Geldkartenbetrug Banken bekommen Skimming in den Griff

Mit manipulierten Geldautomaten und kopierten EC-Karten gingen Kriminelle auf Beutezug - die Banken rüsteten mit neuer Technik auf. Mit Erfolg: Um mehr als die Hälfte ist die Zahl der Fälle im ersten Halbjahr zurückgegangen. Die Kriminellen steigen nun auf neue Methoden um.

Kunden am Geldautomaten: Zahl der Manipulationen an Automaten ist rückläufig
DDP

Kunden am Geldautomaten: Zahl der Manipulationen an Automaten ist rückläufig


Berlin - Der Kampf gegen den Geldkartenbetrug "Skimming" zeigt offenbar Wirkung: Im ersten Halbjahr 2011 sei die Zahl der Diebstähle via Geldautomat im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent zurückgegangen, erklärte der Geldkarten-Dienstleister Euro Kartensysteme (EKS) auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Damit dürfte "das schlimme Jahr 2010" der Skimming-Höhepunkt gewesen sein. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte in dem Jahr rund 190.000 Fälle, in denen Kartenkunden von der Manipulation von Geldautomaten betroffen waren. Es entstand ein Schaden in Höhe Dutzender Millionen Euro. Neuere offizielle Zahlen der Banken und Schätzungen des BKA gibt es seit 2010 nicht.

Den wichtigsten Grund für den rapiden Rückgang um 60 Prozent sieht die EKS im flächendeckenden Einsatz der EMV-Chips, der die Kartendubletten der Skimmer wertlos macht. EKS-Sprecherin Margit Schneider zu SPIEGEL ONLINE: "Durch die Einführung von EMV-Chips in Europa und die Umstellung praktisch aller Bankautomaten können die Skimmer ihre Dubletten zumindest in Europa nicht mehr einsetzen."

Wanderungsbewegung unter den Betrügern

Weil auch immer mehr außereuropäische Länder auf die neuen Sicherheitsmerkmale achten, geraten die Skimmer unter Druck. Wie sehr, das zeigen die EKS-Statistiken. Ihnen zufolge setzte in den vergangenen Monaten eine Wanderungsbewegung unter den Betrügern ein. Die setzten ihre Kartendubletten im ersten Halbjahr 2008 noch vorwiegend in Italien (32 Prozent), Rumänien (22 Prozent), den Niederlanden (17 Prozent) und Frankreich (sechs Prozent) ein. 2011 aber in den USA (20 Prozent), der russischen Förderation (14 Prozent), Kolumbien (neun Prozent), der Dominikanischen Republik (neun Prozent), Kenia (acht Prozent) und Argentinien (sechs Prozent). Sollten diese Länder in Sachen EMV und Magnetstreifen nachziehen, müssten die Skimmer immer weiter ausweichen - und damit ihren Aufwand und ihre Kosten erheblich steigern.

Doch in dem Maße, in dem Skimming-Angriffe zurückgehen, steigt die Gefahr durch Online-Betrug mittels Phishing und Banking-Trojaner. Dabei werden Zahlvorgänge, die über den Computer oder über das Smartphone abgewickelt werden, abgefangen und manipuliert. Um sich besser gegen zukünftige und wachsende Gefahren aus dem Internet wehren zu können, wird im Oktober wohl ein Treffen zwischen BKA und EKS stattfinden.

Auf der Tagesordnung wird zum Beispiel auch eine gemeinsame Phishing-Datei stehen, in der sich Polizei und Banken über neue Betrugsmaschen und -wellen austauschen - und nicht nur über Skimming, wie BKA-Chef Ziercke heute laut Presseberichten erklärte. Sein Ziel: "Einen flexiblen und schnellen Austausch von Informationen, um neue Betrugsmaschen schneller zu erkennen und gemeinsame Abwehrstrategien entwickeln." Vorbild: das amerikanische FBI.

