Social-Media-Marktmacht Instagram-Chef hält Aufspaltung von Facebook für keine gute Idee

Wäre es besser, wenn Instagram und Facebook wieder getrennte Unternehmen wären? Adam Mosseri gibt sich in einem Interview skeptisch. Offener zeigt er sich für eine grundlegende Veränderung bei den Likes.
Adam Mosseri ist der Chef der Foto-App Instagram

Adam Mosseri ist der Chef der Foto-App Instagram

Foto: Yomiuri Shimbun / AP

Der Chef des Foto- und Videodienstes Instagram, Adam Mosseri, hält eine Aufspaltung des Mutterkonzerns Facebook für "keine gute Idee". Viele der Probleme, "die mich am meisten beschäftigen, wie Mobbing, Falschinformationen, Hassrede oder Einmischung in Wahlen, werden exponentiell größer werden, wenn wir aufgespalten würden", sagte Mosseri der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" .

Diese Probleme würden auf den dann bestehenden Plattformen weiter existieren. "Aber wir wären nicht mehr in der Lage, unsere Ressourcen zu teilen, um sie anzugehen", sagte der Manager mit Verweis auf die finanziellen Mittel des Facebook-Konzerns. "Es gibt doppelt so viele Entwickler, die sich auf Facebook allein um Sicherheit und Integrität kümmern, wie überhaupt für Instagram arbeiten."

Man arbeite bei Instagram mit "einem eigenen Team, das sich etwa mit dem Wohlbefinden der Nutzer auseinandersetzt", sagt Mosseri: "Aber viel von dem, was sie machen, setzt auf der Technik, den Richtlinien, Protokollen auf, die von der größeren Gruppe bei Facebook erdacht worden sind und erdacht werden."

Noch kein Notfallplan erstellt

Mosseri zufolge gibt es in der Chefetage von Instagram, das 2012 von Facebook gekauft wurde, aber Gedankenspiele rund um eine Aufspaltung: "Wir denken darüber nach, weil das eine gängige Frage geworden ist." Einen entsprechenden Notfallplan für den Fall, dass die Marktwächter eine Aufspaltung verlangen, bereitet er eigenem Bekunden nach allerdings nicht vor: "Meiner Ansicht nach wäre es ungesund, wenn wir versuchen würden, hier zweigleisig zu fahren."

Das Argument vieler Kritiker, Facebook verfüge mittlerweile über zu viel Marktmacht, weist der Instagram-Chef zurück. Im "FAZ"-Interview verweist er auf Konkurrenz einerseits im Videobereich, etwa durch die zu Google gehörende Plattform YouTube, und anderseits im Messenger-Bereich durch Dienste wie Apples iMessage und Line aus Japan sowie Kakao aus Südkorea.

Womöglich ist die Zahl der Likes bald nicht mehr öffentlich sichtbar

Das Gespräch mit Mosseri  dreht sich auch um die Instagram-App selbst. In diesem Teil des Interviews spricht der Firmenchef unter anderem über Überlegungen, die Anzahl der Likes pro Posting nicht mehr öffentlich einsehbar zu machen. "Wir testen, die Anzahl der Likes zu privatisieren", sagt Mosseri.

"Sie werden auch in Zukunft noch in Ihrem Feed markieren können, was Ihnen gefällt", skizziert er die Idee, "aber die Anzahl der Gefällt-mir-Angaben ist nicht mehr für andere sichtbar - sondern nur noch Angaben wie 'Adam und anderen hat das gefallen', aber eben nicht mehr 'Adam und 17 anderen hat das gefallen'."

Man wolle nicht, "dass sich die Nutzer zu sehr darauf fokussieren, miteinander zu konkurrieren", so Mosseri. "Wir testen das jetzt gerade in Kanada, und wir versuchen zu sehen, wie gut es funktioniert." Man sei bereit, "Entscheidungen zu treffen, die dazu führen, dass Menschen Instagram weniger nutzen, wenn sie sich insgesamt wohler und sicherer fühlen", sagt Mosseri, "solange das signifikant ist." Bislang gebe es keinen Zeitplan, was die Veränderungen bei den Likes jenseits von Kanada angeht.

mbö/dpa
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