Google-Affäre China nennt Hacker-Vorwurf Verunglimpfung

Das Regime in Peking schlägt zurück: Entschieden hat die Regierung der Anschuldigung widersprochen, in die Hackerangriffe auf den US-Internetgiganten Google verwickelt zu sein. Dieser Vorwurf sei völlig ohne Grundlage.

Niederlassung von Google in Peking: Chinesische Regierung verteidigt Zensur
REUTERS

Niederlassung von Google in Peking: Chinesische Regierung verteidigt Zensur


Peking - Es ist ein klares Dementi, allerdings ist fraglich, welchen Wert es besitzt: Die chinesische Regierung hat eine Verwicklung in die Hacker-Angriffe auf den US-Internetkonzern Google entschieden bestritten. "Offene oder indirekte Beschuldigungen, dass die chinesische Regierung an den Cyber-Attacken beteiligt war, sind ohne Grundlage und zielen darauf ab, China zu verunglimpfen", sagte ein Sprecher des Pekinger Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua vom Montag. China sei selbst "das größte Opfer" von Hacker-Angriffen.

Der Sprecher reagierte auf Vorwürfe von Google, dass die Angriffe auf das Unternehmen im Dezember aus China kamen. Google hatte nach dem Hacker-Angriff mit seinem Rückzug aus dem Land gedroht. Der Fall hat auch die amerikanisch-chinesischen Beziehungen belastet. Das Ministerium in Peking erklärte, China sei selbst das größte Opfer von Hacker-Angriffen. Im vergangenen Jahr seien mehr als 42.000 Websites von Hackern angegriffen worden, jeden Monat würden 18 Millionen Computer durch Virus Conficker infiziert.

Politisch heikle Inhalte werden geblockt

Google hatte auch angekündigt, seine Suchergebnisse in China nicht mehr selbst zensieren zu wollen, was China aber nicht erlauben will. Der Ministeriumssprecher verteidigte die gängige Zensur erneut. Die Verwaltung des chinesischen Internets "passt zu den nationalen Bedingungen Chinas und stimmt mit der Praxis in den meisten Ländern überein". "Online-Informationen, die zum Umsturz der Staatsgewalt, Gewalt und Terrorismus aufrufen oder Pornografie beinhalten, sind ausdrücklich verboten", zitierte Xinhua den Sprecher.

Die Regierung habe das Recht, Bürger zu bestrafen, die das Internet dazu benutzten, die kommunistische Partei herauszufordern und ethnische Konflikte zu schüren, erklärte auch das Presseamt in Peking am Montag auf seiner Website. Dies habe nichts mit Einschränkungen der Freiheit im Netz zu tun.

Chinas Internet blockt oder filtert politisch heikle Inhalte wie Informationen über Menschenrechtsverletzungen oder über die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Auch werden immer wieder Bürgerrechtler unter dem Vorwurf der "Anstiftung zum Umsturz der Staatsgewalt" zu teils hohen Haftstrafen verurteilt, weil sie kritische Aufsätze über die Ein-Parteien-Diktatur in China und Forderungen nach Demokratie im Internet verbreitet hatten.

