Julian Assange Blinde Flecken bei WikiLeaks

WikiLeaks-Gründer Julian Assange: Keine Antworten auf offene Fragen
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WikiLeaks-Gründer Julian Assange: Keine Antworten auf offene Fragen

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3. Teil: Gibt es den WikiLeaks-Beirat wirklich?


In der aktuellen WikiLeaks-Selbstdarstellung findet sich kein Hinweis mehr auf den sogenannten Beirat des Portals. In einer archivierten Version vom März 2008 kann man nachlesen, wie WikiLeaks das Renommee und die Glaubwürdigkeit der Beiratsmitglieder betonte:

"Zu unserem öffentlichen Beirat, der noch aufgebaut wird, gehören mutige Journalisten, Vertreter von Flüchtlingsorganisationen, Anti-Korruptionsaktivisten, darunter ein ehemaliger nationaler Leiter von Transparency International, Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und Kryptografie-Experten."

Neben Julian Assange führt WikiLeaks auf seiner aktuellen Homepage noch immer acht Personen als Beiratsmitglieder auf - dieselben wie in der archivierten Version aus dem Jahr 2008. SPIEGEL ONLINE hat wie zuvor schon das US-Magazin "Mother Jones" alle diese Personen angeschrieben und zu der Arbeit des Beirats befragt. Einige antworteten:

  • Der chinesische Menschrechtler Xiao Qiang gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Ich wurde 2007 per E-Mail gefragt, ob ich Mitlied des Beirats sein will, habe aber nie meine Zustimmung gegeben. Ich war überrascht, meinen Namen auf der Web-Seite zu sehen."
  • Der australische Publizist Philip Adams bestätigt SPIEGEL ONLINE: "Ich habe zugestimmt, Mitglied des Beirats zu sein. Das wars. Ich wurde nie um Rat gebeten, nie zu einem Treffen eingeladen. Ich stehe zur Verfügung, erwarte aber nicht, von Julian zu hören."
  • Der Übersetzer und Gründer der Initiative Freedom Against Censorship Thailand, CJ Hinke, bestätigt SPIEGEL ONLINE, als Berater für WikiLeaks zu arbeiten. Man habe bei mehreren Veröffentlichungen von Sperrlisten der thailändischen Regierungen, bei dem Vorschlag für ein neues Medienrecht in Island und anderen Projekten zusammengearbeitet. Hinke: "Es gab mehrere informelle Treffen von Beiratsmitgliedern, aber da wir über den Globus verstreut sind, finden diese eher spontan statt." Hinke lobt die Arbeit von WikiLeaks und versichert dem Projekt seine "bedingungslose Unterstützung".
  • Tashi Namgyal Khamsitsang sagte dem US-Magazin " Mother Jones", er sei von WikiLeaks nie um Rat gebeten worden.
  • Sicherheitsexperte Ben Laurie sagte " Mother Jones": "WikiLeaks hat angeblich einen Beirat und angeblich bin ich ein Mitglied." Auf die Anfragen von SPIEGEL ONLINE reagierten Namgyal Khamsitsang und er nicht.

Julian Assange hat den in "Mother Jones" erschienenen Artikel mehrmals öffentlich kritisiert. Als "Mother Jones"-Redakteur Dave Gilson auf einer Konferenz in Berkley bat, sachliche Fehler konkret zu benennen, antwortete Assange laut Gilson: "Ich habe keine Zeit, dieses Stück Scheiße in der Luft zu zerreißen. Erledigen Sie Ihre verdammte Recherchearbeit selbst."

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