Kunstinstallation Blue Port Hobbyfotografen sollten für Bilder vom Hamburger Hafen zahlen

Die Hamburger Kunstinstallation Blue Port hat für einigen Wirbel gesorgt: Hobbyfotografen hatten Aufnahmen der beleuchteten Objekte auf Instagram veröffentlicht - und wurden aufgefordert, Lizenzgebühren zu zahlen.

Die Überseebrücke, die Kehrwiederspitze und die Elbphilharmonie sind derzeit in blaues Licht getaucht - für Instagram-Fotos davon sollten Hobby-Fotografen plötzlich zahlen
Markus Scholz / DPA

Die Überseebrücke, die Kehrwiederspitze und die Elbphilharmonie sind derzeit in blaues Licht getaucht - für Instagram-Fotos davon sollten Hobby-Fotografen plötzlich zahlen


Noch bis zum kommenden Sonntag erstrahlt auch in diesem Jahr ein großer Teil des Hamburger Hafens in blauem Licht. Die Elbphilharmonie, der alte Elbtunnel und sogar viele Schiffe sind mit Lichtern ausgestattet. Der Künstler Michael Batz hat sein Kunstprojekt "Blue Port" anlässlich der Kreuzfahrtveranstaltung "Cruise Days" im Auftrag der Stadt Hamburg installiert.

Rund um das Projekt veranstaltet die Stadt auch einen Fotowettbewerb und will die besten Aufnahmen prämieren. Allein unter dem Stichwort "blueport" finden sich bei Instagram fast 18.000 Bilder. Doch einige der Hobbyfotografen wurden für ihre Aufnahmen in den vergangenen Tagen zur Kasse gebeten.

Plötzlich lizenzpflichtig

Wer die Projekt-Webseite der Stadt Hamburg besuchte, wurde dort darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Kunstprojekt um eine temporäre Kunstaktion handele, für die besondere Regeln des Urheberrechts gelten. Besonders die sogenannte Panoramafreiheit sei nicht anwendbar. Für die kommerzielle Verwendung von Fotos möge man daher bitte mit dem Künstler Michael Batz Kontakt aufnehmen.

Dieser Hinweis führte bei einigen privaten Fotografen zu Verunsicherung; deshalb baten sie den Künstler um Erlaubnis, die Fotos zum Beispiel auf Instagram posten zu dürfen. Als Antwort erhielten sie eine Mail von der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, welche dem SPIEGEL vorliegt.

Darin heißt es, die Lichtinstallation sei ein urheberrechtlich geschütztes Werk, dessen Reproduktion lizenz- und kostenpflichtig sei. Daher falle auch für die Veröffentlichung durch Privatpersonen in sozialen Netzwerken jährlich eine Gebühr von knapp 28 Euro an.

Dr. Till Kreuzer, Rechtsanwalt und Mitgründer eines Internetportals für digitales Urheberrecht, gibt dem Standpunkt der VG Bild-Kunst im Gespräch mit dem SPIEGEL im Grunde recht. "Die Panoramafreiheit beschreibt generell, dass bleibende Werke an öffentlichen Plätzen abgelichtet werden dürfen", sagt Kreuzer. Bei der Lichtinstallation Blue Port handele es sich allerdings eben nicht um ein bleibendes, sondern ein befristetes Werk.

Er verweist auf einen ähnlichen Fall um die Verhüllung des Reichstages durch den Künstler Christo. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, was "bleibend" bei der Panoramafreiheit bedeutet - dies war in der Rechtsprechung lange umstritten. Laut dem BGH kommt es aber darauf an, ob etwas von vornherein nur für eine kurze und befristete Dauer im öffentlichen Raum aufgestellt wurde. Damit fallen weder die Verhüllung des Reichstages noch das Blue-Port-Projekt unter die Panoramafreiheit.