böl/dpa/APN/Reuters

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sehdarm 16.01.2010
1.
Zitat von sysopDas Arrangement mit der chinesischen Zensur ging den Google-Machern auf Dauer zu weit. Der aktuell Konflikt war programmiert. Aber ist die Entscheidung Googles richtig, sich künftig komplett aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen? Diskutieren Sie mit!
Also bitte, wer ist so naiv und glaubt tatsächlich, dass Google "das Arrangement mit der chinesischen Zensur" zu weit ging? Googles Engagement in China ist verglichen mit dem Erfolg in der westlichen Hemisphere schlicht und ergreifend gescheitert, weil man sich nicht gegen Baidu durchsetzen kann. Nun hat man eben diesen Scoop platziert um vom schlechten Datenkrakenimage abzulenken und wieder etwas mehr "don't be evil" zu werden. Gleichzeitig werden die Aktionäre nicht so nervös, weil man in einem Markt gescheitert ist, sondern sich aus ehrbaren Gründen zurückzieht. Das war ist nicht mehr als eine klug durchdachte "Exit-Strategie". Wie in einem anderen Thread schon einmal geschrieben: China braucht Google nicht. Chinesen brauchen Google nicht. Für uns, die wir "googlen" als selbstverständlich nehmen ist das schwer zu verstehen.
tao chatai 16.01.2010
2. unferschaemt wenn man mal darueber nachdenkt
Zitat von sysopDas Arrangement mit der chinesischen Zensur ging den Google-Machern auf Dauer zu weit. Der aktuell Konflikt war programmiert. Aber ist die Entscheidung Googles richtig, sich künftig komplett aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen? Diskutieren Sie mit!
Google ist muksmaeuschenstill geworden in China,der Propaganda Trick um China weichzukloppen ging voll nach Hinten los.Die schmierige Clinton wollte wieder Tteilen und herrschen spielen ,geht aber nicht Olles Maedel,wir stehn frueh auf in China. Controlling China with Synthetic Democracy (http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=14046) From the 1940s to today, America's China strategy has been "divide and conquer," only tactics have varied from "big stick" to "carrot-and-stick" diplomacy. Key is to keep Russia and China from cooperating economically and militarily, "maintain a strategy of tension across Asia, and particularly Eurasia" (that, of course includes the Middle East and its oil riches) - for the overarching goal of total "control of China as the potential economic colossus of Asia." With America embroiled in Eurasian wars, policy now "masquerad(es) behind the issues of human rights and 'democracy' as weapons of psychological and economic warfare."
besserbescheidwisser 16.01.2010
3.
Zitat von sysopDas Arrangement mit der chinesischen Zensur ging den Google-Machern auf Dauer zu weit. Der aktuell Konflikt war programmiert. Aber ist die Entscheidung Googles richtig, sich künftig komplett aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen? Diskutieren Sie mit!
Das sich Google aus welchen Gründen auch immer aus dem chinesischen Markt zurückziehen wird für dieses Unternehmen schon Sinn machen. Was ich nicht Verstehen kann ist die Amerikanische Regierung. Kaum eine Regierung betreibt so viel Spionage wie diese. Die Abhörstationen der Amis in Deutschland werden seit 20 Jahren nur noch dazu benutzt um deutsche Unternehmen auszuspionieren um die Informationen an amerikanische Unternehmen weiterzuleiten(siehe Fall Enercon). Aber dieses Thema traut sich kein deutscher Politiker anzusprechen, man will ja das gute Verhältnis nicht belasten.
Christian Bechmann 17.01.2010
4. Richtige Frage?
Zitat von sysopDas Arrangement mit der chinesischen Zensur ging den Google-Machern auf Dauer zu weit. Der aktuell Konflikt war programmiert. Aber ist die Entscheidung Googles richtig, sich künftig komplett aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen? Diskutieren Sie mit!
Meiner Meinung stellt sich die Frage nicht, weil Google gar nicht daran denkt sich vom Chinesischen Markt zurückzuziehen - jedenfalls nicht auf Dauer. Unabhängig der Frage was schlimmer sei; Zensur durch die Chinesische Regierung oder umfassende Kontrolle durch Google, wird der Weltgrößte Internetanbieter mit Sicherheit nicht kampfloß den Chinesischen Markt seiner Konkurenz überlassen. Da würd ich drauf wetten!
Meckermann 25.01.2010
5. Richtige Entscheidung
Endlich mal ein Unternehmen mit Eiern, dass dann halt auch mal nein sagt, wenns zu bunt wird. Dass Google in China ohnehin gescheitert ist, kann man so nicht sagen: Ein Marktanteil von 30% ist immernoch mehr als die anderen Suchmaschinen (Yahoo, Bing...) außerhalb Chinas zusammen hinbekommen und die haben ja auch noch nicht aufgegeben. Von daher hatte/hat Google sicherlich die Wahl, undsich in diesem Fall wie es bisher aussieht gegen Profitmaxmierung entschieden, wo genug andere einen Buckel machen. Sehr gut, weiter so!
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