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07. Januar 2013, 07:21 Uhr

Heikle Reise

Google-Manager Schmidt nach Nordkorea unterwegs

Die US-Regierung ist alles andere als begeistert: Der Google-Spitzenmanager Eric Schmidt trifft heute in Nordkorea ein. Offiziell reist er als Privatmann, doch vor allem will er sich über wirtschaftliche Themen und den Umgang mit sozialen Medien in dem Zensurstaat informieren.

Peking - Es ist eine heikle Reise, die Eric Schmidt an diesem Montag angetreten hat. Der Google-Verwaltungsratschef fliegt nach Nordkorea - als erster Spitzenmanager des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers. Er reist mit einem Linienflug von Peking nach Pjöngjang, sagte der frühere Gouverneur des US-Staats New Mexico, Bill Richardson. Schmidt gehöre seiner Delegation an und wolle sich in Nordkorea über Wirtschaftsthemen und den Umgang mit sozialen Medien informieren.

Nordkorea gilt als das Land mit der weltweit striktesten Internetkontrolle, steht laut Machthaber Kim Jong Un aber vor einer "industriellen Revolution". In seiner Neujahrsrede kündigte der Machthaber mehr Investitionen in Forschung und Technologie sowie Computer in allen Schulen an.

"Das ist keine Google-Reise, aber ich bin sicher, dass er sich für wirtschaftliche Themen und den Aspekt der sozialen Medien dort interessiert. Deshalb haben wir uns zusammengetan", sagte Richardson. "Wir werden uns mit politischen Führern treffen. Wir werden uns mit wirtschaftlichen Führern treffen. Wir werden Universitäten besuchen."

"Wir halten den Zeitpunkt des Besuchs nicht für günstig"

Richardson und seine Delegation wollten sich zudem um die Freilassung eines nordkoreanischstämmigen US-Bürgers aus der Haft bemühen. Der Ex-Gouverneur hatte während der Präsidentschaft von Bill Clinton immer wieder heikle außenpolitische Missionen der USA geleitet und reiste bereits mehrfach nach Nordkorea.

Wenige Wochen nach dem Abschuss eines nordkoreanischen Satelliten hatte die Reise von Richardson und Schmidt bei der US-Regierung für Kritik gesorgt. Washington wertet den Abschuss vom 12. Dezember als verdeckten Raketentest und versteht dies als Verletzung von UN-Resolutionen. "Wir halten den Zeitpunkt des Besuchs nicht für günstig und sie kennen unsere Sichtweise", sagte in der vergangenen Woche die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland.

yes/dapd/dpa

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