Hacker-Vorwürfe aus den USA Solarworld-Chef geißelt Spionageangriffe aus China

Der Skandal um mutmaßliche Angriffe chinesischer Hacker auf US-Konzerne erreicht Deutschland. Laut US-Regierung soll auch Solarworld betroffen sein. Firmenchef Asbeck unterstützt die neuen Ermittlungen und warnt vor der Komplettübernahme der Branche durch die Konkurrenz aus Fernost.
Solarworld-Chef Asbeck: Froh über die Initiative der USA

Solarworld-Chef Asbeck: Froh über die Initiative der USA

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Bonn - Der Bonner Solarkonzern Solarworld zählt offenbar zu den Opfern des mutmaßlichen Hackerangriffs aus China auf US-Konzerne. Wie das Washingtoner Justizministerium am Montagabend mitteilte, ist die amerikanische Tochterfirma von Solarworld eines der fünf US-Unternehmen, welche fünf mutmaßliche Hacker im Dienst der chinesischen Volksbefreiungsarmee ausgespäht haben sollen.

Nach Ministeriumsangaben sollen der Offizier Wen Xinyu und ein nicht idenfizierter Kompagnon im Jahr 2012 Tausende elektronische Datensätze von SolarWorld USA in Hillsboro/Oregon gestohlen haben. Kurz zuvor hatte die Bonner Konzernzentrale bei der US-Handelskommission eine Anti-Dumpingklage gegen mehrere chinesische Konkurrenten wegen angeblicher Niedrigpreise eingereicht. Laut Justizministerium lasen die Hacker die Kommunikation des Unternehmens mit seinen Anwälten über die Dumpingklage mit. Dazu beschafften sie sich Informationen über Solarworlds finanzielle Lage, Produktionsverfahren, Herstellungstechniken und Kosten.

"Wir sind froh, dass die amerikanische Regierung jetzt die Initiative ergreift und unterstützen alle Ermittlungen der US-Behörden", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck SPIEGEL ONLINE. Die Volksrepublik plane "die komplette Übernahme der weltweiten Solarindustrie mit Mitteln des Dumpings und der Industriespionage".

Nachdem die Solarbranche in den USA und auch in Europa chinesischem Dumping die Stirn geboten habe, sei es zudem nicht überraschend, dass China zu dem bewährten Mittel der Industriespionage greife, sagte Asbeck. "Faire Mittel werden von China mit unfairen Mitteln vergolten."

In der Branche tobt seit Jahren ein Preiskrieg zwischen westlichen Herstellern und ihren meist deutlich billigeren Wettbewerbern aus Fernost. Solarworld hat die Chinesen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa wegen Dumpings verklagt. Im Sommer 2013 beschloss die EU Strafzölle auf chinesische Module und setzte Mindestpreise fest. Zurzeit laufen auf Antrag von Solarworld in den USA schon wieder neue Ermittlungen gegen die Chinesen wegen des Verdachts, die Asiaten könnten die Anordnungen umgehen.

Neben Solarworld stehen der Aluminiumproduzent Alcoa, der Atomkraftwerkshersteller Westinghouse, die United States Steel Corporation, der Metallhersteller Allegheny Technologies sowie die Gewerkschaft USW auf der Liste der so genannten "Opfer" der mutmaßlichen Hackerangriffe, die das US-Justizministerium veröffentlichte.

Die Regierung in Peking stritt alle Vorwürfe entschieden ab. Weder Regierung noch das Militär oder das zugehörige Personal seien je in den "Online-Diebstahl" von Geschäftsgeheimnissen verwickelt gewesen.

Dennoch hat in Pennsylvania bereits eine Grand Jury Klage gegen die Chinesen erhoben. Es ist das erste Mal, dass die USA strafrechtlich wegen Cyberspionage gegen einen anderen Staat vorgehen.

Aber auch die USA betreiben Industriespionage gegenüber China: Im März hatte der SPIEGEL enthüllt, dass der US-Militärgeheimdienst NSA mit großem Aufwand den chinesischen IT-Ausrüster Huawei infiltriert hatte.

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