Gema-Streit YouTube sperrt jedes zweite angesagte Video

Mehr als die Hälfte der Clips ist gesperrt, meist mit Verweis auf die Gema: Welche der 1000 weltweit beliebtesten Videos auf YouTube auch von deutschen Nutzern angesehen werden können, zeigt eine interaktive App von OpenDataCity.
1000 Videos ausgewertet: Die App zeigt an, welche Clips in Deutschland gesperrt sind

1000 Videos ausgewertet: Die App zeigt an, welche Clips in Deutschland gesperrt sind

Foto: OpenDataCity

Immerhin 385 der 1000 angesagtesten YouTube-Filme weltweit können auch in Deutschland abgerufen werden. Bei den anderen bekommen Nutzer in den meisten Fällen eine Nachricht angezeigt, die seit vier Jahren zum Internet gehört wie unerwünschte E-Mails: "Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der Gema nicht eingeräumt wurden."

Genauer zeigt es eine App an, die von OpenDataCity entwickelt wurde : Automatisch sucht sich das Programm einmal am Tag die 1000 beliebtesten Clips auf YouTube und prüft, welche davon gesperrt sind - und mit welcher Begründung. Derzeigt liegt die Sperrquote bei 61,5 Prozent, zum Vergleich dazu werden Afghanistan (4,4 Prozent), die USA (0,9 Prozent), Österreich (1,1 Prozent), die Schweiz (1,2 Prozent), der Vatikan (5,1 Prozent) und der Südsudan (15,2 Prozent) ausgewertet.

Der Grund für die hohe Sperrquote: YouTube möchte sich in Deutschland nicht auf die Bedingungen der Verwertungsgesellschaft Gema einlassen, deren Preisliste pro abgespieltem Lied 0,00375 Euro vorsieht. Stattdessen will Googles Videofirma offenbar lieber eine Beteiligung an tatsächlich geflossenen Werbeeinnahmen auszahlen - und sich nicht im juristischen Sinne als Anbieter der Videos verstehen, sondern nur als Plattform.

Klage gegen YouTube eingereicht

Details zu den geheimen Verhandlungen sind allerdings rar - ob nun Google Verwertungsgesellschaften in anderen Ländern niedrige Preise diktieren konnte oder die Gema überzogene Forderungen stellt, ist unklar. Die Gema lässt ihre Tarife derzeit vom Deutschen Patent- und Markenamt prüfen, der dafür zuständigen Schiedsstelle. Die Entscheidung kommt spätestens Anfang des kommenden Jahres.

Allerdings will die Gema nicht länger von Google vorgeführt werden: Sie schickte Google wegen des Textes der Sperrnachricht eine Abmahnung. Die Gema sperre nicht selbst, sondern Google. Außerdem müsse die Gema jedem, der zahlt, eine Lizenz einräumen.

Weil Google auf die Abmahnung nicht reagierte, hat die Gema am 18. Januar Unterlassungsklage vor dem Landgericht in München eingereicht. Eine YouTube-Sprecherin teilte am Montag auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE hin mit: "Wir haben keine Kenntnis von einer diesbezüglichen Abmahnung und können es demnach nicht kommentieren."

ore
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