Einigung mit Verbraucherschutzbehörde Hackerangriff kommt Equifax teuer zu stehen

147 Millionen Menschen betraf ein Datenleck bei der amerikanischen Wirtschaftsauskunftei Equifax. Jetzt muss sie dafür die Konsequenzen tragen - und mehrere Hundert Millionen Dollar in die Hand nehmen.

Equifax-Gebäude in Atlanta, Georgia: Das Unternehmen zahlt bis zu 700 Millionen Dollar
REUTERS

Equifax-Gebäude in Atlanta, Georgia: Das Unternehmen zahlt bis zu 700 Millionen Dollar


Ein Hackerangriff aus dem Jahr 2017 hat nicht nur dem Image der US-Wirtschaftsauskunftei Equifax geschadet. Für das Unternehmen hat der Vorfall, bei dem teils sensible Informationen wie Sozialversicherungs- und Kreditkartennummern von 147 Millionen Menschen in die Hände Unbefugter gelangt waren, nun auch weitere finanzielle Folgen. Im Rahmen eines Vergleichs habe Equifax einer Zahlung von mindestens 575 und maximal 700 Millionen Dollar zugestimmt, teilte die Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC am Montag mit. Umgerechnet sind das bis zu 625 Millionen Euro.

Equifax habe es versäumt, grundlegende Maßnahmen zu ergreifen, die den Vorfall hätten verhindern können, heißt es vom FTC-Vorsitzenden Joe Simons. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James kritisierte in einer separaten Mitteilung, Equifax habe den Profit über den Datenschutz gestellt.

Der Chef musste schon gehen

Unter anderem soll Equifax nun 300 Millionen Dollar in einen Fonds einzahlen, der betroffenen Verbrauchern Dienstleistungen zur Kreditüberwachung anbietet. Außerdem sollen aus dem Topf jene Kunden entschädigt werden, die seit 2017 Geld für vom Unternehmen angebotene Kredit- oder Identitätsüberwachungsdienste ausgegeben haben.

Die Affäre um den Hack hatte bereits den damaligen Equifax-Chef Richard Smith seinen Job gekostet. Durch den Vergleich werden nun Ermittlungen verschiedener Behörden, zahlreicher US-Bundesstaaten sowie mehrere Sammelklagen beigelegt.

Der Vorfall von 2017 war nicht der erste, bei dem die Firma im Zusammenhang mit Cyberattacken auffiel. Schon 2013 sollen bei Equifax laut US-Medien Finanzdaten und persönliche Informationen von US-Prominenten entwendet worden sein. Zu den Betroffenen zählten demnach etwa Beyoncé, Ashton Kutcher und Mel Gibson, aber auch die damalige First Lady Michelle Obama sowie der ehemalige Vizepräsident Joe Biden.

mbö/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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road_warrior 22.07.2019
1. Mr Smith kann es egal sein
Robert F. Smith is während des Skandals in Rente gegangen. Laut Fortune Mag stehen im rund 90 Mio USD an Aktien(optionen?) und außerdem rund 18 Mio USD an Pensionszahlungen zu. Dagegen muten die max. 700 Mio USD ja irgendwie lächerlich an. Wenigstens der CIO durfte 4 Monate hinter schwedischen Gardinen verbringen und eine winzige Strafe wegen Insider-Tradings zahlen. Er hat seine Aktien nämlich kurz vor Bekanntwerden des Skandals verkauft. Equifax selbst hat für die Datenkatastrophe übrigens über eine Milliarde USD (ohne die Strafe) in den Büchern veranschlagt. Und wie konnte das nur alles passieren? Weil die Leute bei Equifax einen wichtigen Patch fuer Apache Struts (Web Applikations-Framework) nicht eingespielt haben, obwohl das Probleme schon Monate zuvor bekannt war und sogar Homeland Security davor gewarnt hatte.
theos001 22.07.2019
2.
Für ein Land, in dem man Kaffeeverkäufer auf tausende Dollar verklagen kann, weil man nicht davor gewarnt wurde das der grade gekaufte, frisch gekochte Kaffee heiß ist, sind 700 mio. $ echt ein witz. Von der hälfte der Amis sind vertrauliche Daten kopiert worden....das wären weniger als 5$ pro betroffener Person. Das ist dreist.
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