Tweet an Twitter-Chef Irans Präsident Rohani verspricht Social-Network-Freiheit

Es ist ein kurzer Austausch, der für weltweite Aufmerksamkeit sorgt: Twitter-Gründer Jack Dorsey schickt einen Tweet an Irans neuen Präsidenten Hassan Rohani. Der antwortet überraschend - und verspricht Social-Networking-Freiheit für Irans Bürger.
Rohani-Tweet: "Guten Abend, @Jack"

Rohani-Tweet: "Guten Abend, @Jack"

Teheran/San Francisco - Von dieser Art Öffentlichkeitsarbeit können andere Internetunternehmen nur träumen. Jack Dorsey, Mitgründer der Kurznachrichtenplattform Twitter, richtete - natürlich via Twitter - eine Frage an Irans neuen Präsidenten Hassan Rohani. Der antwortete, und zwar auf eine Art, die Dorsey hoffen lässt, dass künftig auch Iraner den Dienst werden nutzen können.

Derzeit sind Twitter, Facebook und andere Dienste in Iran gesperrt. Die Regierung von Mahmud Ahmadinedschad hatte die sozialen Medien spätestens während der sogenannten Grünen Revolution fürchten gelernt. Als Mitte September dieses Jahres dann Twitter und Facebook kurzzeitig zugänglich waren, hofften Iraner bereits auf einen Politikwechsel - doch die zuständige Behörde erklärte kurz darauf: "Das Fehlen eines Facebook-Filters in der vergangenen Nacht war offenbar ein technisches Problem." Eine Untersuchung des "Fehlers" wurde angekündigt, die Sperre umgehend wiederhergestellt.

Rohani selbst hatte schon vor seinem Amtsantritt begonnen, Twitter zu nutzen. Sein erster Tweet  verwies auf ein YouTube-Video, in dem seine Kandidatur angekündigt wurde. Ende September hatte Dorsey ihn auf Twitter willkommen geheißen, es sei "inspirierend", dort auf einen iranischen Präsidenten zu treffen. Rohani - oder einer seiner Mitarbeiter - hatte Twitter auch schon nach seinem vieldiskutierten Telefonat mit US-Präsident Obama genutzt , um öffentlich auf das "historische" Gespräch hinzuweisen.

Am gestrigen Dienstag fragte Dorsey Rohani dann, wieder Twitter-öffentlich, ob denn "die Bürger Irans Ihre Tweets lesen können". Zum Erstaunen vieler antwortete der neue iranische Präsident höflich , in medientypischer Verkürzung und sogar unter Verwendung eines Hashtags, des Rauten-Symbols, mit dem bei Twitter Themenstränge kenntlich gemacht werden sollen.

"Guten Abend @Jack. Wie ich @campanour bereits gesagt habe, richten sich meine Anstrengungen darauf, sicherzustellen, dass mein Volk bequemen Zugang zu aller Information weltweit bekommt, wie das sein #Recht ist."

Dorsey bedankte sich und bot Hilfe an : "Wenn wir dabei behilflich sein können, das zu verwirklichen, lassen Sie es uns wissen."

@Camanpour  ist die Fernsehjournalistin Christine Amanpour, die Rohani vor kurzem für CNN interviewt hatte. In dem Gespräch sagte Irans Präsident, er arbeite daran, "sicherzustellen, dass das iranische Volk Zugang zu aller Information weltweit bekommt und sie nutzen kann". Das aber könne mindestens einige Monate dauern. Im gleichen Gespräch sagte Rohani einen weiteren Satz, der iranischen Internetnutzern Hoffnung machte, dass er all das tatsächlich ernst meint: "Es gibt heute weltweite soziale Netzwerke und ich glaube, dass alle menschlichen Wesen und alle Nationen das Recht haben, sie zu nutzen."

Mit seinen Bemühungen um mehr Offenheit stößt Rohani derzeit auch im von Konservativen dominierten iranischen Parlament offenbar nicht auf Widerstand. Am Dienstagabend unterzeichneten der Nachrichtenagentur Fars zufolge 230 von 290 Abgeordneten eine Erklärung, in der sie Rohanis Rede vor der Uno-Vollversammlung begrüßen. Rohani habe das Bild eines "machtvollen und friedliebenden Irans" gezeichnet, der das Gespräch suche, um regionale und internationale Fragen zu klären.

Der Nachrichtenagentur Isna zufolge hatte Rohani zuvor den Abgeordneten über seine Reise nach New York und die Gespräche mit Vertretern westlicher Staaten informiert. Rohani hatte sich vor der Uno-Vollversammlung gemäßigter gezeigt als sein Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad und damit Hoffnungen auf Bewegung im seit Jahren schwelenden Atomstreit geweckt.

cis/Reuters