Marktmacht bei Onlinewerbung EU verhängt weitere Milliardenstrafe gegen Google

Die EU-Kommission hat Google eine neue Milliardenstrafe aufgebrummt. Der US-Suchmaschinenriese habe seine Vormachtstellung missbraucht.

Das Google-Gebäude im New Yorker Stadtteil Manhattan
REUTERS

Das Google-Gebäude im New Yorker Stadtteil Manhattan


Wegen des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung bei Onlinewerbung haben die EU-Wettbewerbshüter gegen den US-Internetkonzern Google eine Strafe von 1,49 Milliarden Euro verhängt. Das Unternehmen habe "durch restriktive Klauseln in Verträgen mit Websites Dritter" verhindert, dass Konkurrenten "Werbeanzeigen auf diesen Websites platzieren konnten", erklärte die Kommission am Mittwoch in Brüssel.

Bei sogenannter Suchmaschinenwerbung im Google-Dienst AdSense for Search seien andere Anbieter unzulässigerweise behindert worden, heißt es. Mithilfe von AdSense for Search können Betreiber von Internetseiten Google-Suchmasken in ihre Angebote einbinden und erbringen dafür Gegenleistungen.

Die Brüsseler Behörde hat Googles Geschäftsverhalten bereits seit geraumer Zeit im Visier. Wegen des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung bei Produktanzeigen in Suchergebnissen hatte die Kommission 2017 schon eine Strafe von 2,42 Milliarden Euro gegen Google verhängt.

Aufgrund von Wettbewerbseinschränkungen beim Smartphone-System Android wurde 2018 sogar die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro fällig. Der Konzern verdaute die finanziellen Strafen innerhalb eines Quartals - allerdings setzte die Kommission auch Änderungen am Geschäftsmodell von Google durch.

Die EU-Strafen drücken Googles Gewinne

Google habe seine marktbeherrschende Stellung mehr als zehn Jahre lang missbraucht und anderen Unternehmen die Chancen auf fairen Wettbewerb und Innovationen verbaut, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Internetportalen, die AdSense einbanden, seien vertragliche Beschränkungen auferlegt worden, andere Anbieter zu nutzen. Das Geschäftsgebaren bestand demnach mindestens seit dem Jahr 2006. Im Jahr 2016 - nach ersten Einwänden der Kommission - hob Google die Einschränkungen auf.

Mit dem dritten Wettbewerbsfall geht Vestager nun auch zumindest gegen einen Teil des Kerngeschäfts von Google mit Onlinewerbung vor. Finanziell ist AdSense für Google eher ein Nischenprodukt. Genaue Zahlen zu dem Angebot gibt es nicht. Doch Googles Werbegeschäft spielt insgesamt den Löwenanteil der Erlöse des Mutterkonzerns Alphabet ein.

Änderungen beim Android-Betriebssystem

Im Schlussquartal 2018 verdiente das Unternehmen dank sprudelnder Werbeeinnahmen rund neun Milliarden Dollar (etwa 7,9 Milliarden Euro). Der Umsatz legte kräftig zu und lag bei 39,3 Milliarden Dollar. Doch den satten Zuwächsen standen auch kräftig gestiegene Ausgaben - vor allem für Infrastruktur - gegenüber.

Wenige Stunden bevor die EU-Kommission die neuerliche Milliardenstrafe gegen Google bekanntgab, hatte der Konzern Änderungen an seinem Mobilbetriebssystem Android angekündigt. Künftig wolle man Nutzer in der EU die Frage stellen, ob sie Googles Webbrowser Chrome und die Google Such-App oder alternative Angebote auf ihren Mobilgeräten nutzen wollen. Der Konzern erfüllt damit eine weitere Forderung der EU, im Zusammenhang mit der Rekordstrafe von 2018.

mak/AFP/dpa



insgesamt 53 Beiträge
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currywurst_hans 20.03.2019
1. Immerhin
Wenn unsere Regierungen schon nicht Willens oder in der Lage sind diese Unternehmen adäquat zu besteuern dann wird auf diese Art wenigstens etwas von den satten Profiten abgeschöpft. Das Grundproblem aber bleibt, unserer Regierungen.
BoMo_UAE 20.03.2019
2. Tropfen auf den heissen Stein
Solche Strafen sind fuer Google nur Peanuts. Solang die Gewinne von Onlineriesen wie Google, Facebook, Apple usw. nicht dort versteuert werden wo sie erwirtschaftet werden, lachen die Giganten doch nur ueber solche Bestrafungen. Fuehrt endlich eine Onlinesteuer ein, die den Menschen zugute kommt, die diese Gewinne erst ermoeglichen.
GoaSkin 20.03.2019
3. das ganze Werbekonzept ist insgesamt fraglich
Wer über Google Adsense oder vergleichbare Anbieter wirbt, hat keinen Einfluss drauf, wo seine Werbung eingeblendet wird. So landet u.A. Werbung von seriösen Unternehmen oder auch von Behörden auf extremistischen Webseiten und solchen mit illegalen Inhalten. Umgekehrt kann es passieren, das auf einer eigentlich seriösen Webseite Werbung für Sekten oder Halsabschneider-Firmen landet. Da denkt niemand mehr darüber nach, worauf er sich einlässt.
frankfurtbeat 20.03.2019
4. eindeutig ...
eindeutig zu niedrig angesetzt aber grundsätzlich ein Anfang diese Kraken abzuwatsch`n.
lspring 20.03.2019
5. Was nützt eine gigantische Geldstrafe...
… wenn sie vom nächstbesten Gericht Schritt um Schritt durch alle Instanzen als unzulässig (oder was auch immer) kassiert wird?
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