Nach Trumps Einreisebann Google-Mitarbeiter wollten Suchergebnisse manipulieren

Nach dem US-Einreisebann diskutierten Google-Mitarbeiter laut einem Bericht, die Macht der Suchmaschine zu nutzen. Das Ziel: Aktivisten unterstützen und Spenden steigern. Donald Trump dürfte die Enthüllung freuen.
Foto: Charles Platiau/ REUTERS

Google-Beschäftigte haben im vergangenen Jahr nach Wegen gesucht, um über die Suchmaschine des Unternehmens den Widerstand gegen die von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Einreiseverbote zu unterstützen. Das geht aus einem Bericht des "Wall Street Journal"  hervor.

Demnach hätten die Angestellten diskutiert, wie sich die Suchergebnisse derart steuern ließen, dass Gegner des Einreisebanns leichter die Kontakte von Aktivistengruppen und Politikern finden könnten.

Der Konzern bestätigte in einer Stellungnahme, dass entsprechende Ideen bei E-Mail-Wechseln ausgetauscht wurden. Davon sei jedoch keine realisiert worden. "Google hat nie seine Suchergebnisse manipuliert oder irgendeines seiner Produkte modifiziert, um eine bestimme politische Weltsicht zu befördern", erklärte das Unternehmen.

Trumps Vorwurf: Bevorzugt negative Berichte

Der Zeitungsbericht dürfte US-Präsident Donald Trump und andere Konservative in ihrer Kritik an Google und weiteren Internetunternehmen bestärken. Sie werfen den Firmen vor, ihre Plattformen gezielt derart zu gestalten, dass linksliberale Inhalte bevorzugt und konservative Positionen benachteiligt würden.

Trump hatte Google erst vor wenigen Wochen hart attackiert. Wenn in der Suchmaschine des Konzerns die Wörter "Trump News" eingegeben würden, erschienen nur negative Berichte über ihn, erklärte er. Die Suche sei folglich "manipuliert".

Dies sei "sehr gefährlich" und möglicherweise illegal, beschwerte sich der Präsident. Er warf auch Facebook und Twitter vor, Konservative unfair zu behandeln, und drohte mit Konsequenzen. Justizminister Jeff Sessions leitete wenig später eine Untersuchung zum angeblich manipulativen Umgang der Online-Unternehmen mit politischen Inhalten ein.

Weitere Google-Pläne gegen islamfeindliche Internetseiten

Laut "Wall Street Journal" hatte unmittelbar nach Inkrafttreten der ersten Version von Trumps Einreiseverboten gegen Muslime im Januar 2017 bei Google die interne Diskussion über mögliche Gegenmaßnahmen begonnen. Dabei sei es auch darum gegangen, wie das Anzeigen islamfeindlicher Internetseiten in der Suchmaschine unterbunden werden könnte.

Konkret sei es dabei um die Suchwörter "Islam", "Muslim" und "Iran" gegangen. Eine ähnliche Diskussion wurde der Zeitung zufolge darüber geführt, wie sich verhindern ließe, dass die Wörter "Mexico", "Hispanic" und "Latino" zu Seiten mit Botschaften gegen hispanische Zuwanderer führten.

Google hatte zusammen mit zahlreichen anderen Unternehmen des Internet- und Technologiesektors im Februar 2017 eine Stellungnahme bei Gericht gegen Trumps Einreisedekret eingereicht. Darin wurden die Verbote als schädlich für die US-Wirtschaft angeprangert. Google und andere Unternehmen des kalifornischen Silicon Valley beschäftigen Arbeitskräfte aus der ganzen Welt.

Um Trumps Einreiseverbote entstand ein juristisches Ringen, in dessen Folge die Regierung die Maßnahme mehrfach überarbeitete und in ihrem Ausmaß etwas abschwächte. Die jüngste Version des Dekrets wurde im vergangenen Juni vom Obersten Gericht bestätigt. Sie sieht drastische Einreisebeschränkungen für Staatsbürger der fünf mehrheitlich muslimischen Länder Iran, Jemen, Libyen, Somalia und Syrien vor.

irb/AFP