NSO Group Hersteller von Spionage-Software verklagt israelische Zeitung

Mit dem Überwachungsprogramm Pegasus wurden offenbar Journalisten und Regierungskritiker ausgespäht. Das verantwortliche Unternehmen verklagt nun eine Zeitung, die über die Vorwürfe berichtet hatte.
NSO-Group-Zweigstelle in Israel

NSO-Group-Zweigstelle in Israel

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AMIR COHEN / REUTERS

Das israelische Unternehmen NSO Group hat eine Verleumdungsklage gegen eine israelische Zeitung eingereicht. Die Zeitung Calcalist hatte zuvor berichtet, dass die israelische Polizei mithilfe der umstrittenen Überwachungssoftware Pegasus jahrelang ohne richterliche Beschlüsse Regierungskritiker, Geschäftsleute, Kommunalpolitiker und einen der Söhne von Ex-Regierungschef Benjamin Netanyahu abgehört hatte.

Nach den Berichten mehrten sich die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung. Der israelische Justizminister Gideon Saar nannte den Zeitungsbericht jedoch »fehlerhaft«. Die Einrichtung einer Untersuchungskommission sei deshalb unnötig.

Software auf Journalisten-Handys

Die NSO Group teilte mit, die Klage gegen die Zeitung sei bei einem Gericht in Rischon Lezion bei Tel Aviv eingereicht worden. »Es handelt sich nicht um eine journalistische Untersuchung, sondern um einen einseitigen, voreingenommenen und falschen Bericht«, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Ziel der Klage sei lediglich, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Mögliche Entschädigungsgelder sollten an Holocaust-Überlebende und Opfer sexueller Gewalt gehen.

Mitte Juli vergangenen Jahres hatte ein internationales Journalisten-Konsortium berichtet, dass mit der Software Pegasus auch Oppositionelle und Reporter ausgespäht worden seien. Auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen sowie Geschäftsleuten seien Spuren von Angriffen entdeckt worden. Die NSO Group entgegnete, Pegasus werde »ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste von geprüften Regierungen verkauft, mit dem alleinigen Ziel, durch Verhinderung von Verbrechen und Terrorakten Menschenleben zu retten«.

rai/dpa
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