Streit um Sprachassistenten Google lässt keine Audiomitschnitte mehr abhören - vorerst

Google stoppt europaweit seine Praxis, manche Aufnahmen seines Sprachassistenten von Menschen auswerten zu lassen. Das Unternehmen reagiert damit auf einen Vorstoß des Hamburger Datenschutzbeauftragten.

Googles Sprachassistent steckt im smarten Lautsprecher Google Home
DPA

Googles Sprachassistent steckt im smarten Lautsprecher Google Home


Die Hamburger Datenschutzbehörde hat von Google im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens die Zusicherung erhalten, vorerst keine akustischen Mitschnitte des Google Assistant von Mitarbeitern oder damit beauftragten Firmen auswerten zu lassen. Das teilte die Behörde mit. Sie rief die für andere Anbieter wie Amazon und Apple zuständigen Behörden auf, ähnliche Verfahren einzuleiten.

Die Nutzung automatischer Sprachassistenten erweise sich als "hoch risikoreich für die Privat- und Intimsphäre von Betroffenen", betont die Datenschutzbehörde in ihrer Erklärung. "Dies gilt nicht nur für Personen, die einen Sprachassistenten betreiben, sondern für alle, die damit in Kontakt kommen, etwa wenn sie in einem Haushalt leben, in dem Geräte verwendet werden, auf denen zum Beispiel Google Assistant installiert ist."

Die Behörde verweist auf Berichte, wonach Google einen Teil der Audiomitschnitte des im Google Home integrierten Assistant von Menschen abhören lässt: Die Personen hätten die Aufgabe, zu analysieren, ob die zur Auswertung eingesetzten Computerprogramme richtig arbeiten und bei ihrer Optimierung helfen.

Google selbst erklärt in einem Blogpost, was es mit den Auswertungen auf sich hat. Darin betont das Unternehmen unter anderem, dass Audioausschnitte im Rahmen der Auswertungen nicht Benutzerkonten zugeordnet seien. Sprachexperten würden nur 0,2 Prozent aller Audio-Schnipsel auswerten, hieß es. Zudem seien die Mitarbeiter angewiesen, nur an den Sprachassistenten gerichtete Sätze abzutippen.

Mindestens drei Monate keine Audio-Auswertungen mehr

Die Hamburger Behörde gibt an, ihr Verwaltungsverfahren eingeleitet zu haben, um Google "zu untersagen, entsprechende Auswertungen durch Mitarbeiter oder Dritte für den Zeitraum von drei Monaten vorzunehmen". Ziel war es nach Angaben der Datenschutzbehörde, "die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zunächst vorläufig" zu schützen.

Die Behörde schreibt, Google habe ihr mitgeteilt, dass die umstrittene Praxis, die es in ähnlicher Form auch bei Apple und Amazon gibt, schon seit dem 10. Juli gestoppt sei. Das solle nun, ab dem 1. August, auch mindestens weitere drei Monate so bleiben. Laut Google-Angaben, so schreibt es die Behörde, bezieht sich der Stopp der Gesprächskontrolle auf die gesamte EU, nicht nur auf Deutschland.

Prinzipiell ist die irische Datenschutzbehörde federführend für die Angelegenheit zuständig, da Googles EU-Zentrale sich in Irland befindet. In Fällen mit "dringendem Handlungsbedarf" gebe die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU nationalen Datenschutzbehörden aber die Kompetenz, in ihrem Zuständigkeitsbereich für bis zu drei Monate Maßnahmen zu treffen, erläuterte die Hamburger Datenschutzbehörde. In Deutschland hat der Hamburger Datenschützer die Zuständigkeit für Google, da das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat.

Passt der Google Assistant zur DSGVO?

Von Johannes Caspar, dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, hieß es am Donnerstag, zunächst seien nun "weitere Fragen über die Funktionsweise des Sprachanalysesystems zu klären". Danach würden die Datenschutzbehörden über endgültige Maßnahmen zu entscheiden haben, die für einen datenschutzkonformen Betrieb von Sprachassistenten erforderlich seien.

Caspar erklärte außerdem, er habe "erhebliche Zweifel", dass der Google Assistant die Vorgaben der DSGVO erfülle. Sie sieht unter anderem vor, dass Nutzer über die Verwendung ihrer Daten ausreichend informiert werden müssen, um zustimmen zu können.

Von Google hieß es Donnerstagnachmittag auf SPIEGEL-Anfrage, man stehe mit der Hamburger Datenschutzbehörde in Kontakt und prüfe, "wie wir zum einen Audioaufnahmen testen und zum anderen unseren Nutzern die Verwendung ihrer Daten besser erklären können": "Die Tests tragen dazu bei, dass Spracherkennungssysteme für mehr Menschen, mit unterschiedlichen Akzenten und Dialekten, funktionieren."

mbö/AFP/dpa

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