In Ecuadors Botschaft Schweden dürfen Assange verhören

In den Fall Julian Assange kommt wieder Bewegung: Schwedische Behörden haben von Ecuador die Zusage bekommen, den seit vier Jahren in London festsitzenden WikiLeaks-Gründer zu befragen.

Die ecuadorianische Botschaft in London
REUTERS

Die ecuadorianische Botschaft in London


Schwedische Staatsanwälte dürfen den WikiLeaks-Gründer Julian Assange nach langem Hin und Her in Ecuadors Botschaft in London zu einem Vergewaltigungsvorwurf befragen.

Die ecuadorianischen Behörden hätten einem Verhör zu dem Vorwurf aus dem Jahr 2010 zugestimmt, sagte eine Sprecherin der Anklage. Zwischen Ecuador und der schwedischen Staatsanwaltschaft werde ein Termin vereinbart werden, teilte das Außenministerium in Quito mit.

Schon letztes Jahr schien es kurz so, als könnten die schwedischen Behörden Assange in der Botschaft Quitos in London vernehmen. Dazu kam es aber nicht, da Ecuador den Fragenkatalog der Schweden zurückgewiesen hatte.

Die schwedische Justiz will Assange in Zusammenhang mit den Vergewaltigungsvorwürfen vernehmen, die gegen ihn erhoben werden. Nachdem ihn eine Schwedin angezeigt hatte, wurde 2010 ein europäischer Haftbefehl gegen Assange erlassen. Der 45-jährige Australier sagt, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, die Anschuldigungen weist er als politisch motiviert zurück.

Assange lebt seit mehr als vier Jahren in der Botschaft, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen. In Großbritannien hatte er alle Rechtsmittel gegen einen Antrag Schwedens auf seine Auslieferung ausgeschöpft. Seitdem lebt er im Botschaftsgebäude auf beengtem Raum mit Bett, Computer und Balkonzugang.

Assange fürchtet Auslieferung an die USA

Sollte der WikiLeaks-Gründer das Botschaftsgelände verlassen, will ihn die britische Polizei festnehmen und an Schweden überstellen. In diesem Fall befürchtet Assange, von den schwedischen Behörden an die USA ausgeliefert zu werden. Dort könnte ihm nach eigenen Angaben wegen Geheimnisverrats aufgrund der Enthüllungen seiner Plattform WikiLeaks eine langjährige Haftstrafe und möglicherweise sogar die Todesstrafe drohen.

Am Dienstag ging Assange gegen die Entscheidung eines schwedischen Bezirksgerichts in Berufung, den Haftbefehl aufrechtzuerhalten. Weitere Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den Australier waren im vergangenen Sommer verjährt. Der Vergewaltigungsvorwurf steht noch im Raum und würde erst 2020 verjähren. Ein Datum für das Verhör solle bestimmt werden, sobald Chefanklägerin Marianne Ny aus dem Urlaub zurückgekehrt sei.

Um das Verhör hatten die Schweden sich nach eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr bemüht. Einen ersten Antrag hatte Ecuador demnach aus formalen Gründen abgelehnt.

brt/dpa/AFP

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