Hohe Tarife EU startet neuen Anlauf gegen Roaming-Abzocke

Runter mit den Roaming-Kosten: Noch immer kann mobiles Surfen im Urlaub teuer werden - die EU-Kommission will die Preise für Datenübertragung nun mehr als halbieren. Außerdem sollen Reisende flexibel zu einem lokalen, billigen Anbieter wechseln dürfen. Den Konzernen drohen empfindliche Einbußen.

Handy-Nutzer in Paris: Die Rendite-Maschine Roaming bremsen
Corbis

Handy-Nutzer in Paris: Die Rendite-Maschine Roaming bremsen


Altes Ziel, neue Strategie: Die EU-Kommission will die Mobilfunktarife für Reisende in EU-Staaten weiter drücken. An diesem Mittwoch stellt EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel ihre Ideen für die Regulierung der Roaming-Gebühren in der EU für die Zeit nach 2012 vor. Die " Financial Times" berichtet, dass Kroes neue Methoden vorschlagen will.

Bislang hat die EU-Kommission Preisobergrenzen festgelegt. Diesen Mechanismus will Kroes laut "FT" verlängern. Ein Megabyte übertragener Daten soll beim Roaming in EU-Staaten von Juli 2012 an nicht mehr als 90 Cent kosten, 2014 dann nicht mehr als 50 Cent.

Zusätzlich soll ein neues Element diese Regulierung ergänzen: Die EU-Kommission will Mobilfunkanbieter dazu verpflichten, den Kunden im Ausland einen leichten Wechsel in Kurzzeit-Tarife lokaler Anbieter zu ermöglichen. Dieser Wechsel soll ohne Austausch der Telefonnummer und Sim-Karte möglich sein. Sollten das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten einem solchen Vorschlag zustimmen, könnte die Regelung von 2014 an gelten.

Kroes-Sprecher Jonathan Todd bestätigt SPIEGEL ONLINE diese Pläne und ergänzt: Man wolle auch für sogenannte virtuelle Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz das Recht festschreiben, bestehende Netze für eigene Roamingdienste nutzen zu dürfen. Die Kosten für die Überlassung entsprechender Kapazitäten will die EU-Kommission regulieren.

Der Zwang, einen Anbieterwechsel zu ermöglichen, dürfte den Wettbewerb beleben. Heute sind in fast allen EU-Staaten die Prepaid-Tarife lokaler Anbieter erheblich günstiger als EU-Roaming-Tarife - allerdings müssen die Urlauber vor Ort eine entsprechende Sim-Karte kaufen, auswechseln - und sind dann nicht über ihre alte Nummer zu erreichen.

Außerdem kann man auch nicht mit jedem Mobiltelefon Sim-Karten anderer Anbieter nutzen - Geräte mit Sim-Lock oder Net-Lock akzeptieren solche Karten nicht.

13 Cent kostet die EU-Roaming-SMS derzeit

Seit mehreren Jahren gibt die EU-Kommission den Mobilfunkern Obergrenzen vor - und drückt sie von Jahr zu Jahr nach unten. Für alle, die jetzt in den Urlaub fahren, wird das Telefonieren am Strand oder in der Taverne etwas billiger. Wer zu Hause anruft, muss innerhalb Europas dann noch eine Roaming-Gebühr von maximal 35 Cent netto pro Minute bezahlen (knapp 42 Cent mit Mehrwertsteuer). Das sind immerhin rund vier Cent weniger als vor einem Jahr.

Angerufene Urlauber werden seit Juli noch mit höchstens elf Cent netto pro Minute zur Kasse gebeten (rund 13,09 Cent mit Steuer). Macht brutto einen Unterschied von fast fünf Cent im Vergleich zu früher. Dabei gibt es allerdings eine wichtige Besonderheit: Bei ankommenden Anrufen wird stets sekundengenau abgerechnet, bei abgehenden Telefonaten erst nach einer halben Minute. Die Preise für SMS-Roaming liegen seit zwei Jahren stabil bei elf Cent netto (gut 13 Cent mit Steuern).

Die Kunden müssen allerdings aufpassen, dass sie im Ausland tatsächlich mit dem EU-Tarif telefonieren, warnt Rafaela Möhl vom Verbraucherportal Teltarif. Oft seien vom Provider andere Optionen voreingestellt.

Beim Daten-Roaming sind die Anbieter verpflichtet, die Verbraucher bei Erreichen einer Rechnungssumme von knapp 60 Euro zu warnen und erst nach ausdrücklicher Bestätigung weiterzuverbinden.

