5G-Ausbau Huawei-Statthalter appelliert an Bundesregierung

Huaweis Deutschland-Repräsentant David Wang macht sich dafür stark, den Konzern nicht vom Aufbau der 5G-Netze auszuschließen. Ein Bann würde "die Sicherheit der Netze ganz bestimmt nicht erhöhen, im Gegenteil", sagte er dem SPIEGEL.
Huawei-Logo: "Fakten spielen kaum eine Rolle"

Huawei-Logo: "Fakten spielen kaum eine Rolle"

Foto: PATRICIA DE MELO MOREIRA/ AFP

In der Kontroverse über den Umgang mit dem chinesischen Tech-Giganten Huawei appelliert dessen Deutschland-Repräsentant David Wang an die Bundesregierung, ihrem Kurs treu zu bleiben und sein Unternehmen nicht vom Aufbau der 5G-Netze auszuschließen.

Die USA fordern diese Sperre von ihren Verbündeten und drohen offen mit Sanktionen, etwa weniger Informationsaustausch unter den Geheimdiensten. Zuletzt schwenkte Großbritannien auf die US-Linie ein - nachdem die britische Regierung noch im Januar beschlossen hatte, dass Huawei sich unter Einschränkungen am Ausbau der neuen Mobilfunknetze beteiligen darf.

"Der Lösungsansatz der Bundesregierung mit gleichen und strengen Sicherheitskriterien für alle ist aus unserer Sicht der richtige Weg zu sicheren Netzen", sagt Wang dem SPIEGEL. Die USA argumentieren, der Ausrüster könnte die Netze missbrauchen, etwa für Spionage. "Wir sind jetzt seit 15 Jahren in Deutschland aktiv, und keiner unserer langjährigen Kunden hat irgendeinen Hinweis auf einen Missbrauch unserer Technologien gefunden. Auch die USA haben dafür keinen einzigen Beweis, null", so Wang. Es sei ein "Drama", wie die Branche derzeit politisiert werde: "Fakten spielen kaum eine Rolle."

DER SPIEGEL 32/2020

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Alle drei großen Netzanbieter (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica) haben bisher bereits Huawei-Technologie im Einsatz. "Ein Ausschluss in Deutschland würde vor allem unsere Kunden treffen sowie deren Kunden und Aktionäre – denn die Provider könnten sich dann nicht mehr frei für die besten Produkte am Markt entscheiden." Ein Bann würde "die Sicherheit der Netze ganz bestimmt nicht erhöhen, im Gegenteil", beteuert Wang. "Mehr Wettbewerb führt auch zu besseren und sichereren Produkten."

Im Heimatmarkt China schreite der 5G-Ausbau schnell voran, wöchentlich würden 11.000 neue Sendeanlagen gebaut.

"Die größte Gefahr für Huawei", sagt Wang, "wäre das Zurückdrehen der Globalisierung. Trump verursacht gerade eine Menge Ärger. Aber ich bin sicher, er kann die Globalisierung letztendlich nicht aufhalten."

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte zuletzt im Innenausschuss, die Huawei-Frage sei "noch zu lösen", dies müsse "auf oberster Ebene" geschehen. Bundeskanzleramt, Bundeswirtschaftsministerium, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Bundesnetzagentur wollen es bei verschärften Anforderungen für alle Ausrüster belassen. Innerhalb der Union aber hat sich eine Gruppe um Norbert Röttgen gebildet, die den Ausschluss von Huawei fordert und sich durch Großbritanniens Umschwung bestätigt sieht. Auch Teile von SPD, Grünen und FDP sind gegen eine Beteiligung von Huawei am 5G-Aufbau.

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