Bußgeldverfahren eingeleitet Kundenservice-Mitarbeiter von H&M sollen ausgeforscht worden sein

Es geht um Krankheiten und Familienstreits: Dem Modehändler H&M werden massive Verstöße gegen die Datenschutzrechte von Mitarbeitern seines Kundenzentrums vorgeworfen. Nun droht dem Unternehmen ein Bußgeld.
H&M im Fokus: Im aktuellen Fall geht es um die Mitarbeiter des H&M-Kundenservicezentrums in Nürnberg

H&M im Fokus: Im aktuellen Fall geht es um die Mitarbeiter des H&M-Kundenservicezentrums in Nürnberg

Foto: Hauke-Christian Dittrich/ picture alliance/dpa

Gegen Hennes & Mauritz (H&M) ist nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"  ein Bußgeldverfahren wegen des Verdachts der Ausforschung von Mitarbeitern eingeleitet worden. Der Verdacht massiver Verstöße gegen Datenschutzrechte des Personals habe sich erhärtet, erklärte demnach der Landesdatenschutzbeauftragte in Hamburg, Johannes Caspar, dessen Behörde sich mit dem Fall befasst. Caspar ist für die schwedische Modekette zuständig, weil sie ihren Deutschlandsitz in der Hansestadt hat.

Bei den Vorwürfen gehe es Caspars Behörde zufolge um "umfassende Aufzeichnungen über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", schreibt die "FAZ". So seien "detaillierte und systematische Aufzeichnungen von Vorgesetzten über ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" entdeckt worden: "Es handelt sich dabei auch um Gesundheitsdaten der Betroffenen, von der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, sowie um Daten von Personen aus deren sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse." 

Der Fall betrifft Mitarbeiter des H&M-Kundenzentrums für Deutschland und Österreich mit Sitz in Nürnberg. "Das qualitative und quantitative Ausmaß der für die gesamte Leitungsebene des Unternehmens zugänglichen Mitarbeiterdaten zeigt eine umfassende Ausforschung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den letzten Jahren ohne vergleichbares Beispiel ist", wird Johannes Caspar in der "FAZ" zitiert.

Zufällig auf die Daten gestoßen

Die Datenspeicherung war laut dem Bericht vor Monaten aufgeflogen, als Mitarbeiter des Kundenzentrums beim Durchstöbern interner Dateien im IT-System zufällig offen zugängliche Ordner mit brisantem Material entdeckten.

H&M teilte der "FAZ" auf Nachfrage schriftlich mit, man nehme den Vorfall weiterhin sehr ernst und bedauere ihn aufrichtig. Das Unternehmen kooperiere nach wie vor voll mit der Datenschutzbehörde, habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen und stehe in engem Dialog mit allen Kollegen. "Da sich der Vorfall in juristischer Prüfung befindet, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiter äußern können", so eine Sprecherin.

Was für ein Bußgeld H&M im Zuge des Verfahrens drohen könnte, ist schwer vorauszusagen. Theoretisch möglich sind im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Bußgelder in Höhe von bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahres.

mbö/Reuters
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