Italien Blogger organisieren riesige Demonstration gegen Berlusconi

"No Berlusconi Day": Mindestens 90.000 Italiener demonstrierten in Rom gegen den konservativen Regierungschef Silvio Berlusconi. 700 Busse und vier Sonderzüge brachten die Protestler aus ganz Italien in die Hauptstadt - es war die erste über das Internet organisierte Kundgebung in Italien.
Italiens Regierungschef Berlusconi: Immer wieder im Konflikt mit der Justiz

Italiens Regierungschef Berlusconi: Immer wieder im Konflikt mit der Justiz

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Silvio Berlusconi

Italien

Rom - Riesenaufmarsch in Rom: Bei einer Demonstration gegen die rechtsgerichtete Regierung von sind am Samstag nach Angaben der Veranstalter mehr als 350.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Kundgebung stand unter dem Motto "No Berlusconi Day" - mit 700 Bussen und vier Sonderzügen wurden die Demonstranten aus ganz angekarrt. Die Polizei sprach von 90.000 Teilnehmern.

Veranstalter waren weder Parteien noch Gewerkschaften, sondern eine Bloggergemeinschaft, die Anfang Oktober über das soziale Netzwerk Facebook einen Appell lanciert hatte, den umstrittenen 73-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern. Innerhalb weniger Tage zählte die Gruppe Tausende von Mitgliedern. Für die Demonstration hatten die Organisatoren dazu aufgefordert, sich violett zu kleiden, weil diese Farbe in Italien nicht politisch einzuordnen sei.

Die größte italienische Oppositionspartei PD entschied sich dafür, nicht an den Protesten teilzunehmen. Gewerkschaften, Mitglieder der kommunistischen Partei sowie die kleine Anti-Korruptionspartei "Italien der Werte" von Antonio Di Pietro schlossen sich der Initiative an.

Kritisiert wurde vor allem, dass mehr über Berlusconis Skandale gesprochen werde als über seine Politik. Dies sei durchaus in der Absicht des Regierungschefs. Unbeachtet unterminiere der Premier so die Verfassung und die Demokratie, sagte der Sprecher der Veranstalter, Massimo Malerbo aus Catania.

Berlusconi gerät immer wieder in Konflikt mit der Justiz. Erst vor einem Monat scheiterte sein Versuch, durch ein umstrittenes Immunitätsgesetz gleich mehreren Prozessen zu entgehen. Italiens Oberstes Gericht erklärte die Norm für nicht verfassungskonform. Erst in dieser Woche wurde er zudem von einem Ex-Mafioso schwer belastet: Berlusconi solle sich kurz vor dem Einstieg in die Politik mit den Verbrechern verbündet haben.

vme/dpa/AFP
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