Die Frage ist nur, ob das Recht auch durchgesetzt wird. "Man kann sich zwar starr auf seine rechtliche Position zurückziehen, man kann aber auch sagen: Lassen wir die Menschen einfach Fotos machen", sagt Kreuzer. Nach einiger Aufregung um die Rechtslage für Instagram-Fotos sind nun offenbar auch der Künstler und die Stadt Hamburg auf diese Linie eingeschwenkt.

Nichtkommerzielle Veröffentlichung ist erlaubt

"Nach einer Vielzahl von Nachfragen bezüglich der Möglichkeit, Bilder des Lichtkunstwerks Blue Port Hamburg zu veröffentlichen, ist aktuell zusammen mit Hamburg Tourismus eine Lösung gefunden worden", heißt es inzwischen auf der städtischen Webseite des Blue-Port-Projekts. Diese Lösung erlaube es, "dass Hobbyfotografen und -fotografinnen für nicht-kommerzielle Nutzung auch Plattformen der Social Media verwenden können, ohne dass eine Lizenzierung durch die VG Bild-Kunst erforderlich ist."

Gegenüber der "Hamburger Morgenpost" äußerte sich auch der Künstler Michael Batz positiv: "Ich möchte, dass alle Menschen Freude an der Installation haben, deswegen besteht nun auch für Hobbyfotografen die Möglichkeit, Fotos vom Blue Port auf Social-Media-Kanälen zu nutzen."

Dies betrifft aber nur die nicht-kommerzielle Nutzung. Wer Bilder von der Blue-Port-Installation zum Beispiel auf Postkarten drucken möchte, muss auch weiterhin Lizenzgebühren zahlen.



insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
Leser00815 12.09.2019
1. Lizenzgebühr
... müsste wohl der Künstler selbst auch zahlen, nämlich an alle Hausbesitzer, deren Fassaden, Werbetafeln etc. er für seine Installation ja ebenfalls nutzt. Es muss sich demnach nur um vorübergehende, also vergängliche Einrichtungen handeln. Alles ist bekanntlich vergänglich und nicht dauerhaft.
swandue 12.09.2019
2.
Zitat von Leser00815... müsste wohl der Künstler selbst auch zahlen, nämlich an alle Hausbesitzer, deren Fassaden, Werbetafeln etc. er für seine Installation ja ebenfalls nutzt. Es muss sich demnach nur um vorübergehende, also vergängliche Einrichtungen handeln. Alles ist bekanntlich vergänglich und nicht dauerhaft.
Der Künstler wird ja wohl hoffentlich jeden um Erlaubnis gefragt haben, dessen Eigentum er nutzt und spätestens, wenn er Geld damit verdient, werden die Eigentümer ihren Anteil haben wollen. Das darf auch für denjenigen gelten, der wiederum mit Abbildungen der Kunstwerke Geld verdient.
muskat51 12.09.2019
3. Mal kurz nachdenken:
Was soll schlecht daran sein, dass Fotos zum eigenen Vergnügen frei sind, man aber keine fremden Leistungen kapern darf, um selbst damit Geld zu verdienen?
hzj 12.09.2019
4. Perversion des Urheberrechts!
Was von öffentlich zugänglichen Standorten aus zugänglich ist, muss auch ohne Verletzung der Rechte eines Urhebers zu fotografieren oder sonstwie darstellbar und veröffentlichbar sein. Wer verhindern will, dass sein Werk gebührenfrei sichtbar oder Bilder davon gebührenfrei nutzbar sind, soll bitte nur und ausschließlich Orte nutzen, die gegen die Öffentlichkeit abgeschirmt sind.
cosmose 12.09.2019
5.
Zitat von muskat51Was soll schlecht daran sein, dass Fotos zum eigenen Vergnügen frei sind, man aber keine fremden Leistungen kapern darf, um selbst damit Geld zu verdienen?
Habe kurz nachgedacht: Schlecht daran ist, dass die Verantwortlichen auf diese Idee erst gekommen sind, nachdem man bereits zahlreiche Rechnungen verschickt hatte. Hier hatte man einfach Angst vor dem sicherlich folgenden Shitstorm, und ist deswegen zurückgerudert.
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