Nach Kritik aus China Apple sperrt bei Demonstranten beliebte Hongkong-App

Aktivisten benutzen das Programm Hongkongmap.live, um Polizeibewegungen zu verfolgen - doch nun hat Apple die App aus dem Store geworfen. Der Konzern knickt offenbar vor der Regierung in Peking ein.

Proteste in Hongkong: "Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar mit illegalen Handlungen vermischt"
Felipe Dana/DPA

Proteste in Hongkong: "Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar mit illegalen Handlungen vermischt"


Der US-Konzern Apple hat eine bei Demonstranten in Hongkong beliebte App aus dem Markt der chinesischen Sonderverwaltungszone zurückgezogen. Den Entwicklern des digitalen Stadtplans Hongkongmap.live zufolge erklärte Apple, die App sei "in vielerlei Art so genutzt worden, dass sie Polizei und Bewohner Hongkongs in Gefahr bringt".

Chinesische Staatsmedien hatten Apple zuvor vorgeworfen, mit der App "offensichtlich Randalierer zu unterstützen". In einem Kommentar in der Zeitung "People's Daily" hieß es, es gebe "Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar mit illegalen Handlungen vermischt". Apple müsse über die "Konsequenzen seiner unklugen und verantwortungslosen Entscheidung nachdenken", hieß es weiter.

Den Entwicklern zufolge erklärte Apple nun, die App sei dazu genutzt worden, Polizisten anzugreifen und zu überfallen und die "öffentliche Sicherheit zu bedrohen". Zudem hätten "Kriminelle" dank der App gewusst, in welchen Stadtteilen sich Polizisten befanden und hätten dann dort Bürger attackiert. Diese Nutzung habe den Hongkongern "erheblichen Schaden" zugefügt.

Karte von HKmap.live
hkmap

Karte von HKmap.live

Apple hatte sich als Reaktion auf Kritik zunächst auf die Seite der Demonstranten gestellt. Die Crowdsourcing-App HKmap.live hatte Apple anfangs nicht im App Store zugelassen, wie deren anonyme Entwickler auf Twitter schrieben. Das Unternehmen hatte diese Entscheidung dann aber wieder revidiert und die App doch verfügbar gemacht. Einem Medienbericht zufolge war HKmap.live in der Kategorie "Reise" in Hongkong die App mit den höchsten Downloadzahlen.

In Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die wachsende Einflussnahme der Regierung in Peking und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Demonstranten organisieren sich unter anderem über Apps.

Die Proteste hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die prochinesische Führung in Hongkong und die Einschränkung der Demokratie.

jon/afp



insgesamt 30 Beiträge
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suedniedersachse 10.10.2019
1. Was für ein Land!
Kotau vor China. Super. Was kommt als Nächstes? Angebot, eine chinesische Kolonie werden zu wollen? Dann doch lieber 25 Jahre BER. In China geht alles viel schneller. Warum? Weil es eine Diktatur ist. Wird hier ohnehin nicht veröffentlicht :-(
badscooter 10.10.2019
2. geld(gier) vor freiheit
ich bin entsetzt, aber nicht überrascht. am ende ist immer die kohle wichtiger als freiheit, moral oder menschenrechte. vielleicht sollte ich als apple-produkte-fan meinen nächsten kauf doch nocheinmal überdenken.
t.schulte 10.10.2019
3. Also kein Apple mehr kaufen....
Ist der letzte nicht chinesische Hersteller der noch in diesem Verbrecherregime Mobiltelefone baut. "Made in Diktatur" lässt man grundsätzlich im Laden oder schickt sie dem Versandhändler zurück.
greendeal 10.10.2019
4. Shame on you Apple!
Shame on you Apple! Orwell lässt grüßen.
vox veritas 10.10.2019
5. Wandel durch Handel?
"Wandel durch Handel" war einmal die Begründung für Wirtschaftsbeziehungen zu Diktaturen. Offensichtlich hat das nicht funktioniert. Es bleibt abzuwarten, wann die ersten Stimmen fordern, die Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China einzustellen.
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