Angst vor Spionage Großbritannien will Huawei in Teile der 5G-Netze lassen

Medienberichten zufolge soll es Huawei nun doch gestattet werden, das britische 5G-Netz mit aufzubauen. Der Zugang zu Kernbereichen der neuen Technologie soll dem chinesischen Konzern aber verschlossen bleiben.

Schattenrisse von Spielfiguren vor einem Huawei-Logo und dem 5G-Schriftzug
Dado Ruvic / REUTERS

Schattenrisse von Spielfiguren vor einem Huawei-Logo und dem 5G-Schriftzug


Die Chefin hat sich offenbar über Warnungen mehrerer Minister hinweggesetzt. Am Dienstagabend habe der britische Nationale Sicherheitsrat grünes Licht für die Nutzung von Huawei-Technik in den neuen 5G-Mobilfunknetzen Großbritanniens gegeben, berichtet der "Daily Telegraph". Vorsitzende dieses Gremiums ist Premierministerin Theresa May.

Eine offizielle Stellungnahme zu dem Thema gibt es nicht. Ein Regierungssprecher wies am Mittwoch darauf hin, dass Entscheidungen des Sicherheitsrats vertraulich behandelt werden. Mit Bezug auf den Bericht des "Telegraph" sagte er weiter: "Die Sicherheit und Belastbarkeit der britischen Telekommunikationsnetze ist von größter Bedeutung". Zudem habe die Regierung die 5G-Lieferkette des chinesischen Unternehmens untersucht.

Laut "Telegraph" soll Huawei zudem nur am Aufbau bestimmter Teile des 5G-Netzes beteiligt werden. Das können beispielsweise Netzwerkverteiler und 5G-Antennen auf Häusern und Masten sein. Die Kernstruktur des neue Mobilfunknetzes, also etwa die Rechenzentren, in denen Kundendaten und Verbindungen verwaltet werden, sollen der chinesischen Technik verschlossen bleiben.

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Diese geplante Trennung essenzieller Systeme von nicht essenziellen Systemen sei bei einem 5G-Netz allerdings kaum zu bewerkstelligen, warnt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Großbritanniens, Tom Tugendhat. 5G sei nicht nur ein System, das einen schnelleren Internetzugang ermögliche, sondern eines, "das wirklich alles ans Netz anschließen kann". Im BBC Radio sagte er: "Die Definition, was zum Kern des Netzes gehört und was nicht, ist bei 5G deshalb sehr schwierig."

Huawei soll auch in Deutschland beteiligt werden

Die USA werfen Huawei eine große Nähe zum chinesischen Staat vor und warnen ihre Verbündeten, Huaweis Technik könnte von China beispielsweise für Spionage genutzt werden. Beweise, die diese Vorwürfe untermauern könnten, wurden bisher nicht vorgelegt. Die USA und andere argumentieren stattdessen, chinesische Gesetze würden einheimische Unternehmen verpflichten, der Regierung auf Wunsch auch bei der Spionage zu helfen.

Australien und Neuseeland haben Huawei bereits vollständig als Technik-Lieferanten für ihre 5G-Netzwerke ausgesperrt. In Deutschland hatte US-Botschafter Richard Grenell gedroht, die Zusammenarbeit mit dem deutschen Geheimdienst einzuschränken oder gar zu beenden, sollte Deutschland den chinesischen Konzern Huawei am Ausbau der 5G-Netze beteiligen.

Bundeskanzlerin Merkel erklärte daraufhin: "Für die Bundesregierung ist die Sicherheit ein hohes Gut, auch gerade bei dem Ausbau des 5G-Netzes. Deshalb definieren wir für uns unsere Standards." Zuvor hatte sie bereits Bedingungen für eine Beteiligung von Huawei geäußert. Es müsse klargestellt sein, dass, "wenn man in Deutschland arbeitet, der chinesische Staat nicht auf alle Daten aller chinesischen Produkte zugreifen kann".

mak mit Material von Reuters



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