Großbritannien Altersüberprüfungen für Porno-Nutzer kommen später als geplant

Die britische Regierung will dafür sorgen, dass Kinder im Netz seltener auf pornografische Inhalte stoßen. Doch ein wichtiger Teil ihres Plans wird nun erneut aufgeschoben. Dabei spielt die EU eine Rolle.
Großbritanniens Kultusminister Jeremy Wright

Großbritanniens Kultusminister Jeremy Wright

Foto: Peter Nicholls/Reuters

Im April klang die britische Regierung mit Blick auf ihre Jugendschutzmaßnahmen noch euphorisch. Man werde "das erste Land der Welt", das verpflichtende Altersüberprüfungen für Konsumenten von Onlinepornografie einführt, hieß es damals. Denn ab dem 15. Juli würden alle kommerziellen Pornoanbieter sicherstellen müssen, dass Besucher ihrer Website, die eine britische IP-Adresse haben, mindestens 18 Jahre alt sind. Ursprünglich war die Einführung der Altersüberprüfungen, die sich technisch leicht umgehen lassen, sogar schon für April 2018 angedacht gewesen.

Heute ist die Lage eine andere: Wie die BBC berichtet , scheitert wohl auch der neue Zeitplan. Kultusminister Jeremy Wright hat demnach bestätigt, dass die Altersüberprüfungen nicht wie geplant ab dem 15. Juli vorgeschrieben werden. Als Begründung dafür gab der Minister an, dass die britische Regierung die Europäische Kommission über wichtige Teile des Plans nicht informiert habe: Der entsprechende Prozess der Notifizierung könne nun noch bis zu sechs Monate dauern.

Wright hat sich der BBC zufolge für das Nichteinhalten des geplanten Starttermins entschuldigt. Er soll aber auch betont haben, dass die Regierung weiter vorhabe, die Altersprüfungen einzuführen.

Ein Projekt für die nächste Regierung

Die britische Ausgabe der "Huffington Post" berichtet , Wright habe die Anbieter von Pornoinhalten nun angeregt, schon vor dem offiziellen Startdatum Altersüberprüfungen auf freiwilliger Basis durchzuführen. Wright selbst, so schreibt es das Magazin, hat nach eigenen Angaben erst am Freitag vergangener Woche davon erfahren, dass eine Notifizierung versäumt worden sei.

Praktisch wird die Einführung der Altersüberprüfungen nun wohl in die Amtszeit des nächsten Premierministers nach Theresa May fallen. Das Gesetz, auf dem die Maßnahme fußt, war bereits vor drei Jahren als "Digital Economy Bill" ins Parlament eingebracht worden. Das Ziel ist es, es Kindern zumindest zu erschweren, auf pornografische Inhalte zu stoßen oder gezielt darauf zuzugreifen.

Die Altersüberprüfungen sollen von Drittanbietern durchgeführt werden. Nutzer werden dabei online zum Beispiel eine Kreditkarte oder einen Reisepass vorlegen können. Alternativ können sie sich aber auch spezielle Zugangspässe an Kiosken kaufen.

mbö