Zuerst in Großbritannien Google schränkt gezielte Platzierung von Wahlwerbung ein

Twitter hat vorgelegt, nun ändert auch Google seine Richtlinien in Sachen Wahlwerbung - und macht die Zielgruppen unschärfer. Der Schritt könnte den Druck auf Facebook erhöhen.

Google-Schriftzug (Symbolbild): Anzeigen zu einzelnen Suchwörtern wird es weiterhin geben
Brendan McDermid/ REUTERS

Google-Schriftzug (Symbolbild): Anzeigen zu einzelnen Suchwörtern wird es weiterhin geben


Gezielte Wahlwerbung - am liebten maßgeschneidert für eine genau umrissene Zielgruppe - ist besonders im US-Wahlkampf ein wichtiges Instrument der politischen Parteien. Nach dem Stopp politischer Anzeigen bei Twitter schränkt allerdings auch Google nun die Möglichkeiten zur gezielten Platzierung von Wahlwerbung ein.

Einzelne Nutzergruppen sollen damit nur noch nach drei Merkmalen angesprochen werden können: Alter, Geschlecht und Postleitzahl. Bisher war dies etwa auch mit Blick auf die vermutete politische Ausrichtung möglich.

Zugleich bleibe es allerdings weiterhin möglich, die Anzeigen zu einzelnen Suchwörtern wie zum Beispiel "Wirtschaft" zu schalten, wie Google in einem Blogeintrag in der Nacht zum Donnerstag erklärte.

In einem weiteren wichtigen Schritt betonte Google, dass falsche Angaben in jeglicher Werbung gegen die Regeln der Plattform verstoßen - auch wenn es um Politik geht. Diese Regelung betreffe zum Beispiel auch manipulierte Medien wie Videos.

Das sieht man bei Facebook deutlich entspannter. Das Unternehmen hatte in den USA zuletzt heftige Diskussionen mit der Ankündigung ausgelöst, auch nachweislich falsche Beiträge von Politikern auf der Plattform zu lassen, um sich nicht in den politischen Prozess einzumischen. Botschaften von Politikern werden auch nicht den unabhängigen Fact-Checking-Partnern des Onlinenetzwerks vorgelegt.

Allzu oft eingreifen muss Google nicht - glaubt Google

Google erklärte, der Internetkonzern gehe davon aus, nur in seltenen Fällen bei politischer Werbung eingreifen zu müssen - "aber wir werden das bei klaren Verstößen weiterhin tun". Twitter wird unterdessen ab Donnerstag gar keine politischen Botschaften mehr als Werbung verbreiten lassen. Reichweite dafür müsse verdient und nicht erkauft werden, erklärte Twitter-Chef Jack Dorsey zur Begründung.

Bei Google sollen die neuen Regeln zunächst in Großbritannien - wo am 12. Dezember ein neues Parlament gewählt wird - binnen einer Woche umgesetzt werden. Bis Jahresende sollen sie dann in der EU gelten, und im Rest der Welt am 6. Januar 2020.

Der Finanzdienst Bloomberg berichtete, Google werde für politische Anzeigen zudem die Möglichkeit sperren, eigene Kontaktlisten zur gezielten Ansprache von Nutzern hochzuladen. Das gilt als wichtiges Werkzeug für Firmen und auch Parteien, ihnen bereits bekannte Menschen auf der Plattform ausfindig zu machen. Facebook bietet seinen Werbekunden eine ähnliche Funktion an.

jok/dpa



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