Google-Ausfall China schraubt am Web-Filter

Die Behörden demonstrieren ihre Hoheit über das chinesische Internet: Am Dienstag war die Google-Suche in dem Land teilweise nicht erreichbar. Das Unternehmen hatte zunächst einen eigenen Fehler vermutet - schiebt die Schuld nun aber auf die staatlichen Web-Zensur.

Google-Büro in China: Die Zensoren schlugen zurück
AP

Google-Büro in China: Die Zensoren schlugen zurück


Google hat die Selbstzensur in China beendet - nun haben die Behörden offenbar die Google-Suche einen Tag lang blockiert. Eine Woche nach der Umleitung von Suchanfragen in China zum unzensierten Angebot in der Sonderzone Hongkong hat das US-Unternehmen die chinesische Zensur für zwischenzeitliche Probleme verantwortlich gemacht. Da google.com.hk nur vorübergehend blockiert gewesen sei, könne man diese Eingriffe auf den chinesischen Web-Filter zurückführen, sagte ein Google-Sprecher der Nachrichtenagentur.

Am Dienstag hatten Suchanfragen über Google in China, insbesondere in der Hauptstadt Peking, keine Ergebnisse geliefert. Google selbst glaubte zunächst, eine auf den ersten Blick kleine interne Änderung habe eine Blockade durch die chinesischen Behörden ausgelöst. Später stellte der Internetkonzern jedoch fest, dass die Anpassung bereits eine Woche alt war, sich also etwas am Verhalten der chinesischen Überwachungstechnik geändert haben müsse. "Es ist interessant festzustellen, dass die Suchmaschine in China wieder normal funktioniert, obwohl wir von unserer Seite nichts verändert haben."

Nach monatelangem Streit über Hackerangriffe und Zensurbestimmungen in China hatte Google seine dort selbst auferlegten Beschränkungen am 22. März für beendet erklärt. Die Besucher der Website google.cn wurden seitdem auf die Hongkonger Website google.com.hk umgeleitet. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hatte damals einen Offiziellen zitiert, der die Aufgabe der Selbstzensur als vollkommen falschen Schritt verurteilte.

Die Zensur wird jetzt allerdings von der chinesischen Überwachungstechnik erledigt. Sie können über die Hongkonger Seite zwar Treffer zu aus Sicht von Peking politisch heiklen Inhalten zum Teil sehen, doch nicht aufrufen. Die chinesische Regierung filtert den Netzverkehrzwischen dem Festland und den Verbindungen, über die China ans Internet angeschlossen ist. In dem kommunistischen Land dürfen die fast 400 Millionen Nutzer auf viele ausländische Seiten wie Facebook, Twitter oder das Videoportal YouTube nicht zugreifen.

ore/AFP/dpa

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