"Groklaw" US-Juraportal schließt aus Angst vor NSA-Überwachung

Auf "Groklaw" schrieben Juristen und Entwickler über Copyright und Patente. Nun schließt das renommierte Portal. Angesichts der massiven Web-Überwachung durch Geheimdienste sieht die Gründerin keine Chance, Mitarbeiter und Informanten zu schützen.
NSA-Zentrale in Fort Meade: Der US-Geheimdienst überwacht das Netz

NSA-Zentrale in Fort Meade: Der US-Geheimdienst überwacht das Netz

Foto: Patrick Semansky/ AP

Der wohl letzte Artikel im US-Juraportal "Groklaw" trägt den Titel "Forced Exposure " - erzwungene Enthüllung. In dem Beitrag begründet die Gründerin von "Groklaw", warum sie das angesehene Onlineportal nun nach zehn Jahren schließt.

Die unter dem Pseudonym PJ (für Pamela Jones) auftretende Gründerin schreibt:

"Ich kann 'Groklaw' nicht ohne Eure Hilfe betreiben. (…) Es war ein Gemeinschaftswerk, und nun gibt es offensichtlich keine Möglichkeit mehr, privat zusammenzuarbeiten."

Deshalb sei es nun vorbei mit "Groklaw".

"Groklaw" ist seit 2003 online. Die Seite wurde im Rahmen der Rechtsstreitigkeiten um Linux zwischen IBM und SCO bekannt. Die Autoren berichteten von Verhandlungen, analysierten Eingaben und Urteile. "Groklaw" richtete sich an Entwickler, Aktivisten und interessierte Nutzer von Software, aber auch an spezialisierte Juristen. Beispielhaft für die Bandbreite sind die beiden zuletzt bei "Groklaw" veröffentlichten Artikel: eine Analyse neuer Dokumente im Rechtsstreit zwischen Samsung und Apple  und ein Text über die offengelegten Akten im Fall Aaron Swartz .

"Groklaw"-Gründerin: "Für mich ist das Internet vorbei"

Die "Groklaw"-Gründerin argumentiert, angesichts der umfassenden Überwachung von E-Mails durch Geheimdienste sei dem Portal die Grundlage entzogen. Mit Quellen und Mitarbeitern habe sie per E-Mail kommuniziert. E-Mail sei nicht sicher. Jones schreibt, für sie sei das "Internet vorbei":

"Meine persönliche Entscheidung ist es, mich, soweit es geht, aus dem Internet rauszuhalten. (…) Ich kann nicht länger online bleiben, ohne meine Menschlichkeit zu verlieren, jetzt wo ich weiß, dass es unmöglich ist, Privatsphäre zu sichern. Ich kann nicht mehr schreiben, ich war immer sehr auf meine Privatsphäre bedacht."

In all den Jahren gab es viele Theorien über die Identität von Pamela Jones. Je nachdem, welcher Legende man glaubt, ist sie eine Rechtsanwaltsgehilfin, das Pseudonym eine Kollektivs oder die Fassade für von Firmen angeheuerte Blogger.

Wer auch immer hinter Pamela Jones steckt: "Groklaw" war ein wichtiges Forum an der Schnittstelle von Recht und Technologie. Die Gründerin empfiehlt ihren Lesern, fortan E-Mail-Dienste in der Schweiz zu nutzen - wenn sie denn unbedingt E-Mails schreiben müssten.

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