Cyber-Spionage Hacker attackieren Twitter und "Washington Post"

Eine Viertelmillion Nutzer ist betroffen, die Angreifer gingen hochprofessionell vor: Auch der Kurznachrichtendienst Twitter ist nun Opfer einer Cyber-Attacke geworden, anscheinend wurden Zugangsdaten geraubt. Die "Washington Post" berichtet ebenfalls von systematischen Angriffen - dahinter soll China stecken.
Twitter-App: Beim Angriff waren Profis am Werk

Twitter-App: Beim Angriff waren Profis am Werk

Foto: dapd

San Francisco - "Der Angriff war nicht das Werk von Amateuren", schrieb Twitter in einem Blog. Er sei vielmehr sehr ausgefeilt gewesen.

Die Hacker hätten sich möglicherweise Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Passwörter und andere Daten von 250.000 Nutzern verschafft, erklärte Sicherheitsdirektor Bob Lord. Twitter habe die Zugangsdaten der betroffenen Nutzerkonten sicherheitshalber ungültig gemacht und die Kontoinhaber per Mail aufgefordert, neue Passwörter anzulegen. Twitter hat weltweit rund 200 Millionen Nutzer und ist neben Facebook eines der beliebtesten sozialen Netzwerke.

Zur Herkunft der Angreifer wollte sich Twitter nicht äußern. Die Angriffe hätten aber offenkundig Methode. Andere Unternehmen und Organisationen seien "in jüngster Zeit auf ähnliche Weise angegriffen worden".

Erst kürzlich wurden Attacken auf die "New York Times" und das "Wall Street Journal" bekannt. Beide Zeitungen gehen davon aus, dass die Angriffe ihren Ursprung in China haben.

Auch die "Washington Post" schreibt nun auf ihrer Website, Hacker hätten ihre Rechner angegriffen. Der Angriff ähnele den Attacken auf die "Times" und das "Wall Street Journal", heißt es in einem Beitrag auf der Website der US-Hauptstadtzeitung - Ursprung sei wohl ebenfalls China.

FBI ermittelt, fürchtet Bedrohung für "nationale Sicherheit"

Bei der "Post" sollen nach inoffiziellen Angaben zufolge ein Haupt-Server und diverse andere Rechner im Visier gewesen haben. Da offenbar Passwörter geraubt wurden, hätten die Hacker potentiell tief in das System der Zeitung eindringen können. Erste Angriffe sollen 2008 oder 2009 durchgeführt worden sein. Es dauerte demnach bis 2011, bis sie entdeckt und unterbunden wurden.

Ein früherer Reporter der "Washington Post", Brian Krebs, berichtet in seinem Blog, der Verlag habe einen seiner Server dem Sicherheitsdienst NSA und dem Verteidigungsministerium übergeben. Für ein Medienunternehmen, das auf Distanz zur Regierung und Quellenschutz bedacht ist, wäre dies ein ungewöhnlicher Schritt.

Beim "Wall Street Journal" und der "New York Times" ging es offenbar darum, die Berichterstattung der Zeitungen über China zu überwachen. Das "Journal", das zur News Corp. von Rupert Murdoch gehört, sieht in den Angriffen ein weit verbreitetes Phänomen. Es seien auch andere große Medien davon betroffen wie die Finanznachrichten-Spezialisten Bloomberg und Thomson Reuters.

Die Bundespolizei FBI ermittle in der Sache seit mehr als einem Jahr. Das FBI erwäge sogar, den Fall als Bedrohung für die nationale Sicherheit einzustufen.

In den USA wird immer wieder über chinesische Hacker-Angriffe auf Unternehmen und Behörden berichtet, darunter der Rüstungskonzern Lockheed Martin, Google mit seinem E-Mail-Dienst Gmail, der IT-Sicherheitsspezialist RSA sowie die US-Handelskammer. Offizielle Stellen in China weisen die Vorwürfe stets zurück.

itz/Reuters/AFP/dpa-AFX
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