzen: Kim Dotcom alias Kim Schmitz plant wohl für seinen Dateitauschdienst Mega ein ähnliches Geschäftsmodell, bei dem ein Teil der angezeigten Werbung im Web durch eigene ausgetauscht werden soll.

ore
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