Initiative für mehr Funkmasten Diese Karte soll den Mobilfunkausbau beschleunigen

Eine vom Branchenverband Bitkom zusammengestellte Karte zeigt, wo es beim Ausbau der Mobilfunknetze hakt. Der Verband hofft auf Hilfe von Bürgern und Behörden - und auf mobile Mobilfunkmasten.

Bitkom Mobilfunkkarte
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Mit einer interaktiven Karte im Internet versucht der Branchenverband Bitkom, den Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland zu beschleunigen. Außerdem hofft der Digitalverband, mit seiner Aktion mehr Transparenz für die Probleme zu schaffen, die den Ausbau der Netze bremsen.

Mehr als 1200 problematische Standorte für Funkmasten seien darin vermerkt, heißt es vom Bitkom. Die Daten dazu habe man von den Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica zusammengetragen.

"Behördliche Verfahren oder fehlende Standorte für den Bau von Mobilfunkanlagen führen allzu oft dazu, dass Funklöcher nicht geschlossen werden können", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Dienstag.

Sieben Jahre Standortsuche

Die größten Hemmnisse bei der Suche nach geeigneten Standorten liegen demnach in einer schleppenden Standortabstimmung, in aufwendigen Bauanträgen sowie langwierigen Genehmigungsverfahren etwa aus Gründen des Bau- und Naturschutzes oder des Denkmalschutzes.

Die Karte zeigt für jeden der 1200 verzeichneten Standorte Detailinformationen wie den Ort, den Grund der Verzögerung und deren bisherige Dauer an. In Einzelfällen wird dabei angegeben, dass etwa die Standortsuche für einen neuen Funkmast seit mehr als sieben Jahren erfolglos verlaufen ist. Im Durchschnitt würden mindestens zwei Jahre vergehen, bis eine neue Mobilfunkanlage in Betrieb genommen könne, heißt es vom Bitkom.

Der häufigste Grund für Verzögerungen ergebe sich aus Schwierigkeiten, geeignete Standorte für neue Mobilfunkstationen zu finden. An mehr als 537 Orten haben die Netzbetreiber demnach noch keine passenden Grundstücke oder Gebäude gefunden. Bürger, Behörden und Unternehmen bekämen durch die neue Karte eine "Gelegenheit, einzelne Verfahren zu kommentieren und geeignete Mobilfunkstandorte anzubieten", erklärte Rohleder.

Funklöcher mit mobilen Masten schließen

In 374 Fällen seien allerdings "langwierige Genehmigungsverfahren" Schuld an den Verzögerungen. Meist geht es dabei um Fragen, die sich aus dem Naturschutz-, dem Denkmalschutz- oder dem Baurecht ergeben.

Um die Suche nach geeigneten Grundstücken zu vereinfachen, schlägt der Bitkom unter anderem vor, den Providern Einsicht in die Grundbücher der jeweiligen Gemeinden zu gewähren, damit sie Eigentümer direkt ansprechen können. Zudem sollten die Gemeinden selbst öffentliche Gebäude und Grundstücke für Mobilfunkanlagen bereitstellen.

Darüber hinaus schlägt der Verband vor, etwa die Verfahrensfristen für Zustimmungen oder Stellungnahmen der zuständigen Behörden auf einen Monat zu begrenzen. Um die Zeit bis zur Genehmigung eines neuen Mobilfunkstandortes zu überbrücken, solle es den Mobilfunkanbietern zudem gestattet werden, Funklöcher für eine Dauer von bis zu zwei Jahren mithilfe von mobilen Funkmasten zu schließen.

