GEZ-Web NDR-Chef nennt iPhone-"Tagesschau" Grundversorgung

Streit um GEZ-Inhalte fürs iPhone: Medienpolitiker verlangten einen Dreistufentest für die gebührenfinanzierte "Tagesschau"-App, der verantwortliche NDR-Intendant Marmor widersprich der Kritik: Die iPhone-"Tagesschau" sei gar kein neues Angebot.

GEZ-Anmeldeformular: Verlage kritisieren gebührenfinanzierte iPhone-Apps
dpa

GEZ-Anmeldeformular: Verlage kritisieren gebührenfinanzierte iPhone-Apps


Die Verlage experimentieren mit Bezahlinhalten für das iPhone: Erst führte der Axel-Springer-Verlag kostenpflichtige iPhone-Anwendungen von "Bild" und "Welt" ein, nun zieht die "Süddeutsche Zeitung" nach. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk will gegen diese Angebote mit vermeintlichen Gratis-Apps angehen. Die iPhone-"Tagesschau" soll nichts kosten - finanzieren werden das Zusatzprogramm alle Gebührenzahler, zwangsweise.

Verleger hatten das Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen scharf kritisiert, von "einer nicht tolerierbaren Marktverzerrung" sprach zum Beispiel der Axel-Springer-Verlag. In der aktuellen Ausgabe der "Zeit" fragt nun der für Medien zuständige Chef der Mainzer Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, warum der NDR die geplante iPhone-Applikation der "Tagesschau" nicht einem Dreistufentest unterzogen habe. Der sei seiner Ansicht nach erforderlich.

Mit diesem Test hatten die Ministerpräsidenten der Länder Vorgaben der EU-Kommission umgesetzt und Grenzen für die Online-Angebote von ARD und ZDF definiert. Der damals geschlossene Rundfunkänderungsstaatsvertrag sollte verhindern, dass die Sendeanstalten online machen, was sie wollen. Der Test soll prüfen, ob geplante Angebote

  • vom öffentlich-rechtlichen Auftrag gedeckt sind,
  • zum publizistischen Wettbewerb beitragen
  • und wie viel Geld sie kosten werden.

Der Intendant des für die "Tagesschau" verantwortlichen NDR, Lutz Marmor, lehnt einen solchen Test für die iPhone-"Tagesschau" ab. In der "Zeit" führt er aus, man müsse solche iPhone-Anwendungen der GEZ-Sender nicht prüfen lassen. Marmors Argumentation: "Weil man schon jetzt alle Inhalte vom iPhone abrufen kann, die wir bald auch mit der App zur Verfügung stellen werden, braucht es keinen Dreistufentest. Wir machen gar nichts Neues, sondern aus drei Klicks einen. Es wird einfacher, komfortabler."

Der Intendant sieht die Versorgung von iPhone-Nutzern mit einer eigenen Anwendungen als Teil des Auftrags der Öffentlich-Rechtlichen: Wörtlich sagt er der "Zeit": "Wir haben nicht nur einen Grundversorgungsauftrag, sondern auch eine Bestands- und Entwicklungsgarantie. Und wenn etwas zur Grundversorgung gehört, dann ja wohl die "Tagesschau". Ihre Inhalte sollten auf allen relevanten Ausspielwegen zugänglich sein."

Nutzungszahlen deutscher News-Sites: Wie sich das GEZ-Web breit macht

Angebot Visits (Millionen) PIs (Millionen)
Bild.de 103,1 1360,4
SPIEGEL ONLINE 102,6 526,1
ARD Online gesamt* 34,5 204
FOCUS ONLINE 22,2 132,8
sueddeutsche.de 21,7 151
Tagesschau.de allein 20,2 61,5
WELT ONLINE 18,6 142,8
FAZ.NET 17 91,8
stern.de 14,6 152,3
ZEIT online 10,3 60,4
rp-online (Rheinische Post) 9 71,3
DerWesten.de (WAZ) 6,8 78,4
Hamburger Abendblatt Online 5,1 47

* zu ARD Online zählen die fünf Online-Gemeinschaftseinrichtungen der ARD: ARD.de, tagesschau.de, sportschau.de, boerse.ARD.de und DasErste.de. Für das ARD Netzwerk (sämtliche Onlineangebote der ARD) veröffentlichen die Rundfunkanstalten keine Visits. Die PIs sind aber mit 505 Millionen im August 2009 doppelt so hoch wie die für ARD online.
Quellen: ARD Online Nutzungszahlen August 2009, IVW Online Nutzungsdaten August 2009

lis



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Seite 1
Severine1985, 15.04.2008
1. Was spricht gegen die Texte?
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Ich lese lieber einen Text, als mir einen Film anzusehen oder eine Radiosendung zu hören. Anstatt die Tagesschau anzusehen, lese ich die Nachrichten auf tagesschau.de und fände es sehr schade und rückschrittlich, wenn dieses Angebot wegfallen würde.
DJ Doena 15.04.2008
2.
Sie sollten mal versuchen, den Großteil der sieben Milliarden in vernünftiges Programm zu stecken: Und bevor jemand mit dem Feigenblättchen arte/Phoenix kommt: Die kosten Peanuts.
kleiner-moritz 15.04.2008
3.
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Nein, denn was nützt es, die doch meist dünnschichtige Berichterstattung auch noch aufzuschreiben? Die Anregung zu sehen reicht aus. Beim Deutschlandfunk finde ich es allerdings gut - ist aber nicht das Thema.
tomkater 15.04.2008
4.
Zitat von DJ DoenaSie sollten mal versuchen, den Großteil der sieben Milliarden in vernünftiges Programm zu stecken: Und bevor jemand mit dem Feigenblättchen arte/Phoenix kommt: Die kosten Peanuts.
Ich finde das Programm von ARD und ZDF um Klassen besser, als das, was RTL, Sat1 und Co zu bieten haben.
Severine1985, 15.04.2008
5. Was spricht gegen Texte?
Zitat von sysopSollen ARD und ZDF ihre Gebührengelder in Textangebote im Internet stecken? Oder sich auf Radio und Fernsehen beschränken?
Ich lese lieber einen Text, als mir eine Fernsehsendung anzuschauen oder Radio zu hören. Anstatt mir die "Tagesschau" anzusehen, nutze ich lieber das Internetangebot www.tagesschau.de. Warum wurde mein erster solcher Beitrag hier (mit gleichem Inhalt) eigentlich zensiert??
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