Gesundheit von Julian Assange Uno-Sonderberichterstatter spricht von "psychologischer Folter"

Wie geht es Julian Assange, der in Großbritannien im Gefängnis sitzt? Ein Uno-Sonderberichterstatter, der Assange Mitte Mai traf, beschreibt dessen Zustand - und warnt vor einer Auslieferung in die USA.
Julian Assange bei einem Gerichtstermin am 1. Mai 2019

Julian Assange bei einem Gerichtstermin am 1. Mai 2019

Foto: Henry Nicholls / REUTERS

WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist nach Ansicht eines Uno-Sonderberichterstatters über Jahre hinweg "psychologischer Folter" ausgesetzt worden. Assange weise alle entsprechenden Symptome auf, "dazu gehören extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma", sagte Nils Melzer, Sonderberichterstatter zum Thema Folter laut einer Mitteilung vom Freitag . "Es ist offensichtlich, dass die Gesundheit von Herrn Assange ernsthaft durch das extrem feindselige und willkürliche Umfeld der vergangenen Jahre beeinträchtigt wurde."

Melzer, ein Schweizer, hatte Assange am 9. Mai gemeinsam mit Medizinern in einem Gefängnis in London besucht. Assange ist in Großbritannien wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt worden.

Assange befinde sich nicht in Einzelhaft, heißt es von Melzer. Der Sonderberichterstatter befürchtet laut der Mitteilung aber, dass der WikiLeaks-Gründer sich nicht gut genug auf die komplexen rechtlichen Auseinandersetzungen vorbereiten könne, die ihm bevorstehen - unter anderem wegen der begrenzten Zahl und der begrenzten Dauer von Anwaltsbesuchen.

Sieben Jahre lang in der Botschaft

Assange war am 11. April von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land das politische Asyl aufgehoben hatte. Er war 2012 in die diplomatische Vertretung geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor.

Die USA werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor und haben offiziell einen Auslieferungsantrag gestellt - Nils Melzer warnt ausdrücklich vor einer solchen Auslieferung, da er Assanges Menschenrechte in den USA in Gefahr sieht.

Julian Assange wird unter anderem vorgeworfen, sich mit Chelsea Manning verbündet zu haben, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken. Manning hatte WikiLeaks 2010 Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen.

In Schweden hatte die Staatsanwaltschaft im Mai 2017 ihre Ermittlungen eingestellt. Die Anwältin einer von zwei Frauen, die Assange beschuldigt hatten, hat aber die Wiederaufnahme beantragt. Inzwischen hat die schwedische Staatsanwaltschaft einen neuen Haftbefehl gegen den 47-Jährigen beantragt.

"Dramatisch an Gewicht verloren"

Von WikiLeaks hatte es am Donnerstag geheißen, Assange habe im Gefängnis "dramatisch an Gewicht verloren". Er sei auf die Krankenstation der Haftanstalt verlegt worden. Wegen des Gesundheitszustands des Australiers wurde am Donnerstag auch eine Gerichtsanhörung zum Auslieferungsgesuch der USA auf Juni vertagt.

Von Nils Melzer heißt es zum Schluss der Mitteilung, "in 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung" habe er noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um eine einzelne Person so lange und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen. "Die kollektive Verfolgung von Julian Assange muss hier und jetzt enden!"

mbö/dpa/Reuters