Der schnelle Überblick Darum geht es beim Google-Verfahren

Google will umbauen: Um einer EU-Strafe zu entgehen, würde Google in Europa Suchergebnisse künftig anders präsentieren. Aber worum geht es bei dem Verfahren eigentlich? Was stört die Kommission, was macht Google falsch? Der schnelle Überblick erklärt die Hintergründe.
Chrome-Logo: Die EU-Kommission prüft Googles Kompromissangebot

Chrome-Logo: Die EU-Kommission prüft Googles Kompromissangebot

Foto: Jens Büttner/ picture-alliance/ ZB

Google-Trefferseiten könnten in Europa bald anders aussehen als im Rest der Welt. Der Online-Konzern hat der EU-Kommission nun angeboten, seine Suchmaschine zu überarbeiten, das berichtete die "Financial Times " am Wochenende. Googles Konkurrenten gehen die Zugeständnisse nicht weit genug. Googles Angebot sieht so aus: EU-Bürger sollen dann nicht mehr ganz so viele Verweise auf Google-Dienste in ihren Treffern sehen. Mit solchen freiwilligen Verbesserungen will Google offiziellen Auflagen und einer Strafe im Kartellverfahren entgehen.

Das EU-Verfahren gegen Google läuft seit Ende 2010 - worum es dabei geht, erklärt der Überblick.

Was stört die EU-Kommission an der Google-Suche?

Es geht vor allem um Spezialangebote wie Preisvergleichsseiten, Landkarten, Börseninformationen, Restaurantbewertungen. Google betreibt selbst solche Dienste, es gibt aber auch eine Reihe von Suchmaschinen, die sich auf solche Inhalte spezialisiert haben - Qype zum Beispiel auf Restaurantbewertungen, Openstreetmap und maps.com auf Landkarten.

Einige Betreiber solcher Spezialseiten warfen Google vor, in der Suche die eigenen Google-Dienste prominent zu platzieren und die Seiten anderer Anbieter zu benachteiligen.

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Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?

Die EU-Kommission ist offenbar der Ansicht, dass Google seine eigenen Dienste bevorzugt. Zwar läuft das Verfahren, aber aus Kommentaren des EU-Wettbewerbskommissars Joaquín Almunia kann man herauslesen, dass die EU-Kommission sich auf die Bevorzugung konzentriert: Almunia hat mehrmals öffentlich gesagt, er fürchte, Google "missbrauche" die "dominante Stellung" seiner Suchmaschine und leite Nutzer "bevorzugt" zu eigenen Diensten um.

Ein Beispiel dafür: Tippt man in Googles Suchmaschine einen Straßennamen und eine Stadt ein, zeigt der US-Konzern ganz oben einen großen, passenden Ausschnitt aus dem eigenen Kartendienst Google Maps. Dabei ist Googles Kartenangebot der Konkurrenz zum Teil unterlegen. Openstreetmap zum Beispiel zeigt oft Details wie Parkplätze, Spielplätze, Bebauung mit detaillierten Hausnummern an, die Google fehlen. Google bündelt andere Dienste ganz ähnlich: Das kostenlose Smartphone-System Android kommt mit einer Reihe von Google-Apps, das Google-Netzwerk Google+ ist in die Suchmaschine und den Android-Store eingebunden.

Ist eine Bündelung von Diensten problematisch?

Googles Suchmaschine hat einen sehr hohen Marktanteil, in Deutschland mehr als 90 Prozent. Für viele Nutzer ist Google zur Oberfläche des Web geworden: Ganz gleich, was sie suchen, es wird in die Google-Maske getippt, statt etwa eine URL direkt einzugeben oder eine Spezialseite aufzurufen.

Dadurch ist Google zu einem mächtigen Filter geworden. Wenn kommerzielle Angebote bei populären Suchanfragen oben in den Google-Trefferlisten stehen, verdienen sie daran. Deshalb ärgern sich viele Anbieter, dass Google-Dienste oft prominent ganz oben stehen. Man kann argumentieren, dass Google hier die marktbeherrschende Stellung seines Suchangebots nutzt, um nicht ganz so erfolgreichen Diensten Publikum zuzuführen. So gewöhnen sich Nutzer daran, auch Spezialangebote über Google abzurufen, kleinere Anbieter verlieren weiter an Publikum, wenn Google Hotelpreise, Flugtarife und Versicherungen direkt im eigenen Angebot vergleicht.

Andererseits lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es bei vielen Suchanfragen bessere Ergebnisse geben kann als eine bloße Liste mit Treffern zu anderen Websites. Nutzer wollen Antworten, nicht Trefferlisten - so erklären Google-Mitarbeiter den Umbau des eigenen Angebots.

Wie könnte ein Umbau aussehen?

Google hat der EU-Kommission eine freiwillige Selbstverpflichtung vorgeschlagen, berichtet die "Financial Times". Google soll demzufolge bei Suchergebnissen auch prominente Links zu Konkurrenzangeboten anzeigen. Bei einer Suche nach Restaurants sollen zum Beispiel drei Verweise auf Spezialsuchmaschinen erscheinen, in der Google-Produktsuche sollen Konkurrenz-Suchmaschinen Links zu ihren Trefferseiten im Bietverfahren kaufen.

Eine tiefergehende Veränderung ist offenbar nicht im Gespräch. Denkbar wäre auch, dass Google eine Möglichkeit für andere Spezialanbieter schaffen muss, Treffer so prominent zu zeigen wie Google es bei den eigenen Landkarten tut. Die besten Suchergebnissen sollten oben stehen - nicht die von Google-Diensten.

Wie läuft das Verfahren weiter?

Bislang läuft bei der EU-Kommission nur eine sogenannte Untersuchung wettbewerbswidrigen Verhaltens. Google könnte mit einer Selbstverpflichtung gegenüber der Kommission eine Strafe und Auflagen abwenden. Google hat eine Liste mit möglichen Zugeständnissen eingereicht. Der Wettbewerbskommissar Almunia wird nun hören, wie Google-Konkurrenten die Zugeständnisse bewerten. Er muss dann entscheiden, ob eine Selbstverpflichtung ausreicht oder Auflagen von der EU-Kommission kommen müssen.

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