Antragsformular im Netz Google setzt "Recht auf Vergessenwerden" um

Google beugt sich dem Urteil des europäischen Gerichtshofs: Der US-Konzern hat jetzt ein Formular ins Netz gestellt, mit dem Betroffene die Tilgung unerwünschter Suchergebnisse beantragen können.
Google-Logo: Tausende Anfragen nach Löschung von Suchergebnissen

Google-Logo: Tausende Anfragen nach Löschung von Suchergebnissen

Foto: Jens Meyer/ AP/dpa

Mountain View - Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Löschmöglichkeiten in Ergebnislisten von Suchmaschinen vor gut zwei Wochen hat Google mit der technischen Umsetzung begonnen. Am späten Donnerstag stellte der Suchmaschinen-Gigant ein Formular ins Internet, mit dem Europäer die Löschung unliebsamer Daten beantragen können (den Link finden Sie hier ). "Um dem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu entsprechen, stellen wir für Europäerinnen und Europäer ein Webformular zur Verfügung, mit dem die Entfernung von Ergebnissen aus unserer Suchmaschine beantragt werden kann", erklärte ein Google-Sprecher dazu.

Die Antragsteller müssen die Forderung zu jedem Link begründen und die Kopie eines Ausweises hochladen, um einen Missbrauch der Funktion zu vermeiden. Google werde jede Anfrage individuell prüfen und zwischen den Datenschutzrechten des Einzelnen und dem Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft und Informationsweitergabe abwägen, hieß es.

Die Initiative findet nach einem Bericht der "Financial Times" auch bei großen US-Unternehmen Beachtung, die wie etwa der Sportartikel-Hersteller Nike in der Vergangenheit wegen umstrittener Geschäftsmethoden - etwa der Ausbeutung von Arbeitskräften in Entwicklungsländern - stark unter Druck geraten sind. Google ist nach ihrer Überzeugung einer der wichtigsten Multiplikatoren von Initiativen, die andererseits allenfalls eine regional begrenzte Wirkung entfalten würden.

Wann die Löschung tatsächlich vollzogen wird, wurde nicht mitgeteilt. Einem Insider zufolge hat Google bereits Tausende Anfragen erhalten. Das Urteil zwinge Google, schwierige Entscheidungen zu treffen zwischen dem "Recht des Einzelnen auf Vergessenwerden" und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit, sagte der Sprecher.

Ein Beraterausschuss soll dem Konzern künftig helfen, zwischen beiden Interessen die Waage zu halten. Ihm gehören Ex-Konzernchef Eric Schmidt, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Experten der Universitäten von Oxford und Leuven (Belgien), Spaniens ehemaliger oberster Datenschützer José Luis Pinar sowie der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, Frank La Rue, an.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte Mitte Mai entschieden, dass Internet-Suchmaschinen wie Google bei einer Suche nach einem Namen in bestimmten Fällen nicht alle Treffer anzeigen dürfen. EU-Bürger können von Suchmaschinenbetreibern verlangen, dass sie Links nicht mehr anzeigen, wenn die Inhalte ihre Persönlichkeitsrechte verletzen. Lehnen die Suchmaschinenbetreiber dies ab, können Betroffene die zuständigen Datenschutzbeauftragten einschalten oder klagen.

Von dem Urteil sind zwar auch andere Suchmaschinenbetreiber wie Yahoo oder Microsoft betroffen. Allerdings laufen mehr als 90 Prozent der europäischen Suchanfragen über Googles Server.

mik/AFP
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