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10. März 2013, 23:53 Uhr

Internetsperren in Iran

Behörden schließen Schlupfloch gegen Zensur

Iranische Behörden blockieren VPN-Verbindungen - ein Tool, mit dem sich die umfassenden Internetsperren der Islamischen Republik umgehen ließen. Damit unterbinden Irans Machthaber vor der Wahl im Juni eine der letzten Ausfluchten aus der Zensur.

Dubai - Die iranischen Behörden perfektionieren ihre Kontrolle über das Internet: VPN-Verbindungen, die nicht registriert wurden, sind fortan gesperrt. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Mehr am Sonntag. Mittels VPN-Verbindungen haben bisher viele Iraner die Internetzensur umgangen: Sperrte ein Filter des Regimes den Zugang zu "anstößigen oder kriminellen" Web-Angeboten, ließ er sich mit speziellen VPN-Tools (Virtual Private Network) austricksen. Denn durch VPN wird die Verbindung wie durch einen Tunnel auf einen Server im Ausland umgeleitet.

Dieser Trick ist durch die Sperre nun passé. Iraner können Seiten wie YouTube, Facebook und viele westliche Nachrichtenangebote nicht mehr aufrufen. "Von jetzt an können nur legale und registrierte Verbindungen genutzt werden", sagte der Vorsitzende des parlamentarischen Telekommunikationsausschusses, Ramezanali Sobhani-Fard.

Das Internet galt in Iran lange Zeit als ein relativ sicheres Kommunikationsinstrument für Regimekritiker. Das änderte sich jedoch mit der sogenannten Grünen Revolution: Nach den offenkundig manipulierten Präsidentschaftswahlen 2009 nutze die Opposition das Web, um Demonstrationen und Versammlungen zu organisieren. Damals registrierten die Ajatollahs: Wenn sie ihre Macht nicht noch stärker gefährdet sehen wollen, müssen sie das Internet so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen.

Im Juni dieses Jahres stehen wieder Wahlen an - und die Regierung schließt die letzten Schlupflöcher.

Ein Internetnutzer aus der Stadt Isfahan bestätigte die Blockade: "VPNs sind abgeschaltet. Sie haben alle Ports geschlossen", sagte er via Facebook und ergänzte, dass er die Sperre mit einer anderen Software umgangen habe. Auch Skype und Viber, Programme zum Chatten und Telefonieren, seien nicht mehr zugänglich gewesen.

Mehdi Akhavan Behabadi, der iranische Sekretär des Hohen Rates für Internetbelange, hatten diesen Schritt bereits im Januar angekündigt. Als "legal" bezeichnete er die Nutzung von VPN-Verbindungen etwa für Finanzinstitutionen, die digitale Transaktionen aus Sicherheitsgründen verschlüsseln.

Amin Sabeti, der in Großbritannien zu iranischen Medien und dem Internet forscht, sagte, ausländische Firmen wie etwa Fluggesellschaften oder Banken hätten bereits Probleme mit ihren VPN-Verbindungen gehabt. Durch den Zwang, die Verbindungen nun zu registrieren, meint Sabeti, könnten die iranischen Behörden zudem den Datenverkehr noch leichter übewachen.

sun/Reuters

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