IPredator ausgesperrt Internet-Anonymisierer hat Stress mit PayPal

Anonym im Netz surfen, das ermöglichen Dienstleister wie IPredator. Doch das Unternehmen hat nun Ärger mit PayPal und Anbietern von Kreditkartenzahlungen. Die Betreiber vermuten politische Stimmungsmache.
IPredator-Seite: Anonym statt ausgespäht

IPredator-Seite: Anonym statt ausgespäht

Wer sich unerkannt im Internet bewegen will, kann sich einen Zugang bei einem Anonymisierungsdienst besorgen. Für das Verschleiern der eigenen Identität gibt es viele gute Gründe. Ein Nebeneffekt: Wird man beim illegalen Dateientausch erwischt, landet die Abmahnung bei dem Anonymisierer - und der kann oft gar nicht nachvollziehen, welcher seiner Nutzer damit gemeint ist. Und selbst wenn: Viele dieser Dienste lassen sich mit ausgedachtem Namen und anonymer Bezahlung nutzen.

Rechtlich geht das in vielen Ländern in Ordnung, so auch in Schweden, von wo aus der Anonymisierungsdienst IPredator  arbeitet. Rund 14.000 Kunden nutzen das Angebot. Doch wer der auf Zypern angemeldeten Firma die monatliche Gebühr für den anonymen Internetzugang überweisen will, hat es nun schwerer als bisher: Der weitverbreitete Zahlungsdienstleister PayPal hat IPredator das Konto eingefroren.

Zuvor hatte schon der schwedische Dienstleister Payson das einfache Zahlen per Kreditkarte für IPredator eingestellt. IPredator wollte daraufhin einen anderen Dienstleister zur Abwicklung von Kreditkartenzahlungen in Anspruch nehmen, holte sich aber einen Korb: Angeblich stehe IPredator auf einer schwarzen Liste.

PayPal sorgt sich ums Image

Kreditkartenanbieter Visa bestreitet, mit der Ablehnung etwas zu tun zu haben. "Weder bevorzugt noch lehnt Visa Europe einzelne Geschäftsmodelle ab", heißt es bei Visa Europe. Auch die US-Firma Visa sei in keiner Weise involviert. PayPal verweist auf das Bankgeheimnis und äußerte sich nicht zu konkreten Fragen. Nur so viel: Man sei verpflichtet, Identität und Adresse von Kunden zu prüfen. Außerdem wird auf eine Liste mit mehr als 30 verbotenen Aktivitäten  verwiesen.

Der Internet-Aktivist Daniel Domscheit-Berg, der für IPredator arbeitet, beklagt mangelnde Transparenz: PayPal habe das Konto mit einer Standard-Nachricht eingefroren und sei seitdem nicht zu erreichen gewesen. Tatsächlich habe PayPal im März weitere Unterlagen von IPredator angefordert, sagt Domscheit-Berg. Die habe man eingereicht und nichts weiter von dem US-Unternehmen gehört: "Die Dokumente liegen seit Monaten vor."

"Niemand sagt uns, warum unser PayPal-Konto nun eingefroren ist und was wir dagegen tun können", sagt Domscheit-Berg. "Irgendwer entscheidet, und wir haben keine Handhabe." Der Aktivist hatte schon einmal Ärger mit PayPal: Vor drei Jahren hatten PayPal, Mastercard und Visa die Weitergabe von Spenden an die Enthüllungsplattform WikiLeaks eingestellt, offenbar auf Druck von US-Behörden.

Formfehler oder Netzpolitik?

Domscheit-Berg, damals WikiLeaks-Mitarbeiter, hat nach eigenen Angaben über Stunden in der PayPal-Hotline gehangen. WikiLeaks klagte über eine politisch motivierte Spendenblockade. Nach dem Schlag gegen den Dateispeicherdienst Megaupload im vergangenen Jahr kündigte PayPal mehreren einschlägigen Filehostern die Zusammenarbeit auf - das Unternehmen will möglicherweise nicht in den Ruf geraten, Geschäfte mit illegalen Kopien zu ermöglichen.

Die Schweizer PostFinance hatte WikiLeaks einst ein Konto gekündigt, weil die Enthüllungsplattform eine falsche Adresse in dem Land angegeben hatte. Geht es diesmal auch um Formfehler? Oder sollen auch im aktuellen Fall Zahlungen unterbunden werden, weil IPredator aus Sicht von Copyright-Hardlinern auf der falschen Seite steht?

Immerhin wurde IPredator vor drei Jahren aus dem Umfeld der Torrent-Plattform The Pirate Bay heraus gegründet. Über die Plattform werden Links auf illegale Kopien verbreitet; mit Hilfe des Anonymisierungsdienstes lassen sich die Dateien herunterladen, ohne dass Abmahnanwälte dagegen vorgehen können. Im kleinen Team von IPredator: Peter Sunde, einer der Pirate-Bay-Gründer.

"Nicht wirklich an Profit orientiert"

Verdienen die Datei-Piraten hier über einen Umweg Geld? Den Verdacht weist Domscheit-Berg entschieden zurück: "Das Geschäftsmodell von IPredator ist nicht wirklich an Profit orientiert", sagt er. Auch gebe es keine Verbindungen zu The Pirate Bay. Mit den aktuellen Betreibern habe man nichts zu tun. Das Verhältnis zu den ursprünglichen Gründern soll eher unterkühlt sein.

Das Geld für den laufenden Betrieb von IPredator sei regelmäßig vom nun eingefrorenen PayPal-Konto abgebucht worden, sagt Domscheit-Berg. Dafür soll aber noch Geld eines anderen Projekts auf dem Konto liegen: Gerade hat Peter Sunde einen abhörsicheren Messenger für Smartphones vorgestellt, genannt Hemlis . Binnen drei Tagen sammelte das Team rund 150.000 Dollar ein - die sollen nun auf dem PayPal-Konto festsitzen.