Nach Hackerangriff WikiLeaks stellt gestohlene Sony-Dokumente ins Netz

Der Hacker-Angriff auf Sony hat Folgen: Tausende Dokumente wurden nun von WikiLeaks veröffentlicht, inklusive Suchfunktion. Sie sollen beste Drähte des Konzerns zum Weißen Haus dokumentieren.
Sitz von Sony Pictures in Kalifornien: Ärger über WikiLeaks

Sitz von Sony Pictures in Kalifornien: Ärger über WikiLeaks

Foto: Christopher Polk/ AFP

Bei Sony Pictures hatte man wohl gehofft, dass die gravierendsten Folgen des Hackerangriffs vom November behoben sind. Doch nun sorgt die Enthüllungsplattform WikiLeaks in dem Fall für neue Schlagzeilen. Fünf Monate nach der Cyberattacke auf die Produktionsfirma hat WikiLeaks Zehntausende Dokumente des Unternehmens veröffentlicht.

Bereitgestellt würden 30.287 Dokumente des in den USA ansässigen Konzerns sowie 173.132 E-Mails aus seinem Schriftwechsel mit mehr als 2200 Adressaten, teilte WikiLeaks mit. Die Unterlagen könnten für Recherchezwecke nach Namen oder anderen Begriffen durchsucht werden.

Die Unterlagen böten "einen seltenen Einblick in die inneren Abläufe eines großen, verschlossenen multinationalen Unternehmens", begründete die Plattform ihr Vorgehen. Die nach dem Hackerangriff veröffentlichten Unterlagen hätten - anders als jetzt - nicht nach Suchbegriffen durchsucht werden können und seien ohnehin schnell aus dem Internet entfernt worden, bevor die Öffentlichkeit sie habe einsehen und auswerten können.

Laut WikiLeaks zeigen die Dokumente die Verbindungen von Sony ins Weiße Haus, zur Demokratischen Partei von Präsident Barack Obama sowie zur Rüstungsindustrie. Sony könne Einfluss auf die Gesetzgebung in den USA nehmen, hieß es. Außerdem seien die nun veröffentlichten Unternehmensunterlagen "berichtenswert", weil sie "im Zentrum eines geopolitischen Konflikts" stünden, schrieb WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange. "Das gehört in die Öffentlichkeit. WikiLeaks wird sicherstellen, dass es dort bleibt", fügte der Australier hinzu.

Assange spielt damit auf den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea an. Mutmaßlich nordkoreanische Hacker hatten im November die Computersysteme des Filmstudios Sony Pictures geknackt und anschließend vertrauliche Informationen im Internet veröffentlicht. Mit dem Datenleck wollten sie offenbar die Absetzung der Politkomödie "The Interview" erzwingen, die von einem fiktiven Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un handelt. Pjöngjang wies jede Verantwortung zurück.

Nach dem Hackerangriff waren auch persönliche Daten von 47.000 Mitarbeitern sowie von Dritten, darunter einigen Stars, veröffentlicht worden. Auch Informationen über die Konzernfinanzen, Drehbücher und fünf Filmproduktionen wurden verbreitet. Die Hacker forderten Sony Pictures damals auf, den Film "The Interview" nicht zu veröffentlichen.

Sony verurteilte das Vorgehen von WikiLeaks

Die Enthüllungsplattform spiele den Hackern in die Hände, die den Sony-Mitarbeitern schaden wollten, kritisierte das Unternehmen die neuen Veröffentlichungen. Bei dem Hackerangriff habe es sich um einen "bösartigen kriminellen Akt" gehandelt und nun veröffentliche auch WikiLeaks gestohlenes Material.

Neben der Attacke auf Sony waren auch Online-Angriffe auf große amerikanische Krankenversicherungen und Einzelhändler bekannt geworden. Die US-Regierung hat inzwischen reagiert und will sich unter anderem mit Wirtschaftssanktionen gegen Cyberangriffe verteidigen. So kann das Vermögen von Hackern eingefroren werden, die in Attacken auf Ziele in den Vereinigten Staaten verwickelt sind.

mmq/AFP/AP
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