Internet Verleger fordern Steuerrabatt für E-Paper

Papier ist auch nicht mehr das, was es einmal war: Das Verlagsgeschäft dürfte sich zunehmend auf elektronische Vertriebswege verlagern. Nach Informationen des SPIEGEL fordern die Verleger für E-Paper-Ausgaben nun gleiche steuerliche Bedingungen wie für Papier.
"New York Times" auf Amazons Kindle: Gleiche Inhalte, unterschiedliche Steuer

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Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Die deutschen Zeitschriftenverleger fordern nach Informationen des SPIEGEL, dass auch für ihre Publikationen im Internet der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent fällig wird. Die derzeitige Regelung sei "absurd", so der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Während auf gedruckte Presseerzeugnisse eine ermäßigte Umsatzsteuer erhoben wird, muss derzeit für inhaltlich identische elektronische Zeitschriften, die im Internet heruntergeladen werden, der volle Steuersatz von 19 Prozent entrichtet werden.

"Es entbehrt jeder inneren Logik, gleiche Inhalte unterschiedlich zu besteuern", sagt VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe bereits 2009 dem VDZ gesagt, sie wolle diese Frage prüfen. Seitdem habe man nichts mehr gehört.

Die Verleger fordern seit langem, dass hierzulande wie in England auf die Umsatzsteuer für das Pressewesen verzichtet wird. "Unabdingbar" sei, wenigstens elektronische Zeitschriften und gedruckte Presse gleich zu besteuern.

Zwei Verbreitungswege, ein Produkt, zwei Steuersätze?

Gemeint sind hier ausdrücklich die sogenannten E-Paper, elektronische Vollversionen der gedruckten Ausgaben, wie sie auch der SPIEGEL anbietet. Die gibt es prinzipiell seit Jahrzehnten: Erste elektronische Zeitschriften erschienen zum Abruf über Datenbankdienste schon Anfang der Achtziger, 1994 gab es das erste Angebot in Deutschland. Erst seit rund zehn Jahren aber leisten sich Verlage aufwendig gestaltete E-Ausgaben, die bisher meist im weitverbreiteten PDF-Format ausgeliefert werden.

Die meisten dieser Ausgaben sind kostenpflichtig, der Markt gilt bisher aber als überschaubar groß. Mit dem Boom von E-Readern wie Amazons Kindle oder dem Multimedia-Tablet-PC iPad von Apple hat das Thema deutlich an Attraktivität gewonnen. Auch die Evolution von Smartphones zu Tastaturlosen Vollbildschirm-Geräten - man denke an das iPhone und all seine Epigonen - macht das Lesen elektronischer Verlagsangebote auch mobil zunehmend alltäglich. Erfahrungen auf dem asiatischen Markt zeigen, dass dies bis hin zum Konsum von regulären Büchern per Handy gehen kann.

Die Zeit des Nischenmarkts scheint für E-Ausgaben also zu Ende zu gehen: In den USA verkaufte Apple binnen eines Monats eine Million iPads. Das Gerät wird ab Ende Mai auch in Deutschland angeboten. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich große Teile des Geschäfts sukzessive in den Bereich elektronisch verbreiteter Inhalte verlagern werden. Inwiefern die kostenpflichtigen Angebote sich gegenüber den meist kostenlosen Websites behaupten können, ist noch nicht abzusehen.

Die Verkaufszahlen kostenpflichtiger E-Ausgaben gedruckter Magazine für das iPad zeigen immerhin schon eine moderate Steigerung gegenüber den Verkaufszahlen bisheriger E-Versionen.

pat
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