Digitale Impfzertifikate für WHO-Länder Telekom-Tochter bekommt nächsten Gesundheitsgroßauftrag

Erst kam die Infrastruktur für die Corona-Warn-App, dann das EU-Gateway für Impfzertifikate. Nun soll Telekom-Tochter T-Systems auch den länderübergreifenden Austausch von Nachweisen über andere Impfungen aufbauen.
Zentrale von T-Systems: »Fälschungssichere und digital überprüfbare Impfnachweise schaffen Vertrauen«

Zentrale von T-Systems: »Fälschungssichere und digital überprüfbare Impfnachweise schaffen Vertrauen«

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird ihren 194 Mitgliedstaaten künftig ein technisches Rahmenwerk für die Einführung von digitalen Impfzertifikaten zur Verfügung stellen. Eine wichtige Komponente, das Gateway zum länderübergreifenden Austausch der Nachweise, stammt dann von der Telekom-Tochter T-Systems. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Das System ermögliche die Überprüfung von QR-Codes auf elektronischen Impfnachweisen über Ländergrenzen hinweg. Es soll nach der Überwindung der Coronapandemie als Standardverfahren für andere Impfungen, wie etwa die gegen Polio und Gelbfieber, dienen.

In Deutschland hat T-Systems zusammen mit dem größten europäischen Softwarehaus SAP die Corona-Warn-App (CWA) zur Eindämmung der Corona-Infektionsketten entwickelt und betreibt die Infrastruktur dafür. T-Systems hatte in diesem Zusammenhang auch den European Federation Gateway Service (EFGS) aufgebaut. Der Dienst sorgt dafür, dass Corona-Tracing-Apps der Mitgliedstaaten grenzüberschreitend funktionieren. Die Telekom-Tochter hat außerdem auch das EU-Gateway für Impfzertifikate entwickelt, das unter anderem von der CovPass-App in Deutschland und ähnlichen Anwendungen in anderen EU-Mitgliedstaaten und zahlreichen Nicht-EU-Ländern genutzt wird.

Über den finanziellen Umfang des WHO-Auftrags machte die Telekom keine Angaben. In Deutschland wird die Vergütung für die Entwicklung und den Betrieb insbesondere der Corona-Warn-App kontrovers diskutiert. Kritiker verweisen darauf, dass europäische Nachbarländer Tracing-Apps zu deutlich geringeren Kosten entwickeln konnten als SAP und T-Systems in Deutschland. In den Kosten von bislang schätzungsweise 130 Millionen Euro steckt allerdings auch der Betrieb eines Callcenters zur Betreuung der CWA-Anwender, die ein positives Testergebnis manuell in die App eintragen lassen wollen.

Ähnlich wie bei der CWA sollen die Arbeiten an der Software quelloffen und transparent über die Entwicklerplattform Github einsehbar sein. Dafür waren SAP und T-Systems zuvor von allen Seiten gelobt worden. Die Telekom betonte, das neue Gateway für die WHO entspreche außerdem den strengen Vorschriften der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung.

Garrett Mehl, Leiter für Digital Health und Innovation bei der WHO, erklärte, Corona betreffe alle: »Die Länder kommen daher nur gemeinsam aus der Pandemie. Fälschungssichere und digital überprüfbare Impfnachweise schaffen Vertrauen.« Die WHO unterstütze die Mitgliedstaaten deshalb beim Aufbau nationaler wie regionaler Vertrauensnetzwerke und Prüftechnologien. »Das Gateway-Angebot der WHO versteht sich auch als Brücke zwischen regionalen Systemen. Es kann auch als Teil künftiger Impfkampagnen und Patientenakten verwendet werden.«

Eine WHO-Sprecherin verwies darauf, dass es derzeit keine globale digitale Lösung für Bescheinigungen für Polio- und Gelbfieberimpfungen gebe. Hier werde der Impfstatus für international Reisende derzeit auf dem papierbasierten internationalen Impf- und Prophylaxezertifikat (ICVP) erfasst.

pbe/dpa
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