Mit Material der dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Hans-Dampf 19.11.2019
1.
Diese Karte offenbart u. a. zwei Probleme in Deutschland: 1. Infrastruktur wird als wenig wichtig angeshen und 2. ist der Weg zur Klage zu einfach bzw. wird oft aus Trotz gesucht. Zu 1.: Beispiele sind Schulen, Brücken, Straßen usw. Der Bedarf nach Ertüchtigung ist seit Jahrzehnten da und es kommt am Ende dabei heraus, dass entweder kein Geld da ist oder die Genehmigung ewig braucht. Zu 2.: Es bedarf nicht viel, dass ein einzelner ganze Bauprojekte verzögern oder gar stoppen kann. Dabei dient Infrastruktur allen. . Es wird Zeit, dass Infrastrukturprojekte professionell geführt werden und Genehmigungsverfahren et al. vereinfacht werden. Zur Not muss das Mittel der Enteignung her, wenn Einzelpersonen Großprojekte zu verhindern versuchen.
tigresse 19.11.2019
2. Der Hauptgrund: fehlende Rentabilität
Sicher, es liegt unter anderem an den bürokratischen Hürden, dass keine neuen Funkmasten gebaut werden. Manchmal sicher auch an bockigen Anwohnern oder anderen Streitigkeiten. Aber der wahre Grund ist doch wohl eher, dass es sich für die Netzbetreiber nach ihren Berechnungen nicht lohnt, auf dem platten Land irgendwas hinzustellen, das kaum seine Kosten einbringt. Zumindest nicht in kurzer Zeit. Wenn es nicht mindestens X Mobilfunk-Kunden in der Umgebung gibt, wird diese Umgebung einfach nicht als potentieller Standort betrachtet. Die durchreisenden Mobilfunkteilnehmer haben sich sowieso schon an die Funklöcher gewöhnt, die maulen höchstens ein bißchen, aber würden deshalb nicht kündigen. Was hätte also einen gewinnorientierten Mobilfunk-Betreiber bisher veranlassen sollen, Kosten und Aufwand zu investieren, wenn in einem bestimmten Gebiet einfach zu wenig Menschen wohnen?
.freedom. 19.11.2019
3. Zuerst wurden die Sahnestückchen versorgt.
Die nicht ganz so rentablen Gegenden werden bis heute nicht anständig versorgt, denn das kostet und bringt nicht viel ein. Persönlich sind 2-3 Gebiete bekannt in denen ca. 10 Häuser stehen. In diesen Gebieten gibt es keinen HandyEmpfang. Hier soll anscheinend der Staat erpresst werden um mehr Geld locker zu machen. Es müssten einmal die Vertragsbestimmungen veröffentlicht werden.
zooombie 19.11.2019
4. Das ist wie immer eine Frage der Betrachtungsweise.
Wenn man Alles glaubt, was die Politk oder die Industrie so alles erzählt über Schädlichkeit und Unschädlichkeit, Umweltverträglichkeit und Sozialakzeptanz, dann würde Ihr Ansatz durchgehen. Ist aber nicht so, und deshalb kann man auch nicht die Abgase, die aus einem EURO VI Auto kommen als Heilinhalation in Luftkurorten anwenden. Die Frage der Unbedenklichkeit z.B. von Funkstrahlungen ist längst nicht so geklärt, wie die das gerne glauben machen würden. Also haben wir Gott sei Dank keine chinesischen oder türkischen Verhältnisse, was Bauprojekte angeht. Was mich an der ganzen Geschichte am Meisten stört: Die Telekonzerne können sich dämlich verdienen, die Lücken in der Infrastruktur sollen wieder von Steuergeldern geschlossen werden. Die wachsweichen Vorgaben der Regierung, die Konzerne "sollten" über nationales Roaming verhandeln (nicht etwas dies verbindlich vereinbaren müssen), das paßt mal wieder zum Kompetenzbereich und gesunden Menschenverstand des zuständigen Ministers. Aber was macht da schon eine Milliarde mehr oder weniger noch aus...
keine Zensur nötig 19.11.2019
5. Tolle Karte -
und nun noch den Breitbandatlas dazu - zwecks Grundversorgung, vorallem auf dem Land. Das ist da, wo verwöhnten Städtern das Essen produziert wird und wo alles verspargelt werden soll. Statt staatlich subventioniert nach Funk zu blöken, wäre ein Anschluss an die digitale Welt ganz hilfreich. Immer wieder schön - der Abbau von analogen Leitungen bei gleichzeitigen Fehlen von DSL in vertretbaren Geschwindigkeiten. Was für die Landeier als Versorgung gilt hier: https://www.golem.de/news/internetanschluss-bundesnetzagentur-nennt-56-kbit-s-funktional-1911-145016.html?utm_source=pocket-newtab Telefonie verlangt 500kbits aufwärts. Tolle Streamingsangebote - nur per Brieftaube. Homeoffice nur mit berittener Post. ÖPNV endet ab 18:00 Uhr am Stadtrand. Und dann wundern, wenn man auf dem Land die Falschen wählt.
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