Soziale Medien HateAid will Opfern von Hass und Hetze helfen

Im Netz findet sich viele, teils illegale Hassbotschaften, von Beleidigungen bis zu Gewaltandrohungen. Ein Projekt schickt sich nun an, Betroffenen emotional, aber auch rechtlich beizustehen.

Anna-Lena von Hodenberg von HateAid (l.) und Renate Künast (Grüne)
Soeren Stache/ DPA

Anna-Lena von Hodenberg von HateAid (l.) und Renate Künast (Grüne)


Eine neue Initiative will Opfern von Hasskommentaren im Internet helfen, sich juristisch zur Wehr zu setzen - unter anderem mit Rechtsberatung und der Übernahme von Prozesskosten. Im Beisein prominenter Betroffener wie der Grünen-Politikerin Renate Künast und der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer wurde das Projekt mit dem Namen HateAid am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

"Es muss klar sein: Das Netz ist kein rechtsfreier Raum", sagte die Geschäftsführerin von HateAid, Anna-Lena von Hodenberg. Deshalb müsse man Betroffenen Instrumente an die Hand geben, um sich gegen die Täter zu wehren.

HateAid arbeitet mit Anwälten zusammen, die zivilrechtlich gegen die Verfasser von Hasskommentaren vorgehen. Die Initiative, die sich ausdrücklich nicht nur an Politiker oder Prominente richtet, soll sich langfristig durch die erstrittenen Schadensersatzansprüche sowie durch Spenden finanzieren.

Die ersten 55 Fälle werden schon verfolgt

"Unsere Beratung ist für Sie kostenlos und völlig unverbindlich", heißt es auf der HateAid-Website, und weiter: "Wie lange und wie wir Sie begleiten und welche unserer Ratschläge Sie annehmen, ist Ihnen überlassen."

Hinter dem Angebot, das schon 2017 auf den Weg gebracht wurde, stehen die Nichtregierungsorganisationen Campact und Fearless Democracy.

Erreichbar ist HateAid per E-Mail, über eine Handynummer und per Facebook und Twitter. Bislang habe die Initiative 60 Betroffene beraten, schreibt "T-Online", 55 Fälle würden zivilrechtlich verfolgt. (Mehr Tipps zum Umgang mit Hasskommentaren und zu alternativen Hilfsangeboten finden Sie in diesem Artikel.)

"Täter für ihren Hass zur Verantwortung ziehen"

"Ich fand es hilfreich, mit Menschen zu sprechen, die das selbst auch mal erlebt haben", sagte am Donnerstag Luisa Neubauer, die als das Gesicht der Fridays-for-Future-Proteste im Netz beschimpft und beleidigt worden ist. Sie habe bereits Hilfe von HateAid in Anspruch genommen. "Die gucken sich alles an, was über dich geschrieben wird. Die protokollieren das alles und gucken dann, was die Grenzen der Meinungsfreiheit überschreitet", so die Klima-Aktivistin. Es sei ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass sich jemand professionell darum kümmere, die Täter für ihren Hass zur Verantwortung zu ziehen.

Auch Renate Künast führt nach eigener Aussage mehrere Rechtsverfahren gegen die Autoren von Hasskommentaren über HateAid. Sie meint, dass in den sozialen Medien eine "Zersetzung" stattfinde - alle drei Staatsgewalten und die Medien würden von bestimmten Akteuren immerzu delegitimiert und herabgewürdigt. Das schüchtere Menschen ein und halte Interessierte davon ab, politische Ämter zu übernehmen, so Künast.

Update, 8. Juli 2019: In einer früheren Version dieses Artikels war erwähnt worden, dass das Logo der Robert Bosch Stiftung auf der HateAid-Website auftaucht. Dieser Teil der Website war jedoch veraltet. Von der Stiftung heißt es, dass sie an HateAid in seiner jetzigen Form nicht beteiligt sei und diese auch nicht fördere. Wir haben den Satz daher entfernt.

mbö/dpa



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