lis/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
satissa 04.07.2011
1. Raubrittertum
Zitat von sysopRunter mit den Roaming-Kosten: Noch immer kann mobiles Surfen im Urlaub teuer werden - die EU-Kommission will die Preise für Datenübertragung nun mehr als halbieren.*Außerdem sollen Reisende flexibel zu einem lokalen, billigen Anbieter wechseln dürfen. Den Konzernen drohen empfindliche Einbußen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,772105,00.html
Roaming ist Raubrittertum und die aktuellen Roaming-Preise sind durch absolut nichts zu rechtfertigen als durch Profitmaximierung. Dies ist besonders bei globalen Marken wie Vodafone besonders auffaellig. Warum kann ich als Vodafone D Kunde nicht zu den gleichen Tarifen abgerechnet werden, wenn ich in GB bin und mich dort beim gleichen Anbieter naemlich Vodafone UK registriere? Wenn die mir dann einen Euro pro Monat berechnen, um die Daten von GB nach D zu schaufeln, dann ist dies schon mehr als genug bezahlt.
Roßtäuscher 04.07.2011
2. Die Abzocke der Mobilcom und Konsorten wie Vodafone und Telekom...
Zitat von sysopRunter mit den Roaming-Kosten: Noch immer kann mobiles Surfen im Urlaub teuer werden - die EU-Kommission will die Preise für Datenübertragung nun mehr als halbieren.*Außerdem sollen Reisende flexibel zu einem lokalen, billigen Anbieter wechseln dürfen. Den Konzernen drohen empfindliche Einbußen. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,772105,00.html
hätte bereits vor 15 Jahren gestoppt gehört. Jedem Teilnehmer muss es jederzeit möglich sein, zu einem anderen Provider mit günstigeren Tarifen zu wechseln. Zumal wie es im Fall Mobilcom vorkam, man wurde nachweislich betrogen und hat somit das Recht auf fristlose Kündigung der Verträge. Wo sind wir denn.
perpetuummobile 04.07.2011
3. Titellos
Machen wir uns doch nichts vor: Roaming-Gebühren sind für die großen Anbieter eine willkommene Methode, um ihren Markt abzuschotten. Ohne Roaminggebühren würde nämlich ein kleiner österreichischer Anbieter seine Dienste 1:1 in Deutschland anbieten können, ohne auch nur 1 Euro in die dortige Infrastruktur investiert zu haben. Und mir kommt das einem Kartell gleich, weil sich da alle Anbieter einig sind. "Du schickst mir das Geld von meinem Kunden rüber, ich schicke Dir das Geld von Deinem Kunden". Am Ende hat nämlich jeder Kunde draufbezahlt. Was ich nicht verstehe: Was beim internationalen Briefversand funktioniert, scheitert hier kläglich. Natürlich – man will den Anrufenden schützen, damit er (weil er nicht wissen kann, dass der Angerufene sich im Ausland aufhält), nicht mit Kosten für Auslangsgespräche überraschen will. Ich bin mir aber sicher, dass es dafür geeignetere Methoden gibt.
fishgroup 04.07.2011
4. Preise aus dem Kaffeesatz
Man muss mal überlegen, welche Kosten den Gesellschaften überhaupt entstehen. Personalkosten sicher sehr wenige, dann noch die Server, Leitungen, Masten, Rechte. Das war´s. Und dann vielleicht noch die 37.000 Shops pro Stadt. Aber die sind meistens in Franchise. Mir halt mal ein Techniker aus der Branche erzählt, dass Telefonie an reinen Gewinneinnahmen im Industriezweigranking gleich den zweiten Platz hinter Waffen/Military einnimmt. Schade, dass es hierzu wirklich keine verlässlichen Veröffentlichungen gibt hinsichtlich genauer Zahlen. Aber das einer der reichsten Männer der Welt der Chef der Telekomsparte in Mexiko ist, kommt nicht von ungefähr. Und dann muss sich wirklich fragen, wieso eigentlich die geroamte sms aus dem Ausland weniger kostet als die inländische....
Methados 04.07.2011
5. tmobile
Zitat von satissaRoaming ist Raubrittertum und die aktuellen Roaming-Preise sind durch absolut nichts zu rechtfertigen als durch Profitmaximierung. Dies ist besonders bei globalen Marken wie Vodafone besonders auffaellig. Warum kann ich als Vodafone D Kunde nicht zu den gleichen Tarifen abgerechnet werden, wenn ich in GB bin und mich dort beim gleichen Anbieter naemlich Vodafone UK registriere? Wenn die mir dann einen Euro pro Monat berechnen, um die Daten von GB nach D zu schaufeln, dann ist dies schon mehr als genug bezahlt.
komme grad aus den USA wieder. TMOBILE gibts dort auch, in jeder mal haben die nen stand. Dennoch wurde mir angeboten: http://www.t-mobile.de/tarifoptionen/0,20406,17775-_2525,00.html bedeutet: EUR 14,95 pro Tag für LÄPPISCHE 10 mbyte !!!! was soll man damit anfangen? ein video angeclickt schwupps, nochmal zahlen. für meine 3 wochen USA aufenthalt hätte dies alleine an datenflatrate EUR 313,95 bedeutet ! PLUS 1,95 pauschale am tag als "bereitsstellung". da mein smartphone leider keine andere karte als tmbobile germany verträgt, habe ich einfach ganz auf mobiles verzichtet bzw habe den flugmodus 3 wochen angelassen und bin nur per wireless ins netz. echt ne frechheit. ich hoffe, dass keiner solche angebote warnimmt und einfach mal abschaltet, so wie ich.nen hunni hätte ichw ohl locker gemacht, aber keine 300 euro - soviel hat mein flug ja grad gekostet !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.