Dass dies eine gute Idee ist, erklärt Skimming-Experte Dieter Kochheim: "Einzelne Bankenverbünde haben ein ständiges Monitoring und Leitstellen eingerichtet. Das hat wirklich geholfen", erklärt der Staatsanwalt und selbsternannte "Cyber-Fahnder": "Die Bankdaten der Geschädigten werden sehr gut von der Euro-Kartensicherheit aufbereitet und zur Verfügung gestellt." So eine Hilfestellung könnte auch im Kampf gegen und der Prävention von anderen Betrugsmaschen helfen.

Das BKA war zunächst nicht für SPIEGEL ONLINE für eine Stellungnahme zu erreichen.



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eigene_meinung 18.08.2011
1. Postbank
Einige Banken (z.B. Postbank) haben es ja inzwischen unmöglich gemacht, mit ihren Karten im außereuropäischen Raum Geld abzuheben. Wenn sie jetzt auch noch in Europa das Abheben verbieten, haben sie das Problem endgültig im Griff.
ich_bins, 18.08.2011
2. Gute Idee
Zitat von eigene_meinungEinige Banken (z.B. Postbank) haben es ja inzwischen unmöglich gemacht, mit ihren Karten im außereuropäischen Raum Geld abzuheben. Wenn sie jetzt auch noch in Europa das Abheben verbieten, haben sie das Problem endgültig im Griff.
Vielleicht sollte es ermöglicht werden, eine Whitelist einzuführen, wo Geld abgehoben werden darf. Normalerweise weiß man ja schon frühzeitig, wo man hinfährt. Man könnte dann seiner Bank sagen, wo man an den GA möchte und das wird freigeschaltet. Wird bei Geschäftsreisenden zwar schwierig, aber da wäre dann eine Blacklist gut.
Muddern 18.08.2011
3. Bitte geben Sie keinen Titel für den Beitrag an!
Zitat von eigene_meinungEinige Banken (z.B. Postbank) haben es ja inzwischen unmöglich gemacht, mit ihren Karten im außereuropäischen Raum Geld abzuheben. Wenn sie jetzt auch noch in Europa das Abheben verbieten, haben sie das Problem endgültig im Griff.
Eine ganz vorzügliche Idee! :) Probleme mit Phishing würden sich vermutlich sehr schnell immens reduzieren, wären da nicht diese ständigen Sicherheitslücken im 8. OSI-Layer. Ein schönes Beispiel dafür geschah bei meinem einstigen Arbeitgeber - wir sehen vor uns eine typische, leicht gammlige EhDeeVau-Abteilung einer mittelständischen Handelskette: Ein Anruf! Am Apparat: Filialleiter F, der grimmend meinen Vorgesetzten verlangte - Nein, ich könne ihm da nicht helfen, das müsse der Herr Vorgesetzte klären, es sei höchstvertraulich und von allergrößter Wichtigkeit !!!!!111! Der Vorgesetzte seufzte und nahm sich den Sorgen des Herrn F an: "Nein, nein, Herr F, ich habe dafür keine Zugangsdaten... keine PIN geben... Mail kommt nicht von der Sparkasse... nein, man muss das Konto *wirklich* nicht bestätigen...!" Der Vorschlag, einen "DAU des Monats"-Orden einzuführen, wurde leider aus Budgetgründen abgelehnt. ;) Ich weiß nicht, wie viel prominenter man noch Warnungen vor "Internetbetrügern" in den Meldungen platzieren muss, ehe es der letzte begreift...?
Mr Bounz 18.08.2011
4. Nö, keine Lust auf Titel
... ich frag mich manchmal wozu die Kameraüberwachung an allen GA nützlich ist. Schaut da denn keiner drauf wenn an den Automaten "Umbauarbeiten" vorgenommen werden? Ich werde ständig und überall gefilmt, aber für was sinnvolles sind die ganzen Kameras nicht zu gebrauchen.
Methados 18.08.2011
5. Wanderungsbewegung unter den Betrügern
ha, für mich liest sich das eher so, als wären die banden in ihr bevorzugtes traumland abgezogen um da nun den rest ihres lebens in saus&braus zu verbringen :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.